Europa-Park Rust Unternehmen Freizeit

Von Jürgen Bock 

Im Europa-Park arbeiten mehr als 3100 Menschen - und scheinen nie zu schlafen.

Rust - Der Europa-Park im badischen Rust feiert 35. Geburtstag - und wächst immer weiter. Dem Zufall überlässt man in Deutschlands größtem Freizeitpark nichts. Zwischen Achterbahnen und Themenhotels arbeitet eine riesige Mannschaft, die niemals schläft.

Das Rumpeln kommt immer näher. Der Boden wackelt. Ein Kreischen bohrt sich ins Ohr und zieht in Sekundenbruchteilen weiter. Der Zug ist vorbeigerauscht. Im Abstand von wenigen Zentimetern. Walter Mitternacht steht auf der Plattform der Achterbahn Blue Fire in 32 Meter Höhe. Unter den Füßen viel Luft. Der Leiter der Stabsstelle Sicherheit im Europa-Park lehnt lässig am Geländer. Dem Besucher, der diesen luftigen Logenplatz nicht gewöhnt ist, geht dagegen der Puls fast so heftig wie den Insassen der Bahn, die eben in 2,4 Sekunden von null auf hundert beschleunigt worden sind.

Für Mitternacht ist dieser Arbeitsplatz Routine. Sein Tag beginnt jedoch mehrere Etagen tiefer. Vom Betriebshof aus, wo sich alle denkbaren Gewerke finden, schwärmen er und seine Mitarbeiter lange vor Parköffnung aus. Die Wartungslisten für die Fahrgeschäfte müssen abgearbeitet werden. Die Sicherheitsbestimmungen sind hier, wo Menschen befördert werden, maximal. Allein im vergangenen Jahr haben die vier Millionen Besucher etwa 60 Millionen Fahrten in den Bahnen absolviert. "Unfälle gibt es", sagt Mitternacht, "aber in den 22 Jahren, in denen ich hier bin, war nie eine technische Ursache der Grund." Immer sei Fehlverhalten der Passagiere schuld gewesen.

Vor Betriebsbeginn laufen sich die Bahnen warm. Unzählige Male ist Mitternacht so in den Genuss von Dienstfahrten mit Looping gekommen. Doch im Lauf der Zeit sind es zu viele Fahrgeschäfte geworden. "Zehn Versuchsfahrten hintereinander kann man einem Menschen nicht mehr zumuten", sagt Mitternacht und lacht. "Einmal bin ich so oft gefahren, dass ich nachts geträumt habe, ich säße rückwärts in einer Bahn." Die Testpassagiere von heute zeigt er mit Schmunzeln: Dummys aus Plastik, mit Wasser gefüllt, simulieren in den Sitzen Größe und Gewicht von Fahrgästen.

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