Der scheidende US-General Scaparrotti (li.) mit dem neuen Eucom-Chef, General Wolters, und dem Heeresstaatssekretär Esper in den Stuttgarter Patch Barracks Foto: Lichtgut/Peter-Michael Petsch

Im Stuttgarter Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa hat General Scaparrotti das Kommando an General Wolters übergeben. Heeresstaatsekretär Esper beteuerte die Bündnistreue der USA.

Stuttgart - Beginnend mit Gründervater, General George Washington, der einst vor „verwickelnden Bündnissen“ warnte, gibt es in den USA unter Politikern und Militärs eine große Tradition der Abschiedsrede: Da wird auf die Jahre im Amt zurückgeblickt, durchaus mit Stolz auf Erreichtes verwiesen und den Frauen und Männern gedankt, die das mit Teamwork möglich gemacht haben. Und mitunter wird auch Klartext geredet.

Zumindest von Letzterem war am Donnerstag wenig zu hören, als der aus Washington angereiste Heeresstaatssekretär Mark Esper im Stuttgarter Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) das Kommando über die US-Soldaten in Europa von Heeresgeneral Curtis Scaparrotti an den Luftwaffengeneral Tod Wolters übergab.

Als gebe es keine politische Krise in den transatlantischen Beziehungen zwischen US-Präsident Donald Trump und den europäischen Verbündeten im Allgemeinen, besonders zwischen Washington und Berlin. Im Gegenteil. Es kam zum Austausch der üblichen Höflichkeiten. Der scheidende Scaparrotti, der sich nach 41 Jahren beim Militär in den Ruhestand nach North Carolina verabschiedet, wurde hochgelobt. Daneben hob Esper hervor, Scaparrotti habe „Eucoms Netzwerk aus Verbündeten und Partnern gestärkt“. Auch der Staatssekretär, der in letzter Minute für den amtierenden Verteidigungsminister Patrick Shanahan einsprang, weil dieser wegen der Krise in Venezuela in Washington blieb, sagte an die Adresse der Verbündeten in Europa gerichtet: „Seien Sie versichert, wir stehen Schulter an Schulter mit Ihnen.“ Präsident Trump fühle sich dem Bündnis „uneingeschränkt verpflichtet“. War das Schadensbegrenzung? Oder an US-Offiziere gerichtet, die mehrheitlich die Nato unterstützen?

Dank an „unsere deutschen Gastgeber“ in Stuttgart

Der Vier-Sterner Scaparrotti, Absolvent der Militärakademie West Point, trat in seiner dreijährigen Amtszeit stets leise und nachdenklich auf, mied die Medien. Mit bezeichnenden Ausnahmen. Zum Beispiel im Umfeld des Brüsseler Nato-Gipfels im Sommer 2018, als Trump Deutschland heftig attackierte, weil es seine Verteidigungsausgaben zu langsam erhöhe. Da erklärte Scaparrotti in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf den militärischen Beitrag Deutschlands in der Nato: „Deutschland ist ein exzellenter Alliierter.“ Auch wenn er wie sein Oberkommandierender Trump betonte, dass Deutschland auch aus seiner Sicht, seine militärischen Anstrengungen verstärken müsse. Jetzt zum Abschied dankte Scaparrotti auch besonders „unseren deutschen Gastgebern“ in Stuttgart. Sein Schwerpunkt an der Spitze von US-und Nato-Truppen in Europa: Das aggressiver auftretende Russland abschrecken. So erhöhten die USA ihre Präsenz an der Ostflanke der Nato, und auch Verbündete verstärkten ihre Operationen etwa in der Schwarzmeer-Region.

Der neue Eucom-Kommandeur Wolters, der an diesem Freitag im Militärhauptquartier der Allianz im belgischen Mons von Scaparrotti auch den Nato-Oberbefehl übernimmt, betonte, sein Auftrag bleibe unverändert. Er wolle auf dem Zugewinn an Kampfkraft aufbauen. „Diese Aktivitäten – Abschrecken und für Frieden sorgen – sind feierliche ewige Ziele“, so der 59-jährige Kampfflieger, der zuletzt die US-Luftstreitkräfte in Europa und Afrika und das Nato-Luftwaffenkommando in Ramstein befehligte. Auch für Berlin müsste das – nach Jahrzehnten der Abrüstung – die Wiederherstellung der Kampffähigkeit bedeuten.

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