Nicht nur Verbrenner verursachen Feinstaub. Foto: dpa/Marijan Murat

Die EU verschärft die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Luft. Damit kommt ein altes Streitthema wieder auf die Tagesordnung – samt Diskussion über Gegenmaßnahmen.

Spätestens 2030 müssen in der EU neue Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid eingehalten werden. Auf einen Vorschlag der EU-Kommission, die mindestens eine Halbierung der bisherigen Schwellen vorschlägt, antwortete der Umweltausschuss des EU-Parlaments mit nochmals niedrigeren Grenzwerten, die sich an Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anlehnen. Gleich nach der Sommerpause soll er beschlossen werden.

 

Zwar wird erst nach weiteren Verhandlungen mit der Kommission und den Mitgliedstaaten feststehen, wie stark die Luftreinhalterichtlinie wirklich verschärft wird. Klar scheint aber schon jetzt, dass die Grenzwerte in Deutschland nicht eingehalten werden. Neue Diskussionen über Gegenmaßnahmen werden die Folge sein, und sie dürften Autofahrer ebenso betreffen wie die Betreiber von Holzöfen oder Pelletheizungen.

Steigende Feinstaubemissionen

Sollten künftig im Jahresmittel bei den besonders kleinen Feinstaubpartikeln (PM2.5) nur noch 5 Mikrogramm je Kubikmeter Luft erlaubt sein und bei den größeren (PM10) 15 Mikrogramm, hätten unter anderem Deutschland und Baden-Württemberg ein Problem – „mehr noch als bei Stickstoffdioxid“, sagt Marcel Langer. Er leitet beim Umweltbundesamt (UBA) die Abteilung Luft und hat errechnen lassen, wie sich die Luftqualität in Deutschland entwickeln wird.

Sogar die letzte Version des Gebäudeenergiegesetzes ist bereits eingepreist – und dürfte für steigende Feinstaubemissionen sorgen, weil Pelletheizungen bei den von der FDP verhandelten nachträglichen Änderungen bessergestellt wurden als in früheren Versionen und entsprechend häufiger verbaut werden dürften. Fünf Prozent zusätzliche Feinstaubemissionen werde die Technologieoffenheit an dieser Stelle mindestens bewirken, so die UBA-Experten.

Der Straßenverkehr wird ebenfalls weiter Feinstaub ausstoßen – weil Abgase nur einen kleinen Teil davon ausmachen und die schweren Elektroautos mehr Reifenabrieb haben. Hinzu kommen Komfortkamine. „Feinstaub schädigt schon heute die Gesundheit mehr als Stickstoffdioxid, auch wenn es in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen wird“, sagt Marcel Langner. Zuletzt hatte eine Studie der AOK und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt einen Zusammenhang von Feinstaub und Grippeerkrankungen aufgezeigt. „Alle profitieren gesundheitlich von einer besseren Luftqualität – besonders Kinder, Schwangere, Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen und ältere Menschen“, sagt die Umweltepidemiologin Barbara Hoffmann von der Uni Düsseldorf.

Fortschritte beim Stickoxid

Die 2008 beschlossenen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid werden im Jahresmittel bundesweit mittlerweile fast überall eingehalten, in Baden-Württemberg an allen Messstellen. Besonders groß sind die Fortschritte beim Stickoxid, und es wird ein weiterer Rückgang erwartet – weil Dieselautos von den Straßen verschwinden. Zudem gehen in den nächsten Jahren Kohlekraftwerke vom Netz. Beim Feinstaub ist eine weitere Absenkung schwerer zu erreichen. Unter die WHO-Werte komme man nicht „mit einfachen Maßnahmen wie Nachrüstprogrammen“, so Langner – sondern mit Verboten.

Ob die jüngst an der Hohenheimer Straße in Stuttgart abgebauten Filtersäulen wieder errichtet werden? Langner glaubt eher an „verkehrslenkende Maßnahmen“, also eine Einschränkung des Verkehrs insgesamt. Auch der Betrieb von Holzheizungen müsste wohl reduziert werden. „Wahrscheinlich werden sich die Emissionen von Verkehr und Holzöfen zu einer Grundbelastung vermischen, zum Beispiel im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet“, vermutet Langner. Die Gegenmaßnahmen müssten entsprechend für ganz Stuttgart gelten. Womöglich brauche es auch „neue Ideen, um die Abriebe von Bremsen, Reifen und Straße deutlich zu reduzieren“, sagt der Dresdner Verkehrsökologe Jens Borken-Kleefeld.