Das Treffen der EU-Außenminister wird zur Wegmarke: Wie weit hat sich Europa zwischen Ab- und möglicher Wiederwahl Donald Trumps von den USA emanzipiert?
Es ist eine historische Chance. Nach seiner Wahlniederlage musste der US-Präsident, Deutschland-Verächter und Putin-Kumpel Donald Trump abtreten. In einem Jahr ist er möglicherweise zurück im Weißen Haus.
Was gab es unter dem Trump-Schock nicht alles an schwungvollen Reden, Europa müsse sehr viel mehr für die eigene Sicherheit tun. Inzwischen war dafür reichlich Zeit. Und schrecklicher Anlass zuhauf: von der Ausweitung des russischen Angriffs auf die Ukraine, dem Überfall der Hamas auf Israel bis zu den aktuellen grenzüberschreitenden Kämpfen vom Gazastreifen bis Pakistan. Wie weit die Europäer sind mit der Emanzipation in ihrer Sicherheitspartnerschaft mit den USA, wird das EU-Außenministertreffen spiegeln. Schließlich stehen die Ukraine und der Nahe Osten auf dem Programm.
Ernüchternd aber wahr: Nach der verdienstvollen Reisediplomatie des Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering vor gut 15 Jahren hat die EU im Nahen Osten keine nennenswerte Initiative mehr entwickelt. Ihr Einfluss? Minimal. Anders in der Ukraine. Ein Glück, denn Russland testet vor allem dort Europas Widerstandskraft. Daher muss die EU jetzt die Grundlagen schaffen, damit sich die Ukraine auch mit sehr viel weniger US-Unterstützung behaupten könnte. Das erfordert erheblich mehr Geschlossenheit, mehr Engagement, mehr Geld als bisher. Anders gesagt: mehr Eigenverantwortung, mehr Emanzipation von Amerika.