Esslinger ZOB-Bebauung Neuer Besitzer sorgt für Unruhe am Bahnhof

Von Kai Holoch 

Noch ist die Stadt Esslingen die Besitzerin des alten Zentralen Omnibusbahnhofs. Wie es dort weiter geht, ist aktuell offen. Foto: Horst Rudel
Noch ist die Stadt Esslingen die Besitzerin des alten Zentralen Omnibusbahnhofs. Wie es dort weiter geht, ist aktuell offen. Foto: Horst Rudel

Die Bensheimer Dietz AG hat das Parkhaus Bahnhof an die LBBW Immobilien-Gruppe verkauft. Das könnte Konsequenzen für die geplante Bebauung des alten Zentralen Omnibusbahnhofs haben. Die Grünen fordern vehement eine Überarbeitung der Pläne.

Esslingen - Ignazio Ceffalia ziert sich noch: Zu privaten Grundstücksverkäufen könne er als stellvertretender Sprecher der Stadt Esslingen nichts sagen. Und was den Verkauf des Geländes des alten Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) angehe, befinde man sich in Verhandlungen. Eine Woche zuvor und hinter verschlossenen Türen ist die Verwaltung im Ausschuss für Technik und Umwelt deutlicher geworden. Das ist jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen.

Da hat der Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht dem Gremium mitgeteilt, dass die Benzheimer Dietz-AG das Parkhaus am Bahnhof bereits Anfang des Jahres an die LBBW Immobilien-Gruppe verkauft hat. Die Nachricht, die auch die Stadtverwaltung erst vor wenigen Wochen erreicht hat, birgt Sprengstoff. Denn die Dietz AG war es gewesen, die 2015 wegen des enormen zeitlichen Drucks, den das Unternehmen für den angestrebten Kauf und die Überbauung des benachbarten alten Zentralen Omnibusbahnhofs aufgebaut hatte, für ein veritables Zerwürfnis zwischen der Verwaltung und dem Gemeinderat gesorgt hatte.

146 Micro-Apartements und eine Rewe-Erweiterung sind geplant

Schließlich hatte die Verwaltung auf Druck des Gemeinderats den Verkauf zurückgestellt und von der Unterzeichnung eines städtebaulichen Vertrags abhängig gemacht. Unter anderem deshalb, auch aber, weil Dietz seine ursprünglichen Hotel- und Fitnessclub-Ideen verwarf, waren die Pläne zur Überbauung des ZOB ins Stocken geraten. Allerdings soll der Gemeinderat den in den vergangenen Monaten erarbeiteten Bebauungsplanentwurf, der nun unter anderem die Erweiterung des Rewe-Markts, die Schaffung von 146 hotelähnlichen Mikro-Apartments und die Einrichtung einer städtischen Mobilitätszentrale vorsieht, noch vor der Sommerpause genehmigen. Ende des Jahres könnte dann die Baugenehmigung für den ZOB erteilt werden.

Johannes Schlosser, Niederlassungsleiter Süd der LBBW Immobilien Development, bestätigt den Kauf des Parkhauses. Derzeit befinde man sich in intensiven Gesprächen mit der Stadt. Dabei gehe es auch um die Ausgestaltung des ursprünglich auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal geplanten Mobilitätszentrums. Grundsätzlich sei, so Schlosser, die LBBW Immobilen-Gruppe bereit, in die bisherigen Planungen einzusteigen und das Projekt nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekturbüros Wittfoht zu bauen.

Klare Raumkante und Klinkerfassade

Geplant ist ein Gebäude, das dem Bahnhofsvorplatz nach Nordwesten hin eine klare Raumkante gibt. Die Klinkerfassade soll sich stilistisch an die Gründerzeit-Architektur anpassen, das Gebäude nur drei Meter Abstand zum Parkhaus haben. Das lässt sich nur verwirklichen, wenn beide Gebäude im Besitz eines Investors sind.

Derweil wird der Verkauf von Dietz an die LBBW-Immobilien-Gruppe zu einer neuen Diskussion über die Ausgestaltung des Gebäudes im Allgemeinen und der dort geplanten Mobilitätszentrale im Besonderen führen. Die Stadt hatte sich – sehr zum Missfallen der Grünen – mit einer vergleichsweise kleinen Mobilitätszentrale und einem Fahrradparkhaus im ersten Stock zufrieden geben wollen, das über eine fensterlose Rampe zu erreichen wäre. Die Tatsache, dass die Stadt nach wie vor im Besitz des ZOB-Grundstücks sei, müsse man nutzen, um eine Mobilitätszentrale zu schaffen, die diesen Namen auch verdiene, betonte die Fraktionschefin der Grünen im Gemeinderat, Carmen Tittel.

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