Ob als Rübengeist, im Suppentopf oder Backofen:Kürbisse findet man auf dem Esslinger Wochenmarkt in Hülle und Fülle. Foto: /Petra Weber-Obrock

Herbstzeit ist auf dem Esslinger Wochenmarkt nicht nur Kürbiszeit. Auch Sommergemüse, Salate, Kohl und Trauben finden reißenden Absatz. Denn viele Kunden schätzen die regionalen Erzeuger.

Esslingen - Wo kommt der denn her?“, Eine Kundin greift nach einem frischen, grünen Spitzkohl. „Der wächst bei uns“, sagt Marktbeschicker Walter Klingler stolz, der sein Gemüse in Waiblingen nach den Richtlinien des Demeterverbands anbaut. Spitzkohl, Wirsing, Grünkohl und verschiedene Salatsorten türmen sich auf seinem Stand neben Tomaten, Paprikaschoten und Gurken. „Wir sind gerade in einer Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst. Da ist das Angebot besonders groß.“ Die Nachfrage nach regional angebautem, saisonalem Gemüse sei in den letzten Jahren gestiegen.

 

Auch der Biolandhof Gruel aus Owen legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. „Wir haben 50 Jahre Erfahrung mit dem Anbau von Kartoffeln“, erzählt Monika Schwager. Die Sorte Gunda ist mehlig kochend und für Püree geeignet, die vorwiegend festkochende Jelly ist ein Allroundtalent. „Unsere festkochende Antonia ist leider schon vergriffen.“ Am Stand gibt es von der Sellerieknolle über Pastinaken bis hin zu Zwiebeln und Sommergemüse alles, was das Herz begehrt. „Aber für mich ist der Herbst Suppenzeit“, legt Monika Schwager ihre Prioritäten fest.

Kernlose Trauben sind beliebt

Egal, ob Bio- oder konventioneller Anbau, die Marktbesucher können im Moment in einem üppigen Angebot schwelgen. Morgens um 11 Uhr sind die Schlangen vor den Käse- und Wurstwagen lang. An den Obst- und Gemüseständen drängen sich die Kunden und lassen sich Salat, Blumenkohl, ein Kilo Trauben oder ein Pfund Tomaten einpacken. Selten ist die Auswahl größer als in den Wochen rund um das Erntedankfest. Unter dem herbstlich blauen Himmel legt sich fast ein wenig mediterranes Flair über Esslingen. Eine Augenweide bieten die Kürbisse von Martin Wilhelm aus Kernen/Stetten. Orange, Goldgelb, Grün und Creme – die unterschiedlichen Sorten prangen in leuchtenden Herbstfarben. „Der ist ja so groß“, kommentiert ein kleiner Junge angesichts eines Prachtexemplars, das ihm locker bis übers Knie reicht. „Ist der echt?“ Martin Wilhelm lacht und erklärt, dass sich aus dem Riesending ein prächtiger Kürbisgeist zu Halloween schnitzen lässt. „Geschmacklich ist der allerdings etwas fad“, schränkt der Kürbiskenner ein und empfiehlt stattdessen den orangefarbenen Hokkaido, aus dem sich deftige Suppen zubereiten lassen, oder den länglichen Butternut, der im Backofen sein volles Aroma entfaltet.

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Die Betriebe aus dem Remstal sind oft im Gemüse-, Obst- und Weinanbau gleichzeitig tätig. Weiße und blaue Tafeltrauben aus dem eigenen Wengert gehören beim Weingut Medinger zum Angebot. „Die Nachfrage nach kernlosen Trauben ist gerade besonders groß. Ich finde die Muskatellertrauben, aus denen wir Wein machen, aber auch sehr empfehlenswert“, sagt Barbara Medinger-Schmied, deren Urgroßvater schon den Esslinger Wochenmarkt mit Süßkirschen beliefert hat. Neben Wein gibt es an ihrem Stand auch prickelnd frischen Süßmost, der zu Hause nachreifen kann. „Unser neuer Wein ist nicht nur eine gute Begleitung für selbst gemachten Zwiebelkuchen. Einige Kunden nehmen sich gleich mehrere Flaschen für eine Traubenkur mit, die der Entschlackung dienen soll.“

„Die Leute kaufen gerne beim Erzeuger“

Die Esslinger Betriebe setzen ihren Schwerpunkt deutlicher auf den Gemüseanbau. „Die Auswahl ist gerade riesig“, findet Manuela Maier von Gemüsebau Rühle aus der Pliensauvorstadt. Die Salate seien noch frisch und knackig. Bei den Kohlsorten wie Rosenkohl, Blumenkohl, Grünkohl, Spitzkohl und Wirsing beginne die Saison. Seit Corona sei die Nachfrage noch einmal gestiegen. „Viele junge Familien finden den Weg an unseren Stand.“

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Auch Reinhard Clauß, der im Neckartal und in den Hanglagen von Berkheim und Rüdern Äcker bewirtschaftet, kann über mangelnde Nachfrage nicht klagen. „Die Leute kaufen gern beim Erzeuger“, sagt er über seinen üppig bestückten Stand hinweg. „Die junge Generation kocht generell mehr. Und sogar die alten Kohlsorten liegen wieder im Trend.“ Für Wurzelgemüse wie Sellerie, Rote Beete und Kohl beginnt die Saison. „Den Trend zum regionalen Einkauf gibt es seit über 20 Jahren“, meint er und fordert von der Gärtnerzunft Anstrengungen und Ideen, um die wachsenden Ansprüche an Qualität und Vielfalt zu erfüllen. Der Ball gehe aber auch an die Politik. „Es wird gerade so viel Ackerfläche umgewidmet, dass man leider kaum noch etwas pachten kann.“