Zwei Unternehmer bieten 2016 Touren im Großkanadier durch Esslingen an. Foto: Rudel/Archiv

Lange standen die Kanutouren auf den Neckarkanälen auf der Kippe. Nun vergibt die Stadt die Konzession für den neuen Liegeplatz an das Unternehmen Nextour.

Esslingen - In Tübingen kann man paddeln, in Horb und Rottenburg auch. Auch die Esslinger haben sie seit Jahrzehnten: Kanutouren auf dem Neckar mitten durch die Stadt. Wer sich in Esslingen in einen Kanadier setzt, paddelt entlang der alten Neckarkanäle und erlebt die Altstadt aus einer zweifellos einzigartigen Perspektive. Das schätzen Touristen, Einheimische und die Stadt gleichermaßen. Letztere so sehr, dass sie sich erstmals eingeschaltet hat, als die Touren für das laufende Jahr auf der Kippe standen. Nach einer Ausschreibung erhält nun Marc Schmitt mit seinem Unternehmen Nextour die vom 1. Juli an für vier Jahre gültige Konzession für den neuen städtischen Liegeplatz am Wehrneckarkanal östlich der Industrie- und Handelskammer. Beworben hatten sich darum drei Unternehmer.

Touren gut fürs Image

„Die Kanalsituation in Esslingen ist etwas sehr Spezifisches“, sagt Michael Metzler. Der Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft ist mehr als froh, dass die Stadt aktiv geworden ist und die Kanutouren durch die Altstadt wie gewohnt weitergehen. „Die Kanutouren sind nicht nur touristisch interessant, sondern auch in der Bürgerschaft sehr akzeptiert“, sagt Metzler. Und so dürfte die Stadt wohl auch aus Imagegründen an den Touren festhalten wollen. Ein weiterer Grund für die öffentliche Ausschreibung war, dass es bisher keine klare Regelung gegeben hat, wer Touren anbieten darf.

Auch Anlegen kann man nicht überall. Wenn es nicht der Platz verbietet – was besonders im Falle der Großkanadier für bis zu 20 Personen ein Problem darstellt –, untersagt es der Denkmalschutz. So hat Ralf Weinberger als Erster Kanutouren in Esslingen angeboten und fast ein Vierteljahrhundert lang betrieben. Jahrelang hat er seine Boote beim Schäferwehr zu Wasser gelassen. Dann wechselte er auf die grüne Wiese vor dem Neckarfreibad. Dort untersagte ihm vor zwei Jahren die Stadt den Betrieb, so dass er im vergangenen Jahr ohne Anlegestelle dastand.

Um dem Angebot künftig ein solides Fundament zu bieten, hat die Stadt den Bewerbern daher einen Kriterienkatalog vorgesetzt. „Wenn wir die Infrastruktur schaffen, müssen einige Punkte geregelt sein“, sagt Michael Metzler. Dazu gehöre unter anderem, dass der Anbieter einen Versicherungsnachweis erbringt, keine Insolvenz vorliege und für die Sicherheit der Gäste gesorgt sei. „Wir wollten auch einen Saisonfahrplan sehen“, erklärt der Chef des Stadtmarketings.

Angebot für Touristen

Metzler betont allerdings, dass die Vergabe des städtischen Liegeplatzes an Nextour nicht bedeute, dass andere Unternehmer keine Kanutouren anbieten dürften. Der Nextour-Chef Marc Schmitt, der im vergangenen Jahr als Einziger Touren angeboten hat, bekommt auch gleich Konkurrenz. Denn Ralf Weinberger darf in diesem Jahr wieder an seiner alten Anlegestelle am Schäferwehr starten. An der Ausschreibung der Stadt für den neuen Liegeplatz hatte er sich nicht beteiligt. „Ich konnte die Anforderungen, die die Stadt bei der Ausschreibung gestellt hat, in dem Umfang nicht erfüllen“, erklärt Weinberger. Da er keinen Liegeplatz mehr habe, biete er nur noch Touren in seinen zwei Katamaranen für bis zu 16 Personen an.

Marc Schmitt dagegen stellt Sportlichen auch kleine Kanadier zur Verfügung. „Unser Anliegen war es, zwei Zielgruppen anzusprechen“, betont Metzler. Mit dem, was in Esslingen künftig geboten ist, zeigt er sich zufrieden.

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