Mit gezielten Aktivitäten wie einem Italienischen Markt will die Stadt Esslingen die Ritterstraße aufwerten. Für eine dauerhafte Fußgängerzone wären erhebliche Umbauten nötig. Foto: oh

Als östliches Entree zur Altstadt ist die Ritterstraße eine Visitenkarte für Esslingen. Doch die Straße, die versuchsweise bereits Fußgängerzone ist, hat gestalterisch noch Luft nach oben. Doch für eine große Lösung fehlt derzeit das Geld.

Als östliches Entree prägt die Ritterstraße das Bild der Esslinger Altstadt. Doch die Straße hat gestalterisch noch Luft nach oben. Seit Jahren wird im Rathaus über eine Umgestaltung diskutiert – der große Wurf ist noch nicht gelungen. Seit Februar 2021 ist die Ritterstraße befristet als Fußgängerzone ausgewiesen.

 

Weil sich das bewährt hat, soll aus dem Versuch eine dauerhafte Regelung werden. Doch dafür müsste die Straße aufwendig umgestaltet werden. Weil die rund 3,7 Millionen Euro für eine große Lösung bislang nicht vorhanden sind, möchte die Verwaltung zunächst in kleinen Schritten für mehr Attraktivität sorgen. Eine endgültige Entscheidung über die dauerhafte Fußgängerzone soll noch vor der Sommerpause fallen.

Zustimmung zur Fußgängerzone

Im Rathaus verweist man darauf, dass in einer Umfrage unter Gewerbetreibenden immerhin 63 Prozent für die dauerhafte Einrichtung der Ritterstraße als Fußgängerzone gestimmt hätten, bei einer Straßen- und einer Online-Umfrage sogar jeweils rund 80 Prozent. Weitere Untersuchungen hätten den positiven Gesamteindruck bestätigt: So sei der Fahrzeugverkehr in der östlichen Altstadt durch die Sperrung der Einfahrt in die Ritterstraße „insgesamt deutlich zurückgegangen“. Allerdings habe dadurch der Verkehr in der Milchstraße, der Strohstraße und der Franziskanergasse leicht zugenommen – die betroffenen Anwohner forderten deshalb weitere Maßnahmen.

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In einer öffentlichen Planungswerkstatt konnten Interessierte Wünsche und Anregungen für die Gestaltung der Ritterstraße formulieren, die in das Gestaltungskonzept eines Büros für Landschaftsarchitektur eingeflossen sind. Dem Stadtplanungsamt zeigt dieses Konzept, „dass die Ritterstraße zu einer attraktiven Fußgängerzone mit hoher Aufenthalts- und Flanierqualität umgestaltet werden kann“. Als innerstädtische Promenade könne sie nach einer entsprechenden Umgestaltung „die wichtige Funktion einer Verbindung/Vernetzung der Fußgängerzonen Innere Brücke, Rathausplatz und Küferstraße wahrnehmen und auch nach der Umgestaltung weiterhin Platz für temporäre Aktionen und Aktivitäten wie Märkte oder Veranstaltungen bieten“. Zudem soll gegenüber dem Technischen Rathaus ein Platz am Rossneckarkanal entstehen, der zum Verweilen einlädt und das Thema „Wasser in der Stadt“ erfahrbar macht.

Allerdings fehlt die Umgestaltung der Ritterstraße bislang in der mittelfristigen Etatplanung des Tiefbauamtes. Weil angesichts der Finanzlage unklar ist, wann die Stadt das Geld für eine große Lösung hat, möchte die Verwaltung „die Zeit bis zur finalen baulichen Umgestaltung der Ritterstraße weiterhin mit der Durchführung von temporären Aktionen und Aktivitäten überbrücken“ und Fördermöglichkeiten abklopfen.

Ein Bächle für die Ritterstraße?

Eigentlich wollte die Verwaltung bereits jetzt im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats über eine dauerhafte Fußgängerzone in der Ritterstraße entscheiden lassen. Weil es jedoch noch Klärungsbedarf gibt, wollen die Stadtplaner zunächst Vorschläge präsentieren, wie die Ritterstraße „kurzfristig mit geringen Mitteln aufgewertet und belebt werden kann“. Die Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen. Im ATU wurde bereits munter diskutiert. „Die Visionen für die Ritterstraße zeigen viel Liebe zum Detail“, befand Andreas Fritz (Grüne). „Wir müssen aber schon in der Übergangszeit etwas hinbekommen und dabei auch mehr Ehrenamt ins Spiel bringen.“ Heidi Bär und die SPD hätten gerne die dauerhafte Fußgängerzone bereits festgezurrt. Klar ist für sie jedoch: „Ohne Förderung ist angesichts der Finanzlage nichts zu machen.“

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Hermann Falch (Freie Wähler) und Ulrich Fehrlen (FDP) begrüßen es, dass sich der ATU noch etwas Zeit für die endgültige Entscheidung über die Fußgängerzone nehmen kann, damit man bis dahin wegen der Finanzierung klarer sieht. Karin Pflüger (CDU) wünscht sich noch mehr belastbare Argumente, ehe über eine dauerhafte Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone entschieden wird. Und Christian Ottersbach (Linke) sah im Konzept der Planer „traumhafte Aussichten“ für die Ritterstraße – er könnte sich sogar ein Bächle vorstellen. Für den Baubürgermeister Hans-Georg Sigel ist jedenfalls klar, dass in der Ritterstraße Handlungsbedarf besteht: „Da muss sich auf jeden Fall etwas tun.“

Der Weg der Ritterstraße zu mehr Attraktivität

Chronologie
 Mit Blick auf das Sanierungsgebiet Kesselwasen wurde die Zukunft der Ritterstraße bereits 2004 in den Fokus genommen. Verschiedene Pläne zur Aufwertung und Verkehrsentlastung wurden seither diskutiert. Seit Februar 2021 ist die Ritterstraße zunächst zeitlich befristet als Fußgängerzone ausgewiesen.

Ziele
  Als Entree zur Altstadt soll die Ritterstraße als attraktiver öffentlicher Raum gestaltet werden und Platz bieten für Aktionen, die Leben in die City bringen. Zudem gibt es bei der Barrierefreiheit Nachholbedarf. Ziel ist die dauerhafte Einrichtung als Fußgängerzone.

Aktionen
Die Einrichtung einer temporären Fußgängerzone hat bereits Möglichkeiten zur Belebung der Ritterstraße eröffnet. Stühle laden zum Verweilen ein. Verkaufsstände setzen wie zuletzt beim Italienischen Markt bunte Farbtupfer. Die „Stadtoase“ brachte Grün in den Straßenraum. Einzelhandel, Gastronomie und Kultur sind eingeladen, sich mit Aktivitäten zu beteiligen.

Planungswerkstatt
Bürgerinnen und Bürger konnten in einer Gesprächsrunde Anregungen und Wünsche formulieren. Themen waren das Gestaltungskonzept, die Klimaresilienz, Möblierung und Baumbeete, die Gestaltung des Platzes am Rossneckar, die verwendeten Materialien und der Verkehr in der Ritterstraße.