Wenn die Mountainbiker des TV Hegensberg ihre Esslinger Nordschleife hinunter cruisen, befinden sie sich im Glück. Foto: Horst Rudel

Die Esslinger Nordschleife kann seit eineinhalb Monaten befahren werden. Sie bietet mit ihren Wellen, Steilkurven und Sprüngen einem breiten Spektrum der Szene Spaß und Herausforderung zugleich. Doch jetzt geht es ans Geld sammeln.

Esslingen - Leidenschaft schweißt zusammen. Im Fall von Julian, Felix, Andy, Daggi, Joe und ihren Freunden von der Radsportabteilung des TV Hegensberg ist es die Begeisterung für das schnelle und dynamische Bergabrasen auf vollgefederten Mountainbikes, welche die Mitglieder der noch jungen Vereinssparte zu einer verschworenen Gemeinschaft geformt hat. Und sie haben viel erreicht in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Sie haben es in dieser Zeit geschafft, einen von der Esslinger Stadtverwaltung, dem Landratsamt und diversen Naturschutzbehörden genehmigten Mountainbike-Parcours in der Nähe des Segelflugplatzes hoch über Esslingen in den Wald zu modellieren. Seit Ende Juni steht dem Fahrspaß auf der rund 1400 Meter langen, mit Sprunghügeln, Wellen und Steilkurven ausgestatteten Esslinger Nordschleife (Esnos) nichts mehr im Weg.

Ein Trail für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten

Nach den ersten sechs Wochen Betrieb zieht Joe Reiser, der Leiter der Radsportabteilung, ein positives Fazit. Er habe auf der Strecke „noch keinen getroffen, der unzufrieden war“, erzählt er. Dabei habe er die Meinungen eines breiten Spektrums der Szene eingeholt: von Freeridern, Fourcrossern und Freizeitbikern, von Profis und Einsteigern, von Jung und Alt. An der der neuen Esnos erfreue sich jener Mix an Sportlern, „den wir haben wollen“, sagt der 34-Jährige. Um mit dem Sportgerät über die Hindernisse zu springen, in den Steilkurven der Zentrifugalkraft zu trotzen und die Federgabeln und Dämpfer gehörig zu beanspruchen, nähmen die Biker auch eine Anreise von mehreren Kilometern in Kauf. Es seien schon aus der ganzen Region Sportler auf den Schurwald gekommen, um die neue Strecke auszuprobieren. „Ein legaler Flowtrail ist hier eben schon etwas Besonderes“, weiß Joe Reiser den Grund für den speziellen Radtourismus. Doch anstehen müsse niemand, um zwischen dem Katzenbühl und dem Segelflugplatz auf dem Schurwald talwärts zu cruisen: „Wir werden nicht überrannt“, ist Joe Reiser froh über den dosierten Andrang. Am vergangenen Wochenende habe er rund 20 Radfahrer pro Tag gezählt.

Eine ganz entscheidende Attraktivität besitze die Esnos zudem dadurch, dass sie sich für Jedermann eigne. Hält man sich bei der Talfahrt rechts, muss man Sprünge und technisch anspruchsvolle Passagen beherrschen. Links geht es wesentlich leichter dahin. In diesem Bereich können knifflige Stellen umfahren werden. Dadurch kann man sich laut Joe Reiser behutsam an die Schwierigkeiten herantasten. Und es kommen gleichermaßen Anfänger, Fortgeschrittene und Experten auf ihre Kosten.

Doch bei aller Freude über den Zuspruch und den Stolz, eine solche Strecke umgesetzt zu haben, „geht’s jetzt ums Geld“, betont der Abteilungschef. Rund 60 000 Euro habe das Projekt gekostet. Knapp 10 000 Euro seien seit der Eröffnung am 25. Juni an Spenden gesammelt worden. Nun hoffen die Esnos-Macher auf weitere Unterstützung und die Solidarität der Nutzer, denn schließlich sei die Strecke für jeden offen und nicht, wie beispielsweise in Korb (Rems-Murr-Kreis), nur Vereinsmitgliedern vorbehalten. Tatsächlich seien in den vergangenen Wochen rund 20 neue Eintritte in die Radsportabteilung des TV Hegensberg gezählt worden.

EsNos Opening 2017 from EsNos on Vimeo.

Laufende Kosten von bis zu 10 000 Euro jährlich

Vor allem aber setzen Joe Reiser und seine Mitstreiter auf Sponsoren, die sich beispielsweise über Streckenpatenschaften einbringen könnten. Denn es sei nicht allein die finanzielle Belastung für die Umsetzung der Strecke, die gestemmt sein wolle. Hinzu kämen laufende Kosten von 7000 bis 10 000 Euro jährlich. Schon allein zwei vorgeschriebene Baumprüfungen per annum hätten ihren Preis, „denn was da rauskommt, muss erledigt werden“, um die Strecke und ihre Nutzer vor möglicherweise herabstürzenden Ästen oder morschen Bäumen zu schützen.

Das sei auch der Grund, weshalb die Esnos möglicherweise über kürzere Zeitabschnitte gesperrt werden müsste. Etwa dann, wenn ein starker Sturm über das Gelände hinweggefegt ist oder extrem lange Regenfälle den Untergrund aufgeweicht hätten. Doch bisher habe es damit keine Schwierigkeiten gegeben, sagt Reiser.

Der Hauptzweck für die Gründung der Radsportabteilung sei der gewesen, eine legale Mountainbikestrecke zu schaffen. Das sei gelungen. Aber darauf beschränke sich das Vereinsleben nicht. Das Engagement der Radler im Alter zwischen 13 und 60 Jahren konzentriere sich nicht ausschließlich auf die Esnos. Es würden beispielsweise auch Ausflüge in andere Bikeparks organisiert, verbunden mit einer gehörigen Portion Geselligkeit. Die Leidenschaft fürs Mountainbiken schweißt eben zusammen.

Der Trail in Stuttgart wird von der Stadt gewartet

Woodpecker
Die Stuttgarter Downhillstrecke Woodpecker-Trail führt von Degerloch hinunter nach Stuttgart-Heslach. Für die Umsetzung hat sich die eigens 2011 gegründete AG Downhill Stuttgart viele Jahre eingesetzt. Die Stadt Stuttgart hat für die Planung und den Bau 175 000 Euro investiert. Das Amt für Sport und Bewegung ist für den Betrieb sowie die regelmäßige Prüfung und Wartung der Strecke zuständig.

Korb-Track
Die Mountainbikestrecke am Hanweiler Sattel in Korb (Rems-Murr-Kreis) gilt in der Szene als sehr anspruchsvoll, und sie ist in erster Linie Experten vorbehalten. Zudem ist sie eine reine Vereinsstrecke, die nur von Mitgliedern der Radsportabteilung des Sportclubs Korb befahren werden darf.

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