Esslinger Grundsatzbeschluss Deutliche Mehrheit für Bücherei-Neubau

Von Kai Holoch 

Direkt an die Musikschule am Blarerplatz angrenzend soll bis zum zweiten Quartal 2024 zwischen Küferstraße und Kupfergasse die neue Esslinger Stadtbücherei entstehen. Foto: Horst Rudel
Direkt an die Musikschule am Blarerplatz angrenzend soll bis zum zweiten Quartal 2024 zwischen Küferstraße und Kupfergasse die neue Esslinger Stadtbücherei entstehen. Foto: Horst Rudel

Die Entscheidung ist gefallen: 2024 soll an der Küferstraße eine zukunftsfähige Bibliothek eröffnet werden – wenn nichts mehr dazwischen kommt.

Esslingen - Das Interesse ist riesengroß gewesen: Die Zuschauerplätze im Bürgersaal des Alten Rathauses haben am Montag bei der Sitzung des Esslinger Gemeinderats bei weitem nicht ausgereicht. Schließlich stand die Grundsatzentscheidung darüber, ob die Stadtbücherei in den bisherigen Gemäuern des Bebenhäuser Pfleghofs saniert und erweitert wird, oder ob sie in einem Neubau zwischen Kupfergasse und Küferstraße eine neue Heimat findet, auf der Tagesordnung.

Die Entscheidung ist letztlich überraschend deutlich – und zur Enttäuschung der meisten Zuhörer ausgefallen. Denn mit 23 Ja-Stimmen bei 18 Nein-Stimmen ist das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt und hat sich für einen Neubau ausgesprochen. Schon im Vorfeld hatte sich trotz erheblicher Widerstände in der Bevölkerung diese Lösung abgezeichnet.

Die Freien Wähler waren das Zünglein an der Waage

Denn die CDU, die Grünen, die FDP und der Oberbürgermeister Jürgen Zieger – also 20 Stimmen – hatten sich für die Küferstraße, die SPD, die Linken und FÜR Esslingen (13 Stimmen) für den Verbleib im Bebenhäuser Pfleghof ausgesprochen. Bei einer absoluten Mehrheit von 21 Stimmen spielten also die Freien Wähler das Zünglein an der Waage. Deren Fraktionschefin Annette Silberhorn-Hemminger hatte angekündigt, die acht Stadträte ihrer Fraktion würden unterschiedlich abstimmen. Letztlich haben sich drei Freie Wähler für den Neubau ausgesprochen.

In der rund zweistündigen Diskussion vor der Abstimmung machten noch einmal alle Fraktionen ihre Positionen deutlich und stellten Anträge: Die SPD konnte dabei erreichen, dass über die Nachnutzung des Bebenhäuser Pfleghofs und des für den Ausbau notwendigen Nebengebäudes erst nach dem Baubeginn in der Küferstraße entschieden wird. Die CDU hingegen bekam für ihren Antrag, einen komplett neuen Suchlauf im Stadtgebiet starten zu wollen, wenn in der Küferstraße die Nutzfläche von 3600 Quadratmetern unterschritten werde, keine Mehrheit. Die Linken kündigten an, sie wollten jetzt ein Bürgerbegehren initiieren, um doch noch den Standort Bebenhäuser Pfleghof durchzusetzen.

Immerhin ein Trostpflaster hatte der Gemeinderat für die Anhänger des Pfleghofs noch parat. Das Gremium ist über den Antrag der Verwaltung hinausgegangen und hat beschlossen, den Bebenhäuser Pfleghof nach dem Auszug der Bücherei nicht nur in städtischen Besitz zu halten, sondern ihn auch öffentlich zu nutzen. Ob dort das städtische Museum und das Schreibermuseum zusammengeführt werden, muss aber erst noch entschieden werden.

Bücherei als Kommunikations- und Teilhabeort

Im Vorfeld hatte sich die Stadtverwaltung aus mehreren Gründen auf den Neubau festgelegt. Bei modernen Stadtbüchereien zeichne sich ein Paradigmenwechsel ab. Sie entwickelten sich immer mehr – neben ihrer klassischen Funktion als Ausleihstätte – zu Kommunikations- und Teilhabeorten. Die Bücherei werde immer stärker neben dem eigenen Heim und der Arbeitsstätte zu einem „Dritten Ort“, an dem sich die Bürgerschaft der Stadt treffe. In einer solchen Bücherei müssten Räume für unterschiedliche Interessengruppen ebenso wie niederschwellige Zugänge zu analogen und digitalen Medien geschaffen und aussreichend Endgeräte zur Verfügung gestellt werden.

Optimalerweise, das hatte die Kulturverwaltung ausgerechnet, brauche Esslingen eine Bücherei mit 4000 Quadratmetern reiner Nutzfläche, um die Anforderungen, die man heute an eine neue Bücherei stelle, erfüllen zu können. Notfalls sei auch ein Bau mit mindestens 3600 Quadratmetern Fläche denkbar. Allerdings hätte ein solcher Bau doch schon etliche Einschränkungen. Beratungsräume würden ebenso wegfallen wie New-Media-Plätze sowie Räume für offene Treffen von Flüchtlings-, Sprach- und Selbsthilfegruppen.

Ließen sich alle Pläne verwirklichen, könnte an der Küferstraße tatsächlich eine 4000 Quadratmeter große Bücherei entstehen. Trotz der Erweiterung des Bebenhäuser Pfleghofs um das Nachbargebäude seien dort bestenfalls 3791 Quadratmeter zu realisieren. Allerdings wird bei der Ausgestaltung der Denkmalschutz an beiden Standorten noch mitreden wollen. Rechne man die kritischen Flächen ab, so blieben in der Küferstraße 3700 Quadratmeter und im Bebenhäuser Pfleghof 3220 Quadratmeter übrig. Das wiederum sei deutlich zu wenig, um im Bestandsgebäude eine moderne Bücherei unterzubringen.

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