Nicht nur die halbseitige Sperrung – auch Tempo 20 bleibt. Foto: Horst Rudel

Der Wunsch vieler Bürger, die wichtige Verbindung vor der Vollsperrung noch einmal zu öffen, bleibt unerfüllt. Die Stadt liefert dafür eine überraschende Begründung.

Esslingen - Der Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht ist sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht gewesen. So räumte er am Montag ein, dass er und seine Mitarbeiter es in der letzten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt versäumt hätten, die wahren Gründe für die Fortdauer der halbseitigen Sperrung der Geiselbachstraße zu nennen.

Wie gemeldet war Ende November bekannt geworden, dass der Beginn der geplanten, voraussichtlich 15-monatigen Vollsperrung von Esslingens wichtigster Straße in die nördlichen Stadtteile sich um rund ein Jahr bis ins Jahr 2020 verschieben wird. Als Grund nannte das Tiefbauamt neue, noch nicht abgeschlossene Untersuchungen des Denkmalschutzes. Im Boden unterhalb der Geiselbachstraße würden Teile der ehemaligen Stadtmauer aber auch des historischen Kanals daraufhin geprüft, ob diese schützenswert seien.

Erhebliche Kritik aus den Reihen des Gemeinderats

Nicht nur die Verschiebung der Vollsperrung hatte im Ratsrund für Verärgerung gesorgt, sondern auch die Ankündigung, dass die bereits existierende halbseitige Sperrung der Geiselbachstraße bis zum Beginn der Vollsperrung bestehen bleiben soll. Nicht nur im Technikausschuss regte sich erheblicher Widerstand gegen die drohenden Verkehrsbehinderungen für weitere knapp drei Jahre. Auch der für die nördlichen Esslinger Stadtteile zuständige Bürgerausschuss forderte, nach Abschluss der Bauarbeiten auf der Augustinerbrücke die Geiselbachstraße zumindest vorübergehend wieder komplett zu öffnen.

Doch daraus wird nichts werden. Das machte Uwe Heinemann, der Leiter des Esslinger Tiefbaumamts, am Montag deutlich. Man könne die Straße ganz einfach nicht wieder vorübergehend beidseitig öffnen, sagte er. Der darunter verlaufende historische Kanal weise derart große Schäden auf, dass es bei noch größerer Belastung als aktuell tatsächlich zu erheblichen Schäden kommen könne. Heinemann zitierte aus gleich zwei Gutachten, die der Stadt bestätigen, dass eine zwischenzeitliche Öffnung der Geiselbachstraße mit hohen Risiken für die Sicherheit auch der Autofahrer verbunden wäre. Schon jetzt darf die Einbahnstraße nur mit Tempo 20 und mit leichteren Fahrzeugen befahren werden.

Das Totschlag-Argument hatte bisher keine Rolle gespielt

Damit hat die Bauverwaltung in der Sitzung am Montag ein Totschlag-Argument ins Spiel gebracht, das noch vor zwei Wochen überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Damals hatte Uwe Heinemann die Verlängerung der für den Verkehr einschneidenden Baustelle damit begründet, die Stadt werde die zusätzliche Zeit dafür nutzen, in Vorbereitung der Kanal- und der anschließenden Straßensanierung bereits jetzt neue Anschlüsse zu den Häusern entlang der Geiselbachstraße zu legen. Ziel sei es, die Zeit der Vollsperrung so kurz wie möglich zu halten. Allerdings wollte sich Heinemann – anders als vor ein paar Monaten, als er den Zeitraum der Vollsperrung mit 15 Monaten beziffert hatte – auch auf Nachfragen aus dem Gremium nicht auf die nun geplante Zeitdauer für die Totalsperrung festlegen. Nur so viel: Ziel sei es, die Arbeiten schnellstmöglich abzuwickeln. Ob das innerhalb der geplanten 15 Monate möglich sei, könne er zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht mit Sicherheit sagen.

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