Noch vor Corona war sie aus städtischen Festivitäten kaum wegzudenken. Jetzt steht die Esslinger Historische Bürgergarde vor der Auflösung.
Vor der Corona-Pandemie war sie noch aus kaum einer städtischen Freiluft-Festivität zu Esslingen wegzudenken: die Historische Bürgergarde 1820. Am kommenden Wochenende aber, beim ersten Esslinger Bürgerfest seit drei Jahren, werden die Fanfaren nicht mehr zu hören und die schmucken grau-roten Gardeuniformen nicht mehr zu sehen sein. Der Verein stehe vor der Auflösung, teilt der Schriftführer Manfred Mok mit.
Kein Vorsitzender mehr seit 2018
Das Amt des Vorsitzenden ist bereits seit 2018 unbesetzt, und der Fanfarenzug stößt auch nicht mehr ins Rohr. Der Grund für den stillen Abgesang ist laut dem Schriftführer derselbe, der etliche Musik treibende, Traditionen pflegende Vereine in die Knie und letztlich zum Aufgeben zwingt: Mangel an Nachwuchs. Verschärfend seien die Kontaktsperren während der Pandemie hinzugekommen. Auch unabhängig von Corona, so Mok, hätten die altgedienten Gardisten inzwischen „alle ihre gesundheitlichen Macken und Mucken“. Stramme Auftritte sind da nicht mehr drin.
Der Mietvertrag mit der Stadt für das Vereinsheim in der Sulzgrieser Kelterstraße laufe zwar noch bis 2027, doch ein großer Raum sei bereits an die Schachabteilung des TSV RSK Esslingen abgetreten worden, bei der die Jugendarbeit offenbar läuft. Mok selbst ist auf die Jugend nicht gut zu sprechen: „Die starren nur auf ihr Smartphone.“ Dass es beim Partnerverein, der Bürgergarde Neuhausen, mit dem Nachwuchs besser aussieht, erklärt er mit dem Gegensatz „von Stadt und Land“. Aber er lässt immerhin auch den Gedanken zu, dass Uniformen, schmetternde Fanfaren und martialisches Gebaren heute möglicherweise nicht mehr die ganz große Freizeitattraktion für jüngere Menschen bilden – auch wenn sie die in friedlichste Folklore übergegangene Fortführung einer bürgerschaftlichen Tradition sind: in diesem Fall der 1820 ins Leben gerufenen Esslinger Bürgermiliz, einer zeittypischen Heimatschutz- und Polizeitruppe. Indes trat der Gewehrzug der 1955 neu gegründeten Bürgergarde zwar zünftig mit Steinschloss- und Perkussionsvorderladern an, die Kanoniere gaben bei besonderen Anlässen mit Böllerschüssen Salut. Aber geschossen haben sie nie.