Vom geplanten Neubau der Bücherei (links) ließe sich eine Verbindung zur Musikschule (Mitte) schaffen. Damit wäre der Zugang nicht nur von der Küferstraße möglich. Foto: Horst Rudel

Die lange Diskussion über einen neuen Büchereistandort nimmt am Ende eine überraschende Wende. Noch vor der Sommerpause könnte eine Grundsatzentscheidung fallen.

Esslingen - Jetzt könnte es auf einmal doch ganz schnell gehen. Wenn die Verwaltung in der kommenden Woche noch einige Detailfragen klärt, will der Esslinger Gemeinderat aller Voraussicht nach noch vor der Sommerpause eine Grundsatzentscheidung über den Standort für den Neubau der Stadtbücherei treffen. Seit Montag steht fest: Die neue Bücherei soll an der Küferstraße 13/1 gebaut werden, dort, wo momentan der Diakonieladen in einem älteren Funktionsbau untergebracht ist.

Die Grünen im Esslinger Gemeinderat hatten den Standort Küferstraße 13/1 vorgeschlagen und angeregt, auch das Haus Küferstraße 13 mit einzubeziehen. Alle Fraktionen des Gemeinderats und auch die FDP hatten daraufhin gemeinsam die Verwaltung aufgefordert zu prüfen, ob an dieser Stelle ein Neubau möglich ist.

Neubau an der Küferstraße ist möglich

Diese Prüfung hat ein überaus positives Ergebnis gebracht. Denn die Fachleute des Baudezernats haben festgestellt, dass auch ohne die Küferstraße 13, das sich im Besitz einer Erbengemeinschaft mit rund 20 Parteien befindet, der Neubau einer Bücherei an dieser für die östliche Altstadt zentralen Fußgängerzone möglich ist. In ersten Gesprächen habe zudem der aktuelle Besitzer des Gebäudes Küferstraße 13/1 seine Bereitschaft signalisiert, das Grundstück zeitnah zu verkaufen.

Nach vorläufigen Schätzungen beläuft sich die Bausumme auf einen Betrag von knapp 20 Millionen Euro. Etwas günstiger wäre der Umbau des Gemeindehauses am Blarerplatz und der Franziskanerkirche. Doch momentan gibt es im Esslinger Gemeinderat niemanden, der nach den Protesten aus der Kulturszene diese Lösung favorisiert. Auch ein Neubau zwischen Kies- und Küferstraße scheint wegen der vielfältigen Eigentumsverhältnisse nicht zeitnah realisierbar.

Damit rückt der Standort Küferstraße in den Mittelpunkt. Carmen Tittel, die Fraktionssprecherin der Grünen im Esslinger Gemeinderat, ist „glücklich darüber, dass wir alle gemeinsam nun wohl einen guten Standort gefunden haben. Und natürlich bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dass der Vorschlag aus den Reihen der Grünen stammt“, fügt sie lächelnd hinzu.

Die SPD hatte zunächst die Sanierung der Stadtbücherei an ihrem bisherigen Standort in der Heugasse favorisiert. Nun erklärt deren Fraktionssprecher Andreas Koch, dass sich „der von den gemeinderätlichen Fraktionen ins Spiel gebrachte vierte Standort Küferstraße als echte und damit ernst zu nehmende Alternative erweise“. Für die SPD stünden nun noch zwei Optionen zur Wahl. Sollte die Wahl letztlich tatsächlich auf die Küferstraße fallen, müsse der Bebenhäuser Pfleghof in öffentlicher Nutzung bleiben.

Eine Bewertungsmatrix soll weiterhelfen

Bis zur nächsten Verwaltungsausschusssitzung am 17. Juli erwartet die SPD von der Verwaltung eine Bewertungsmatrix, bei der es nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern auch um Kriterien wie die Realisierbarkeit gehen müsse. Wenn dann alle Fragen beantwortet werden, sei es, so Koch, „nicht unwahrscheinlich, dass noch vor der Sommerpause eine Grundsatzentscheidung zum Standort fällt“.

So ähnlich sieht es auch der kulturpolitische Sprecher der CDU, Edward-Errol Jaffke. Das Ergebnis, das am Montag in der nichtöffentlichen Verwaltungsausschusssitzung präsentiert worden ist, sei zwar ein „Schnellschuss“. Zunächst müssten deshalb noch einige Detailfragen geklärt und Ungereimtheiten beseitigt werden. Aber einmal mehr sei in der Sitzung deutlich geworden, dass ein Neubau eine sinnvolle Alternative zur Sanierung am bisherigen Standort sein könne.

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