Mit einer Menschenkette haben am Sonntag 200 Christen gegen die angedachte Umwandlung des Gemeindehauses und der Franziskanerkirche in eine Bücherei protestiert. Foto: Horst Rudel

Kommt es nicht zum Verkauf der Franziskanerkirche, rückt für die Bücherei der Standort Küferstraße näher. Noch hoffen viele Esslinger, dass der alte Standort saniert wird.

Esslingen - Am Dienstagabend fällt die Entscheidung: Auf 19.30 Uhr hat der Dekan der evangelischen Kirche, Bernd Weißenborn, die Mitglieder des Esslinger Kirchengemeinderats zu einer öffentlichen Sondersitzung in das Gemeindehaus am Blarerplatz eingeladen. Geredet wird dabei nicht nur über den Verkauf des Tagungsortes selber, sondern auch über die angedachte Veräußerung der angrenzenden Franziskanerkirche an die Stadt. Die überlegt bekanntlich, ob sie in den Gebäuden die Stadtbücherei unterbringen kann.

Am Sonntagabend haben rund 200 Esslinger Christen mit einer Menschenkette um das Gebäudeensemble herum zum Ausdruck gebracht, was sie von einem solchen Verkauf halten – nämlich überhaupt nichts. Wenn man solche öffentlichen Bekundungen, aber auch nicht ganz so öffentlich ausgesendete Signale richtig deutet, dann wird die Stadt Esslingen von Mittwoch an wohl nur noch drei statt vier Optionen für den Neubau oder die Erweiterung der momentan zu kleinen und dringend sanierungsbedürftigen Stadtbücherei haben. Denn mit der Zustimmung des Gremiums rechnet kaum jemand in der Stadt.

Ob sich die Traditionalisten durchsetzen ist ungewiss

Ob sich dann allerdings – angeführt vom Förderverein der Stadtbücherei – diejenigen Traditionalisten durchsetzen werden, die sich seit Wochen vehement und hoch emotional für eine Sanierung und Erweiterung der bisherigen Bücherei in der Heugasse einsetzen, ist ebenso offen. Zwar hat die Büchereileiterin Gudrun Fuchs in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses die Vorstellung einer Umfrage von Büchereibesuchern dazu genutzt, vehement die Werbetrommel für den aktuellen Standort zu rühren. Unter anderem zitierte sie aus Briefen, die dem Gemeinderat bei der Büchereientscheidung unter anderem „Sprunghaftigkeit“ vorwarfen. Auch betonte sie, dass die große Mehrheit der 42 Nutzer, die sich aus freien Stücken zum Standort geäußert hatten, für den Verbleib in der Heugasse plädiert hätten.

Der CDU-Kultursprecher Edward-Errol Jaffke zeigte sich davon aber wenig beeindruckt. Energisch wies er den Vorwurf der Sprunghaftigkeit zurück. Zudem könne derjenige, der des Rechnen fähig sei, erkennen, dass angesichts von 774 Teilnehmern der Befragung selbst eine „große Mehrheit“ der 42 Menschen, die für den Verbleib votiert hätten, „bestenfalls etwas mehr als drei Prozent sind“. Jaffke: „Davon werden wir uns bei unserer Suche nach der besten Lösung für eine zukunftsfähige Bücherei nicht beeinflussen lassen.“

Aus Sicht der CDU spricht nach wie vor vieles für einen Neubau. Jaffke betonte in der Kulturausschusssitzung noch einmal, dass angesichts von rund 20 Millionen Euro, die das Projekt voraussichtlich verschlingen werde, die Sanierung am bestehenden Standort die schlechteste Lösung sei. Unter anderem ließen sich die Kosten vorab nicht wirklich benennen. Auch sei dort keine komplette Barrierefreiheit herzustellen, und während des Umbaus müsse die Stadt nach einem Ersatzquartier suchen.

Suche nach Zwischenlösung hat begonnen

Diese Suche hat offensichtlich schon begonnen. Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt, bestätigt, dass man dem Gemeinderat in der kommenden Woche Vorschläge zu allen dann noch denkbaren Varianten unterbreiten wolle. Dazu gehöre auch ein Ersatzstandort. Gerüchte, dass die Bücherei für einen mehrjährigen Zeitraum im Einkaufszentrum Das Es eine Heimat finden könne, dementiert er nicht.

Nicht äußern will sich Karpentier zu den jüngsten Erkenntnissen zu einer vierten Variante, die erst vor kurzem durch einen von den Grünen initiierten interfraktionellen Antrag öffentlich geworden ist. Ein Bücherei-Neubau könne vielleicht direkt an der Küferstraße entstehen, dort wo momentan eine Baulücke den Weg zum dann abzureißenden Diakonieladen weist.

Das Gebäude selbst hat die Hausnummer 13/1. Der Vorschlag der Grünen umfasst auch das Gebäude Küferstraße 13. Allerdings, so ist zu hören, ließe sich eine Bücherei in der gewünschten Größe möglicherweise auch ohne die Einbeziehung des Gebäudes in der Küferstraße 13 darstellen. Jaffke kündigt schon einmal an, dass man jede Variante intensiv untersuchen werde. Angesichts der neuen Sachlage schließt er nicht vollkommen aus, dass die Grundsatzentscheidung für den Standort erst nach der Sommerpause getroffen wird.

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