Nach heftiger Kritik am bisherigen Vorstand hat sich der Förderverein der Esslinger Stadtbücherei neu aufgestellt. Mit Hermann Beck, Petra Helmcke, Silke Wollinger-Hellwig und Barbara Michalik will der Verein deutlich Flagge für die Bibliothek zeigen.
Kurz vor Weihnachten hat der Förderverein der Esslinger Stadtbücherei seinen Vorstand ausgewechselt. Zahlreiche Mitglieder hatten moniert, das Leitungsteam um Daniel Blank und Annette Silberhorn-Hemminger habe viel zu wenig Flagge gezeigt und die Debatten über die Zukunft der Bibliothek allzu passiv verfolgt. Nach der heftigen Kritik war der bisherige Vorstand nicht wieder angetreten. Die neuen Vorsitzenden Hermann Beck und Petra Helmcke wollen zusammen mit Barbara Michalik und Silke Wollinger-Hellwig deutlich sichtbarer die Sache der Bücherei vertreten. Für Beck und sein Team ist klar: „Ein Förderverein muss fördern. Diesen Anspruch wollen wir mit Leben erfüllen.“ Dass sich in den ersten Tagen nach der Wahl elf neue Mitglieder angemeldet haben, hat den neuen Vorstand zusätzlich ermutigt.
Kein Nachkarten mehr
Nachkarten mag Hermann Beck nicht: „In der Mitgliederversammlung ist alles gesagt worden. Nun wollen wir den Blick nach vorne richten und unsere Bibliothek so unterstützen, wie sie es verdient.“ Das sieht die Vize-Vorsitzende Petra Helmcke genauso: „Es ist erfreulich, dass die Stadtbücherei in einer Bevölkerungsbefragung sehr gut abgeschnitten hat. Wenn man daraus jedoch ableitet, dass der Handlungsbedarf gar nicht so groß sei, wird das der engagierten und ideenreichen Arbeit, die unter schwierigen Bedingungen geleistet wird, nicht gerecht. Was die Bücherei mit dem geringen Platz, den sie hat, anbieten kann, macht sie hervorragend. Wir wollen zeigen, was mit mehr Platz möglich wäre und welche weiteren Zielgruppen man erreichen könnte.“
Dass viele nach OB Matthias Klopfers Ankündigung im Mai, die große Lösung nicht weiterzuverfolgen, entmutigt wirkten, weiß Beck: „Doch mit der Zeit war immer mehr Motivation zu spüren.“ Mit Petra Helmcke und Friedemann Gschwind hatte Beck damals einen Unterstützungskreis gegründet, der die öffentliche Diskussion über die Zukunft der Bücherei forciert und auch inhaltlich unterfüttert hatte. Dass der Gemeinderat am 19. Dezember mehr als nur die nötigsten Sanierungsarbeiten beschlossen hat, ist für Beck ein wichtiges Signal an alle, denen die Bibliothek am Herzen liegt.
Für Silke Wollinger-Hellwig, die die Bibliothek in vielen Jahren als eifrige Nutzerin kennen und schätzen gelernt hat, waren die jüngsten Debatten Grund genug, sich im Vorstand des Fördervereins zu engagieren: „Man hört, die fetten Jahre seien vorbei. Dass es früher fette Jahre gab, hat man in der Bücherei nicht gesehen. Jetzt gilt es, nicht noch mehr Zeit zu verlieren und konstruktiv an der Zukunft zu arbeiten.“
Ringen um den richtigen Weg
Insgesamt 17,3 Millionen Euro möchte die Stadt bis 2029 in die bisherigen Büchereiräume investieren – vorausgesetzt, der Gemeinderat gibt in den jeweiligen Etatberatungen die Mittel frei. „Diesen Weg wollen wir engagiert und konstruktiv mitgehen und die Bibliothek ideell und materiell unterstützen“, verspricht Beck. „Es war wichtig, um Lösungen zu ringen. Nun muss es unser aller Anspruch sein, daraus gemeinsam etwas Gutes zu machen.“ Dabei soll ein enger Austausch mit der Bücherei helfen. „Experten wie die Leiterin Gudrun Fuchs wissen am besten, was sinnvoll ist“, findet Petra Helmcke. „Ihr Wissen und ihre Erfahrung sind unschätzbar wertvoll.“ Barbara Michalik ist überzeugt, dass sich viele zur Mitwirkung gewinnen lassen: „Beim Bürgerentscheid und in den ersten Stufen der Bürgerbeteiligung hat man gesehen, wie wichtig die Bücherei vielen ist. Dieses Engagement muss man nutzen, um immer wieder nach dem besten Weg zu suchen.“
Petra Helmcke wünscht sich: „Das muss ein Gemeinschaftsprojekt für die ganze Stadtgesellschaft sein. Solche Signale können gerade in Zeiten wie diesen sehr ermutigend wirken.“ Optimismus und Vertrauen in die Zukunft sind auch für Beck Voraussetzungen für den Erfolg: „Politische Entscheidungen brauchen mehr als nur betriebswirtschaftliche Erwägungen. Um eine Stadt voranzubringen, braucht man auch mutige Entscheidungen. Deshalb bleiben die Bücherei-Erweiterung und der Erhalt der Heugasse 11 weiterhin wichtige Anliegen für uns.“