Ideen gibt es viele für die Pliensauvorstadt – in einem Prozess sollen sie diskutiert werden. Foto: /Peter Stotz

Ein Entwicklungskonzept für die Pliensauvorstadt soll den größten Esslinger Stadtteil fit machen für die Zukunft. Im Fokus stehen Wohnbau und Freiräume, Mobilität und die soziale Infrastruktur. Doch Wünsche und Erwartungen widersprechen sich teilweise.

Die Esslinger Pliensauvorstadt befindet sich seit geraumer Zeit in einem tiefgreifenden Wandel. In der Folge des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt wurden etliche Projekte in den Bereichen Wohnen, soziale Infrastruktur, Verkehr und Nahversorgung angestoßen. Im vergangenen Jahr hat die Stadt ein Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Pliensauvorstadt in Gang gesetzt. Nach einer Bürgerbefragung wurden nun in einem Workshop die Entwicklungsziele konkretisiert.

 

Prozess knüpft an die Soziale Stadt an

Beim ISEK sollen unter Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner und begleitet von externen Planern sozialverträgliche Lösungen für die Herausforderungen der Pliensauvorstadt gefunden werden. Etwa 70 Stadtteilbewohner waren in das Kulturzentrum Dieselstraße gekommen, um den Zielkatalog der Planer zu diskutieren und ihre Vorstellungen zur künftigen Gestalt des Gebiets darzulegen.

„Vieles in der Pliensauvorstadt steht schon in den Startlöchern, dabei sind wichtige Projekte wie das Nürk-Areal, das VfL-Post-Areal, das Roser-Areal oder der Radschnellweg. Wir wollen die Bürger aktiv einbeziehen, sie sollen mitsprechen, um den Stadtteil möglichst gut voranbringen zu können“, sagte der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel. Die gemeinsame Definition von konkreten Zielen solle Klarheit über die Richtung verschaffen, wohin sich die Pliensauvorstadt entwickelt.

Leitbild soll entstehen

Jessica Waibel vom Esslinger Stadtplanungsamt und die Moderatorin Petra Schmettow, als Quartiersmanagerin und Projektleiterin im Programm Soziale Stadt mit der Pliensauvorstadt gut vertraut, verdeutlichten dabei, dass die Konkretisierung der Ziele in den Bereichen Wohnen, Städtebau und öffentlicher Freiraum, Mobilität, Infrastruktur, Soziales sowie Gewerbe und Energie als Entwicklung von langfristigen Leitplanken für die Stadtteilentwicklung zu verstehen sei. „Es geht bei der Bürgerbeteiligung um die Ziele, um die Richtung, in die es gehen soll, und um ein Leitbild, nicht um konkrete Maßnahmen“, sagte Schmettow.

Dies gestaltete sich jedoch nicht nur einfach. Mehrfach waren Diskussionsbeiträge und Äußerungen auf den Meinungskarten geprägt von individuellen Wünschen und privaten Interessen, von Erfahrungen aus dem unmittelbaren Lebensumfeld, von Erwartungen an das eigene Wohlergehen oder das der Nachbarschaft. Dabei wurden konkrete, erwartbar auch einander widersprechende Vorschläge laut. So wurde etwa beklagt, dass ansprechende Gaststätten als Treffpunkte fehlten, andere hingegen sahen in der Schließung von Kneipen eine Verbesserung der Lebensqualität im Viertel. Das Parken solle erschwert werden, andere wollte mehr Parkmöglichkeiten haben.

Es gibt viele Ideen – aber auch viele Zielkonflikte

Auch bei der Zieldefinition lagen die Beiträge oft – bei einem heterogenen Stadtteil wie der Pliensauvorstadt nicht verwunderlich – diametral entgegengesetzt. So sprachen sich etliche Teilnehmer – auch im Hinblick auf das Areal Nürk im Osten und den Platz des früheren VfL Post im Westen – für verstärkten Wohnbau und eine weitere Verdichtung aus, andere hingegen pochten auf eine langfristige Sicherung von Frei-, Grün- und Spielflächen.

„Es gibt etliche Zielkonflikte“, stellte Petra Schmettow in der Zusammenschau fest. Dies betreffe nicht nur den Bereich Wohnbau und Freiraumbedarf. So hänge an einer weiteren Entwicklung als Wohnort auch entscheidend der weitere Ausbau der sozialen Infrastruktur. Mehrfach wurden die medizinische Versorgung, der wachsende Bedarf an Jugendarbeit oder die Anforderungen an den Ausbau von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen genannt.

An manchen Punkten muss die Politik entscheiden

Einigkeit verzeichneten Schmettow und Waibel bei den von den Bürgern erstrebten Zielen des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs und der Anbindung des Stadtteils an die Stadtmitte und die Weststadt. Das Zurückdrängen des Autoverkehrs, aber auch eine bessere Erreichbarkeit der Geschäfte mit dem Auto, der Ausbau der Radinfrastruktur und eine deutliche Ablehnung des Radschnellwegs durch den Stadtteil standen sich indes gegenüber. „Mobilität ist ein klassisches und symptomatisches Handlungsfeld, bei dem naturgemäß die Interessen sehr weit auseinander gehen. Die Richtung herauszufinden, in die es letztlich in der Pliensauvorstadt gehen wird, wird für uns Planerinnen eine große Herausforderung. Und an manchen Punkten muss auch die Politik entscheiden“, sagte Schmettow. Eines aber sei nach ihrer Überzeugung als „kostbar“ zu betrachten: Mehrere Meinungskarten sprächen davon, dass es „ein Wir-Gefühl in der Pliensauvorstadt“ gebe. „Das soll im Stadtteil erhalten bleiben.“

Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung

ISEK
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Pliensauvorstadt wird von Fachplanern und Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam erarbeitet. Es knüpft an das Programm Soziale Stadt an und will Leitlinien für die Zukunft des Stadtteils setzen und der Kommunalpolitik, der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft Orientierung geben. So sollen Lösungen für die Herausforderungen von städtebaulichen, infrastrukturellen und sozialen Entwicklungen gefunden werden. Das ISEK ist Voraussetzung für die Gewährung von Mitteln aus der Städtebauförderung.

Weitere Schritte
In den kommenden Wochen werden alle Rückmeldungen aus dem Workshop zusammengetragen. Die Ergebnisse werden im Bürgerhaus Pliensauvorstadt ausgestellt und im Internet veröffentlicht. Der Text der Zielbeschreibung wird bis Mitte Mai überarbeitet und der Verwaltungsspitze und den Gemeinderatsfraktionen zur Diskussion gestellt. In mehreren Workshops ab Mitte September werden anhand der Ziele Schwerpunkte und konkrete Maßnahmen diskutiert.