Achim Jahn, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Esslingen, begutachtet die Acolon-Trauben. Er ist bislang sehr zufrieden mit dem Jahr. Foto: Roberto Bulgrin

Die Weingärtner in Stadt und Kreis Esslingen rechnen mit einem guten Jahrgang. Nur Corona gießt Wasser in den Wein: Der Absatz durch Feste, Weinproben und die Gastronomie fehlt spürbar.

Kreis Esslingen - Dicht und prall hängen die Trauben am Rebstock. Die Acolon-Beeren am Sulzgrieser Hang in Esslingen sind schon tiefblau, es dauert nicht mehr lang, bis sie geerntet werden können. Es wird wohl eine frühe Lese werden, so wie in den vergangenen Jahren auch. Die meisten Weingärtner im Kreis Esslingen rechnen mit einem Erntestart noch vor Mitte September. Wenn das Wetter nun beständig bleibt, sind sie zufrieden: Bislang sieht es nach einem guten Weinjahr ohne größere Ausfälle aus.

 

Achim Jahn, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Esslingen, will sich nicht beklagen. Es gab zwar einige Ereignisse, bei denen die Trauben gelitten haben. Etwa den Hagel Ende Juni, bei dem je nach Lage bis zu 20 Prozent der Beeren beschädigt wurden, wie Jahn schätzt. Oder die Kältephase während der Blütezeit Ende Mai, durch die es verstärkt zur sogenannten Verrieselung kam. So nennen es die Weingärtner, wenn ungewöhnlich viele Blüten oder kleine Beeren abgestoßen werden und deshalb mit weniger Ertrag zu rechnen ist. Aber laut Achim Jahn ist all das nicht so dramatisch, dass es nicht zu verschmerzen wäre.

Wetter prädestiniert für fruchtigen Weißwein

Mit einem überdurchschnittlichen Ertrag rechnet man in Esslingen nicht. „Aber es gibt nichts, was gegen einen guten Jahrgang spricht“, sagt Achim Jahn. Das Wetter sei prädestiniert für einen guten, fruchtigen Weißwein, wie er typisch sei für die Region. Denn in den vergangenen Monaten habe es in nicht allzu großen Abständen immer wieder geregnet, von einem Trockenjahr könne keine Rede sein. „Das kontinuierliche Wasserangebot tut den Reben gut, es bedeutet weniger Stress für sie“, erklärt Jahn. Er freut auf sich auf die fünf bis sechs Wochen Lese, die vor ihm liegen: „Das ist immer eine interessante Zeit.“ Und auch im Keller werde es danach sicher spannend.

In den Weinbaugebieten am Rande der Schwäbischen Alb sieht es ähnlich aus. Auch Jürgen Buck, Vorstandsvorsitzender der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, erwartet einen durchschnittlichen Ertrag und eine gute Qualität. Dank der ausreichenden Niederschläge hätten sich die Trauben gut entwickelt – wenngleich es auch hier in der Blütezeit zu Verrieselung kam und die Weingärtner im Frühjahr sogar leichte Frostschäden zu beklagen hatten. Hitzeschäden gab es hingegen in diesem Jahr nicht und auch mit Schädlingen hatte man kaum zu kämpfen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen guten Herbst einfahren“, sagt Buck.

Sorge wegen Kirschessigfliege

Davon geht auch Helmut Dolde aus, dessen Weinberge in Linsenhofen und im Neuffener Tal zu den höchstgelegenen Deutschlands gehören. Der Autodidakt, der den Wein nicht nur selbst an-, sondern auch ausbaut, ist sehr zufrieden mit den vergangenen Monaten. Zwar sind die Austriebe seiner hochgelegenen Reben im April durch Frost und die Blüten später durch Kälte etwas beschädigt worden, aber dennoch rechnet Dolde mit einem sehr guten Jahrgang. Lediglich die Kirschessigfliege macht den Weingärtnern im Kreis noch etwas Sorgen. Zwar gebe es aktuell noch keine Hinweise auf einen Befall, aber bei geeigneten Bedingungen kann sich die Fliege, die ihre Eier gern in Weintrauben ablegt, innerhalb kürzester Zeit geradezu explosionsartig vermehren. Deshalb hoffen die Weinbauern nun auf trockenes, sonniges und nicht zu heißes Wetter.

Während die Witterung den Weingärtnern in den vergangenen Monaten in die Karten spielte, machte Corona ihnen vielfach einen Strich durch die Rechnung. Denn Veranstaltungen wie Weinproben fielen lange komplett aus – und sind auch jetzt noch schwierig zu organisieren. Doch die Weinbauern ließen sich nicht entmutigen und versuchten, auf andere Weise Kontakt zu ihren Kunden zu halten. So boten etwa die Weingärtner Esslingen einige Veranstaltungen online an und Helmut Dolde packte Probierpakete, um seine neuen Tropfen vorzustellen.

Mit Aktionen wie diesen konnten viele Weingärtner die Privatkunden bei Stange halten – und die Verkaufszahlen in diesem Bereich teilweise sogar steigern. Doch Jürgen Buck muss auch Wasser in den Wein gießen: Der fehlende Absatz auf Festen und in der Gastronomie treffe die Betriebe spürbar.