Quartiersarbeit stärkt das Zusammenleben der Menschen in den Stadtteilen. In Esslingen hat man dafür ein Rahmenkonzept aufgestellt. Erstmals gibt es so eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, damit alle Akteure der Quartierzentren an ein Strang ziehen können.
Mehr Integration geht fast nicht. Bei der Quartiersarbeit bezieht sich die Hilfe nicht auf einzelne Personen und auch nicht auf bestimmte Gruppen. In den Blick genommen werden alle in einem Stadtteil lebenden Menschen, und die will man zusammenbringen. Alter, Geschlecht, Herkunft, Glauben oder Bildung spielen keine Rolle. Wie so vieles aus dem Handlungsfeld der Sozialen Arbeit klingt diese Idee anfangs aber recht abstrakt. Dabei gibt es in den Quartierzentren viele konkrete Aktivitäten, von offenen Treffs, Spielangeboten, Kaffeetischen bis hin zu Infoveranstaltungen. Auch so manches Fest im Viertel hat in diesen Begegnungsstätten seinen Ursprung.
In Esslingen gibt es die Quartiersarbeit bereits seit 2002 von verschiedenen Anbietern. Neun Projekte listet die Stadt aktuell auf ihrer Homepage auf, von der Gemeinwesenarbeit in Brühl über das Nachbarschaftscafé am Schönen Rain in Hohenkreuz bis zum Sportpark Weil. 2020 beauftragte der Esslinger Sozialausschuss die Verwaltung damit, eine Koordinierungsstelle für die Quartiersarbeit einzurichten und zudem einen gemeinsamen Aktionsrahmen aufzustellen. Damit hat man auf den Wunsch der Träger reagiert, die sich mehr Abstimmung und transparentere Förderkriterien gewünscht hatten. Diese Stelle gibt es mittlerweile und ist mit Edda Leimbach besetzt. Sie hat in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses ein Rahmenkonzept für die Quartiersarbeit und die Förderrichtlinien für die Zentren vorgestellt, womit auch die zweite Forderung des Gremiums aus dem Jahr 2020 abgehakt ist. 27 Seiten umfasst das Konzept, mit dem zum ersten Mal in Esslingen eine gemeinsame Arbeitsgrundlage vorliegt.
Weniger Misstrauen, mehr sozialer Frieden
Aufgebaut ist das Konzept, das auf der Homepage der Stadt heruntergeladen werden kann, in drei Teile. Der erste Teil beschreibt in neun Punkten, wie die Quartiersarbeit ausgerichtet ist und was sie bei den Zielgruppen im Quartier bewirken soll. Als wichtige Punkte werden etwa der Abbau von Misstrauen und Berührungsängsten als Beitrag zum sozialen Frieden genannt. Auch die Stadtteilidentität zu stärken wird als Ziel genannt, zudem sollen Quartierzentren als Frühwarnsysteme funktionieren. „Sie bekommen schnell mit, wenn im Stadtteil etwas schiefläuft, und können Hinweise weitergeben“, erläuterte Edda Leimbach.
Unterschiedliche Förderung je nach Bedarfsstufe
In Teil zwei führt das Rahmenkonzept aus, was für die Quartiersarbeit benötigt wird, damit diese Ziele erreicht werden können. „Quartiersarbeit ist Vertrauensaufbau“, sagt Leimbach. Dafür braucht es Strukturen wie Räume oder Personal, es geht aber auch um prozessuale Merkmale wie Vernetzung oder Kooperationen und um Konzeptionelles, zu dem etwa Monitoring und Evaluierung gehören. Im dritten Teil werden Kriterien für die Qualität der Quartiersarbeit herausgearbeitet. Unterteilt wird hier in drei Stufen, die sich aus dem jeweiligen Bedarf des Quartiers ergeben, der wiederum aus Daten des Sozialmonitors ermittelt wird. Höchste Priorität hat Stufe eins, die vorliegt, wenn in dem Quartier besonders viele Menschen in prekären Umständen leben. Abhängig von der Einstufung können die Träger Fördermittel beantragen. In der niedrigsten Bedarfsstufe drei gibt es etwa einen Zuschuss zu den Gebäudekosten, in den anderen sind auch Personalzuschüsse möglich.
Konzept entsteht nach Beteiligungsprozess
Entstanden ist das Rahmenkonzept Quartiersarbeit aus einem Beteiligungsprozess von August 2023 bis April 2024 mit Betreibern der Quartiersarbeit. Teilgenommen haben neben der Stadtverwaltung die Esslinger Wohnungsbau, Baugenossenschaft Esslingen, Flüwo, Rudolf-Sophien-Stift, Johanniter-Unfallhilfe, Kreisdiakonieverband und FC Esslingen.
„Fingerspitzengefühl, um alle mitzunehmen“
Im Sozialausschuss wurde das Rahmenkonzept jetzt positiv aufgenommen. „Quartiersarbeit kann präventiv wirken, und andere Hilfsstrukturen werden bestenfalls gar nicht mehr gebraucht“, hob Ursula Strauß (Grüne) hervor. Joachim Schmid (SPD) begrüßte es, dass nun einheitlicher verfahren werden könne. Die Fraktionen betonten, dass andere Akteure in die Quartiersarbeit miteinbezogen werden sollten. „Es passiert bereits viel in den Stadtteilen. Es braucht Fingerspitzengefühl, um alle mitzunehmen“, sagte Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) und bekam dafür Unterstützung von Brigitte Häfele (FDP). Aglaia Handler (CDU) verwies auf mögliche Kooperationen mit den Bürgerausschüssen, Johanna Renz (Linke) schlug einen Austausch mit den Jugendhäusern vor.