Am Tag des ersten Baggerbisses im Januar hat die neue Sporthalle für das Berufsschulzentrum in Esslingen-Zell noch 5,5 Millionen Euro gekostet. Inzwischen sind die Baukosten auf 5,76 Millionen Euro gestiegen – und noch nicht einmal alle Gewerke abgerechnet. Foto: Ines Rudel

Der Landkreis als Bauherr hat alle Mühe, den davonlaufenden Kosten Herr zu werden. Der Schulneubau auf dem Nürtinger Säer, die Sporthalle am Berufsschulzentrum Esslingen-Zell und das Genusszentrum am Freilichtmuseum Beuren werden teurer.

Esslingen/Nürtingen/Beuren - Dem Landkreis Esslingen geht es derzeit wie vielen Bauherren. Die Kosten steigen schneller, als die Tinte auf den Kostenvoranschlägen trocknet. In seiner jüngsten Sitzung hat der Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt gleich drei Sachstandsberichte zur Kenntnis nehmen müssen, die bei aller Unterschiedlichkeit der Problemstellungen eines eint: Die Projekte werden deutlich teurer als ursprünglich geplant.

Der Hänfling, eine Finkenart, mag federleicht sein, ist aber gewichtig genug, um im Verbund mit der Feldlerche und der Fledermaus die Baukosten für die neue Albert-Schäffle-Schule aus den Angeln zu heben. 100 000 Euro mehr veranschlagt der Landkreis für Maßnahmen, die den Eingriff in den Lebensraum des fliegenden Getiers ausgleichen sollen. Der Hänfling gibt sich da vergleichsweise bescheiden. Er bekommt als Unterschlupf eine neue Hecke im Umfeld des Neubaus, der bis zu den Osterferien 2020 Gestalt angenommen haben wird. Auch der Platz für notwendigen Ersatzquartiere für die Fledermaus sollte sich problemlos finden lassen. Bei der Feldlerche wird es kompliziert. Mangels zur Verfügung stehender Flächen muss der Landkreis ein Ersatzgrundstück erwerben.

Unter der Erde wird’s richtig teuer

Ist der Luftraum schon keine Luftnummer, wird es unter der Erde richtig teuer. 110 000 Euro zusätzlich kostet es, die Entwässerungsleitung des benachbarten Krankenhausparkplatzes zu verlegen. Dass die unter dem künftigen Baufeld verläuft, ist erst mit Beginn der Erdarbeiten festgestellt worden. Ebenfalls erst der Bagger hat ans Licht gebracht, dass ein Teil des Erdaushubs mit natürlichem Arsen belastet ist. Davon geht nach Einschätzung von Fachleuten zwar keine Gefahr für Mensch und Tier aus, doch muss das Material auf einer eigens dafür geeigneten Deponie entsorgt werden. Mehrkosten hierfür: 250 000 Euro. Unter Strich kostet die Neuordnung der Schullandschaft auf dem Säer damit also rund 26,6 Millionen Euro – und damit rund 460 000 Euro mehr als ursprünglich einmal geplant. Dass mit der Baufirma, der Wolff & Müller Hoch -und Industriebau GmbH, ein Gesamtpauschalfestpreis vereinbart wurde, hilft in diesem Fall nichts. „Das Baugrundrisiko trägt der Kreis als Bauherr“, musst sich der Ausschuss vom Landrat Heinz Eininger sagen lassen müssen.   

Auch die Sporthalle, die der Landkreis als Ersatz für den maroden Vorgängerbau am Berufsschulzentrum in Esslingen-Zell hinstellt, wird teurer. Hier hat die erhitzte Baukonjunktur den Planern einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. „Vergabeverluste“ nennt es der Fachmann, wenn das Ergebnis der Ausschreibung der Gewerke über dem Planansatz liegt. Mittlerweile klafft zwischen den Kostenberechnungen und den Angeboten eine Lücke von knapp 230 000 Euro. Das entspricht, bei einem bisher vergebenen Volumen von ursprünglich 3,7 Millionen Euro einer Kostensteigerung von rund 6,2 Prozent – und noch stehen Leistungen in Höhe von rund 900 000 Euro zur Vergabe an.

Nebenkosten nicht eingerechnet

Da nehmen sich die 35 000 Euro für die nun doch zu ersetzende Kletterwand eher bescheiden aus – und für dieses Geld erkauft sich der Landkreis als Bauherr immerhin einen Zusatznutzen, wenn die Turnhalle aus heutiger Sicht wie geplant zum Schuljahr 2019/2020 in Betrieb geht.

Einen Pauschalfestpreis hat der Landkreis auch mit der Firma JaKo aus Rot an der Rot ausgehandelt. Für 1,4 Millionen Euro baut der Spezialist für Gebäudetranslozierungen den Festsaal der ehemaligen Traditionsgaststätten Wilhelmshöhe in Geislingen (Landkreis Göppingen) ab und im regionalen Freilichtmuseum des Landkreises in Beuren wieder auf.

So weit, so gut. Im Vorfeld nicht einkalkuliert hatten die Planer allerdings eine Reihe von Baunebenkosten. Unter anderem für die Erstellung einer Leistungsbeschreibung, die rechtliche Verfahrensbegleitung, Bauhistoriker, den Restaurator und die Ausstellungsplanung fallen jetzt zusätzlich noch einmal Kosten in Höhe von 230 000 Euro an.

Trotzdem ist das moderne Erlebnis- und Genusszentrum, das in der Hülle des alten Festsaals eingebaut wird, für den Landkreis Esslingen ein Schnäppchen. Das liegt an dem erheblichen Mitteleinsatz des Fördervereins des Museums. Der finanziert die Ausstellung im künftigen Zentrum mit 200 000 Euro, stellt 140 000 Euro für den Einbau der Schauküche zur Verfügung und fördert, gemeinsam mit der Köngener Ehmann-Stiftung, eine Personalstelle, um die inhaltliche und konzeptionelle Betreuung in den ersten vier Jahren des Betriebs bis zum Jahr 2023 sicher zu stellen.

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