Die Touren auf dem Wasser in Groß- oder Kleinkanadiern vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt erfreuen sich bei Touristen großer Beliebtheit. Foto: Horst Rudel/Archiv

Die Stadt schafft für die Kanutouren eine Anlegestelle unter der Maillebrücke und schreibt deren Vergabe öffentlich aus. Am 1. Juni sollen die Rundfahrten beginnen.

Esslingen - Im nun schon mehrjährigen Krimi, welcher Anbieter Kanutouren durch die Esslinger Neckarkanäle anbieten darf und kann, schlägt die Stadt ein neues Kapitel auf. In einer Pressemitteilung fordert die Stadt Anbieter von Kanutouren auf, sich zu melden, wenn sie Interesse daran haben, vom 1. Juni an ihre Boote unterhalb der Maille-Brücke zu vertäuen und von dort aus Touren vom Wasser aus durch die Altstadt, vorbei an der Neckarstadt und zurück über den Neckar anzubieten.

Dazu wird die Stadt erstmals einen Lagerort mit Ösen zur Befestigung von zwei Großkanadierbooten schaffen. Dieser soll dann in der Zeit von März bis Oktober genutzt werden können. In der Mitteilung heißt es wörtlich: „Über eine freihändige Vergabe gegen Gebot und ein überzeugendes Kanutourenkonzept möchte die Stadt den geplanten Lagerort für mehrere Jahre an einen leistungsfähigen Anbieter vergeben.“ In einem standardisierten Auswahlverfahren mit klar definierten Kriterien werde nach Eingang der Bewerbungen die Entscheidung über die Vergabe des Lagerorts getroffen. Allerdings werde es anderen Anbietern auch weiterhin freistehen, „sich privatrechtlich im Esslinger Stadtgebiet entlang der Neckarkanäle Lösungswege zur Absicherung eines Angebots für Kanutouren zu suchen“.

Der Ausgang des Verfahrens ist vollkommen offen.

Wer sich letztlich die Hoheit auf den Neckarkanälen erkämpft, ist momentan dem Vernehmen nach noch vollkommen offen. Jahrelang war Ralf Weinberger der einzige Anbieter von Touren – anfangs mit Großkanadiern, später dann auch mit kleineren Booten. Nachdem er sich aber mit der Stadtverwaltung überworfen und zunächst aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, war Marc Schmitt, der Pächter der Gaststätte der Kanuvereinigung, eingesprungen. Er hatte sich zunächst auf die kleinen Boote konzentriert. Nachdem Weinberger aber im vergangenen Herbst angekündigt hatte, in diesem Jahr wieder Großkanadier zu Wasser zu lassen, hatte auch Schmitt erklärt, seinerseits mit großen Booten an den Start gehen zu wollen. Allerdings braucht er für diese noch die wasserrechtliche Genehmigung.

Eine neue Situation ist vor wenigen Tagen bekannt geworden. Da wurde öffentlich, dass die Kanuvereinigung die eigene Gaststätte zum 30. Juni schließen und sich von Marc Schmitt trennen will. Damit verliert Schmitt aller Voraussicht nach den Startplatz bei der Kanuvereinigung für seine Bootstouren. „Bis zum 30. Juni läuft aber alles wie gewohnt“, betont Schmitt. Für die Zeit danach suche er nach Lösungen. Aber nicht nur Weinberger und Schmitt, die nicht gerade als beste Freunde gelten, werden sich voraussichtlich um den neuen städtischen Stellplatz bemühen. Bei Michael Metzler, dem Chef der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft (EST), haben bereits zwei weitere Betreiber ihr Interesse angemeldet. „Mit der öffentlichen Bekanntmachung wollen wir allen Interessenten die Möglichkeit geben, mit uns in Kontakt zu treten“, beschreibt Metzler das Vorgehen.

Kontinuität und Regelmäßigkeit sind Kriterien

Wichtig ist aus seiner Sicht, dass derjenige, der letztlich den Zuschlag erhält, ein seriöses Angebot unterbreitet, das auch eine gewisse Kontinuität und Regelmäßigkeit umfasse. Zudem müsse der Anbieter erklären, wie er den Vorverkauf organisieren wolle. Auch müsse der Betreiber nachweisen, wo er an Land seine Kleinkanadier und die notwendige Ausrüstung lagern wolle. Der Zeitplan zur Vergabe, das räumt Metzler ein, sei „ehrgeizig“: „Wir haben aber vor, ihn einzuhalten.“

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