Karin Pett wollte nicht hinnehmen, dass die Berkheimer Bücherei geschlossen wird. Jetzt leitet sie den Bildungsort. Foto: Horst Rudel

Die Berkheimer Bücherei hat sich unter ehrenamtlicher Führung von einem Ausleihbetrieb in einen Lern- und Leseort verwandelt. Damit wertet sie auch das Stadtteilzentrum auf, in dem immer mehr Geschäfte eingehen.

Esslingen - Bald sind es 15 Jahre her, dass sich die Berkheimer erfolgreich gegen die Schließung ihrer Ortsbücherei gewehrt haben, und der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Bücherei ist ein Lese-, Bildungs- und Veranstaltungszentrum geworden, das dem Ortsteil gut tut. Karin Pett war es, die sich im Jahr 2002, als die Schließung drohte, an den Gemeinderat Richard Kramar­tschik gewandt hatte. „Es war unsere Bücherei, und wir Berkheimer sind wehrhaft“, begründet sie den Widerstand gegen den Bücherbus, der die Bücherei ersetzen sollte.

Kramartschik riet ihr, einen Förderverein zu gründen, und Karin Pett spannte nicht nur die ganze Familie ein, sondern auch knapp sechzig Berkheimer, die sich im Verein zusammenfanden. Knapp 30 Ehrenamtliche sind es heute, die gemeinsam mit einer hauptamtlichen Kraft den Ausleihbetrieb stemmen.

Sie haben auch geschafft, was ein Bücherbus nie könnte: Ganz selbstverständlich gibt es dort Lesungen, und es treffen sich dort Schüler, um Hausaufgaben zu machen oder an den Computern Bewerbungen zu schreiben. „Einer kam einmal zu mir und fragte, ob die Bewerbung gut sei“, sagt Karin Pett. Als gelernte Sekretärin hat sie ihm Nachhilfe gegeben, und tatsächlich bekam der Jugendliche den Job.

Die Bücherei kooperiert auch mit den Schulen und vermittelt auf diese Weise elementare Bildungstechniken. Der Förderverein schafft zusätzlich Unterhaltungsmedien an, seien es Spiele, seien es Kinderfilme, von denen Berkheim eine ganz außergewöhnlich gute Auswahl besitzt und bei der es Karin Plett aufgegeben hat, sie sortiert zu halten, denn die Kinder wühlen immer und immer den Bestand um.

Damit sind die Berkheimer Vorreiter für ähnliche Projekte. Im Jahr 2011 hat Ostfildern die Ortsbüchereien von Scharnhausen und Ruit geschlossen, worauf sich Ruiter Bürger zusammentaten und die Zweigstelle mit viel Engagement im Jahr 2012 weiterführten. Dafür gab es als Lob einen Dankesbrief vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Im März zuvor hatten die Scharnhäuser Bürger ihre Bücherei gerettet. In Altdorf im Kreis Böblingen sind die Bürger noch einen Schritt weitergegangen und haben im Jahr 2014 ehrenamtlich eine Bücherei eröffnet, weil der Bürgermeister dazu im Amtsblatt aufgerufen hatte.

Warum sich Bürger so sehr engagieren, begründet Karin Plett für Esslingen-Berkheim darin, dass eine Bibliothek eben ein soziales Zentrum sei, mit dem sich die Bürger identifizierten.

Doch bald droht der Bücherei neues Ungemach, das man im Zusammenhang mit der neuesten Haushaltskonsolidierung sehen muss. Nicht nur weil der Etat der Berkheimer Bücherei im vergangenen Haushaltsjahr trotz steigender Ausleihen gekürzt wurde.

Das Problem ist politischer Natur. Die Stadt Esslingen hat in de n Berkheimer See investiert und darauf verzichtet, das Freibad zu schließen. Dafür aber plant die Verwaltung, den maroden Fußgängersteg zur Bücherei abzureißen und in Berkheim ein Gewerbegebiet zu entwickeln . Woran nur wenige denken: der Steg ist der einzige barrierefreie Zugang zur Bibliothek. Das zweite Problem ist, wer zur Bücherei läuft, läuft durch leere Gassen. Im Stadtteilzentrum steht ein Bekleidungsgeschäft leer und die Bäckerei. Der Einkaufsmarkt möchte sich vergrößern und denkt an einen Neubau außerhalb. Darüber hinaus sind die Eigentumsverhältnisse nach Auskunft von Richard Kramartschik ziemlich zersplittert, so dass es den Planern schwerfällt, ein gutes Konzept für das Stadtteilzentrum zu machen.

Doch es gibt einen Hoffnungsstrahl: Der Baubürgermeister Willfried Wallbrecht hat das Thema zur Chefsache gemacht und versucht nun, das in die Jahre gekommene Stadteilzenrum wenigstens teilweise zu ertüchtigen, berichtet Roland Karpentier, der Pressesprecher der Stadt.

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