Entertainer Gaedt ergreift nicht nur das Wort, sondern gleich auch zu Gitarre. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das größte Wunder blieb aus: Der Regen verschonte den Weindorf-Treff von SWR 4 und Stuttgarter Nachrichten nicht. Aber kleine Wunder gab es schon: Karten verrieten ihr Gewicht und Diesel verwandelte sich in Saftschorle.

Stuttgart - Der Himmel weinte. Da half beim Weindorf-Treff auch der kurze Draht nach oben nichts. Pfarrer Ralf Vogel konnte nicht helfen. Auch der zweite Mann in der Runde, der für Wunder zuständig ist, war machtlos: Magier Thorsten Strotmann ist zwar „der einzige Zauberer, der nicht trickst, sondern wirklich zaubern kann“, wie er bekundete, aber am Beeinflussen des Wetters arbeitet er noch.

Das ist kein Trick, der kann ja zaubern

Die Wetterkarte entzieht sich seinem Zugriff zwar, Spielkarten allerdings handhabt er mit Leichtigkeit. In der Laube der Alten Kanzlei führte er am Donnerstagabend seine Künste vor. Er ließ sich die Augen verhüllen und die Moderatoren Diana Hörger und Tom Hörner Karten vom Stapel abheben. Anhand des Gewichts schätzte er die Zahl der Karten. Natürlich richtig. Den Trick wollte Diana Hörger gerne wissen, doch wie gesagt: Es ist kein Trick, er kann ja zaubern.

Männer, die vom Glauben abfallen

Ein Wunder sei das, fand auch Comedian und Tausensassa Michael Gaedt. „Du arbeitest mit Wundern“, wie das bei jeder Kunst sei, die das Publikum zum Staunen bringe. So gehe es ihm, wenn er Bach-Choräle höre, „so fette Kirchenmusik, da fällst Du vom Glauben ab“.

Buchstäblich vom Glauben abgefallen ist auch Kabarettist Max Uthoff. Er ist bekennender Atheist, ein Ungläubiger. Dass es ihm gelungen sei, Uthoff in einen seiner Nachtschicht-Gottesdienste zu locken, das war für Pfarrer Ralf Vogel ein besonderer Coup. Das gefiel zwar nicht jedem, eine Frau bruddelte hinterher, das sei ja wie auf einer Parteiveranstaltung der Linken gewesen. Vogel: „Das ist ja auch völlig in Ordnung, man muss nicht mögen, was meine Gäste sagen, aber man soll ihnen zuhören.“

Seit 17 Jahren veranstaltet er die Gottesdienste. Mittlerweile nicht nur in der ganzen Stadt, jüngst gastierten sie beim Kirchentag in Berlin. Der erste trug übrigens die Überschrift „Gott statt Glotze.“ Weil man sonntagabends in Konkurrenz zum „Tatort“ steht. Und die Leute kommen scharenweise. Ein Wunder? Nein, solides Handwerk, sagt Vogel. „Gespräch statt Predigt, Inszenierung statt Lesung“, gut vorbereitet, viel Engagement von 40 Helfern, Handwerk eben.

Auch Strotmann und Gaedt nehmen für sich in Anspruch Handwerker zu sein. Viel Übung, viel Routine. Strotmann: „Der Zauberer präsentiert sein Können nicht, nur den Effekt.“ Und seine Hände. Deshalb geht er zur Maniküre. Es gucken ja im Theater im Römerkastell alle auf seine Finger.

Das wilde Leben des Michael Gaedt

Gaedt sagt, er sei im Kunstgewerbe tätig. Mit dem Lerngewerbe hatte er es als Schüler nicht so. Fünfmal blieb er sitzen und „erfand so das G 24“ wie Hörner einwarf. Als junger Bursche zog es Gaedt nach Florida. Dort putzte er bei den Reichen die Klos und die Pools, durfte auf den Jachten der Herrschaften leben. Wieder zurück im Schwäbischen gründete er mit Michael Schulig und Ernst Mantel Die kleine Tierschau. Nach 35 Jahren trennten sie sich, nun sind sie solo unterwegs. Demnächst tritt Gaedt mit Roland Baisch und Otto Kuhnle im Theaterhaus auf.

Göttliches Zeichen von der Stiftskirche

Und als er jüngst die Oper „Freischütz“ inszenierte, baute er, ganz Handwerker, „tanzende Waschmaschinen und ein tanzendes Motorrad“. Wunder kann er aber auch. Die Gäste sollten blind verkosten und ihr Getränk raten. Klar, Pfarrer Vogel kam sofort auf seinen Rotwein, (Gaedt: „Das Blut Christi“), Strotmann schmeckte den Riesling, Gaedt glaubte „Aral-Premium-Diesel“ oder „Scheibenwischerkonzentrat“ im Glas zu haben, wundersamerweise stellte es sich aber als Saftschorle heraus. Dann läuteten die Glocken der Stiftskirche. Ein göttliches Zeichen. 18 Uhr, Ende. Natürlich musste Gaedt das letzte Wort haben. Er bat zum Choral und sang begleitet von den Zuhörern: „Sie hatte gestern keinen Sex, und das seit Jahren!“ Und der Himmel weinte.

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