Erster schwäbischer Kinokrimi Wer ist dieser Trash Detective?

Von Uwe Bogen 

Rudolf  Waldemar Brem spielt in dem schwäbischen Dorfkrimi „Trash Detective“ einen Außenseiter Foto: Camino
Rudolf Waldemar Brem spielt in dem schwäbischen Dorfkrimi „Trash Detective“ einen Außenseiter Foto: Camino

Suff, Sex, Schmuddel – der Film „Trash Detective“ erinnert an einen Stoff des US-Autors Charles Bukowski. Erstmals kommt ein Krimi auf Schwäbisch in die Kinos. Auf Litfaßsäulen wirbt ein Antiheld für eine ganz besondere Premiere. Mit 63 Kopien gelingt einem Studentenfilm ein sensationeller Start.

Stuttgart - Ja, goht’s no? Der Titel des Films, der das neue Genre „Schwäbischer Kinokrimi“ begründen will, lautet „Trash Detective“.

Da net jeder des Englisch ko, übersetzet mr’s mol: „ Dr Schrott Scheriff“ (auf Schwäbisch Sheriff mit Sch).

Die erste Fassung des herausragenden Trash-Films, der am 18. Februar in die schwäbischen Kinos kommt, es aber auch an für unsere Sprachart exotische Spielorte wie Hamburg, Dortmund, Magdeburg und München geschafft hat, ist auf Hochdeutsch gedreht worden. „Dann kam die Idee mit dem Dialekt dazu“, berichtet der 31-jährige Produzent Martin Schwimmer. In Bayern funktioniere Mundart einwandfrei. „Da dachten wir: Warum sollte in Baden-Württemberg etwas nicht klappen, was in Bayern hinhaut?“, erzählt Schwimmer, der wie sein Produktionspartner Dominik Utz, 33, von Domar Film Bayer ist. Regisseur Maximilian Buck, 34, ist Schwabe. „Trash Detective“ ist seine Diplomarbeit an der Filmakademie Ludwigsburg – sein Langfilmdebüt.

Bisher hat es der schwäbische Dialekt nur mit Komödien in die Kinos geschafft. „Die Kirche bleibt im Dorf“ ist das beste Beispiel dafür. Der Stuttgarter Filmverleih Camino sorgte mit der Dauerfehde zweier Familien für den ­Überraschungserfolg von 2012.

Wieder sind es die Camino-Leute, die aufeinen schwäbischen Film setzen, dem sie „Kultpotenzial“ bescheinigen. „Die Kirche“ ging mit 60 Kopien in die Kinos, bei „Trash“ sind’s gar 63. Bei Büchern sind Regionalkrimis der Renner – gelingt der Erfolg auch auf der Leinwand?

Preview am nächsten Mittwoch in Ludwigsburg

Rosafarben leuchtet „Trash“ quer durch Stuttgart auf Litfaßsäulen und macht neugierig auf einen sonderbaren „Detektiv“, der im Dreck wühlt. Nicht am hohen Marketing-Etat liegt’s, warum der kleine Verleih einen so spektakulären Werbeauftritt hat, eher an der Überzeugungskraft. „Wir haben einfach bei der Außenwerbungsfirma angerufen“, sagt Zakar Istepanian von Camino. Die Idee des Heimat-Thrillers überzeugte die Plakataufsteller. Zu Sonderkonditionen bekamen die Trash-Macher die Litfaßsäulen – zu einer Zeit, in der die Außenwerbung nicht so nachgefragt ist.

Noch ein Glückstreffer für ein außergewöhnliches Projekt: Vor drei Jahren hatten Utz und Schwimmer ohne viel Geld die ersten Szenen erarbeitet. Mit dem Filmmaterial von 20 Drehtagen konnten sie den SWR und den Verleih Camino überzeugen.

Am nächsten Mittwoch feiern die Produzenten und das gesamte Team ­Preview im Scala-Kino in Ludwigsburg. Erzählt wird die Geschichte um den Außenseiter und Trinker Uwe, gespielt von dem 67-jährigen Fassbinder-Darsteller Rudolf Waldemar Brem. Im schwäbischen Dorf Matringen ist Uwe sicher, den Mord an der Schönsten des Dorfs beobachtet zu haben. Keiner glaubt ihm. Stattdessen gerät er selbst in den Verdacht, der Mörder zu sein. Uwe ermittelt auf eigene Faust, dringt immer tiefer in dunkle ­Wahrheiten einer Kleinstadtidylle ein.

Ein Heimatfilm, weit weg von Schwabentümelei

Brem ist an Lungenkrebs erkrankt. Die ­Dreharbeiten mussten unterbrochen werden. Um den Hauptdarsteller so weit zu schonen, wie es geht, hatte das Filmteam im Frühjahr 2015 das gesamte Set vom Großraum Stuttgart nach Bayern verlegt.

Am Set hat sich Brem „nicht ein einziges Mal im Spiegel angeschaut“. In der Rolle des Suffkopfs zeigt er seine hässlichsten Seiten. Er ist der einzige Bayer im Film und musste den schwäbischen Dialekt erlernen. Nicht alles hört sich perfekt an. Aber die Figur des Uwe ist nicht hundertprozentig schwäbisch sozialisiert. Man weiß nicht, ob er gebürtiger Schwabe ist. Sehr eindringlich spielt Brem den Uwe. Am Anfang ist der Zuschauer irritiert, wird dann aber in eine Geschichte hineingezogen, die schockt und menschlich berührend ist. Ein Heimtatfilm, der weit weg von Schwabentümelei ist.

Obacha kuuhl, dr Schrott Scheriff!

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