Daniel Kromer (links) baut mit seinem Team seinen Stand auf der unteren Königstraße auf. Von Donnerstag an verkauft er hier Pullover, Jacken, Mützen, Schals aus 100-prozentiger Nepalwolle Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ohne Glühwein und Bratwurst: Der kleine Ersatz für den Stuttgarter Weihnachtsmarkt nennt sich Adventszauber und geht bis zum 9. Januar. In der City hat der Aufbau von 33 Ständen begonnen – sonst sind es knapp 300.

Stuttgart - Rauschen die Temperaturen in den Keller, ist dies gut für die Geschäfte von Daniel Kromer. Seit 40 Jahren verkauft seine Familie 100-prozentige Kuschelwolle, fair in Nepal gehandelt, in Form von Pullover, Schals und Mützen auf Weihnachtsmärkten. Diesmal ist Corona-bedingt alles anders. Stuttgart bietet vom kommenden Donnerstag an einen kleinen Ersatz, der sich Adventszauber nennt. Bis zum 9. Januar, also übers Fest hinaus, dürfen 33 Buden weit auseinander in der City stehen. Geöffnet ist täglich – außer sonntags und feiertags – von 10 bis 21 Uhr.

Kromer freut sich, etwas tun zu können. „Zwar werden uns die Schweizer Touristen fehlen“, sagt der Mann mit der Nepalwolle, „aber ein Vorteil ist, dass wir bis in den Januar bleiben dürfen, wenn es meist kälter wird und sich dicke Pullover besser verkaufen.“ Neu für ihn ist auch, dass er sonntags schließen muss. Einen freien Sonntag hatte er „seit 20 Jahren auf keinem Weihnachtsmarkt“ mehr.

Stadt verzichtet auf die üblichen Standgebühren

Am Montag hat Kromer mit dem Aufbau seines Standes mit der Nummer drei auf der unteren Königstraße begonnen. Gewohnt festlich will der Schausteller seine Bude dekorieren. Ein bisschen Weihnachtsstimmung soll aufkommen, auch wenn dies im Corona-Jahr schwerfällt.

Sonst sorgen knapp 300 Stände dafür, dass Stuttgart einen der schönsten und größten Weihnachtsmärkte in Europa sein eigen nennt. Die Auswahl der 33 Buden traf die Ordnungsbehörde. Bratwurst und Glühwein sind nicht erlaubt. Magenbrot, Schokofrüchte und Crêpes dagegen schon.

Um die Schausteller zu unterstützen, verzichtet die Stadt auf die üblichen Standgebühren (und spart die Kosten für Toilettenwagen). Wer dabei ist, zahlt aber den Stromanschluss – und das nicht zu knapp.

„Man sollte den Glühwein nicht verteufeln“

Für ein „weihnachtliches Sortiment“ soll der Budenzauber sorgen. Wer Geschenke sucht, soll fündig werden. Dagegen fürchtet man im Rathaus, dass alkoholische Heißgetränke, die gut für hohe Umsätze sind, Ansteckungsgefahren erhöhen. „Man sollte den Glühwein nicht verteufeln“, meint Schaustellerpräsident Mark Roschmann, „man könnte für Vorrichtungen sorgen, dass jeder in Maßen trinken kann und dass keine Menschenansammlungen entstehen.“ Schausteller verstehen nicht, dass Wirte Glühwein to go verkaufen dürfen. Die 33 Hütten sind quer durch die City verteilt, von der Klett-Passage bis zur Tübinger Straße. Die Glanzlichter auf dem Schlossplatz und auf der Königstraße werden dank Tausender von LED-Lampen erstrahlen, zwei Tannenbäume für Weihnachtsflair sorgen.

Beschicker Daniel Kromer kann nicht einschätzen, wie der Umsatz in diesem besonderen Jahr für ihn wird. Jedenfalls hat er sich mit Ware reichlich in Nepal eingedeckt. „Auch dort drohen wegen Corona Pleiten“, sagt er, „man muss die Leute unterstützen.“ Nepal-Wolle sei zum Glück „immer in Mode“. Was übrig bleibt, könne er nächstes Jahr verkaufen.

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