Nah an den Fans, aber manchmal auch distanziert: Eros Ramazzotti in der Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Mit unverwechselbarer Stimme und einem Plädoyer für Frieden: Eros Ramazzotti hat vor 7500 Zuschauern in der Stuttgarter Schleyerhalle ein Konzert seiner „Battito Infinito World Tour“ gegeben.

Erst ist die Bühne in dunkle Blau- und Rottöne getaucht. Die Farben verschwimmen, elektronische Klänge knistern in der Luft, Stimmen flüstern. Dann taucht sie auf, die gefühlvolle italienische Reibeisenstimme. Eros Ramazzotti ist da, spielt vor 7500 Zuschauern in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ein Konzert seiner „Battito Infinito World Tour“.

 

„Battito Infinito“, ein Beat, der niemals enden will – so heißt auch das jüngste Album des römischen Sängers, der 2023 seinen 60. Geburtstag feiern wird. Mit Songs aus ebendiesem Album beginnt der Abend, dann schwingt Eros Ramazzotti sich langsam auf zu seinen großen Hits, überrascht dabei immer wieder mit einem Sound, der sich oft an Blues und Soul orientiert. Er singt Duette mit seinen beiden Backgroundsängerinnen, gibt vor allem dem Saxofonisten Marco Scipione viel Raum.

Und dann zitiert er Albert Camus

Und irgendwann setzt Eros Ramazzotti sich dann auf die Stufen seiner Bühne und spielt lange die akustische Gitarre, begleitet auch vom Akkordeon und von der Steel Guitar: eine kleine Session, ein Popstar, der sich erden will.

Dass Ramazzotti die Gitarre beherrscht, das weiß man. Er zeigt es an diesem Abend mit kräftigen Soli, mit denen er nicht nur „Se Bastasse una Canzone“ zu einem grandiosen Höhepunkt treibt, jenes Lied, in dem er sich wünscht, dass ein Lied genügen möge, um Liebe regnen zu lassen, Frieden zu stiften. Ein Zitat von Albert Camus lässt er später einblenden, kommentarlos: „Friede ist die einzige Schlacht, die es wert ist, gekämpft zu werden.“ „Dove c’è musica“ und „Più che puoi“ sind Hits, die man früh schon hört; mit „Terra Promessa“ kehrt Ramazotti von seiner akustischen Reise zurück zu den wuchtig arrangierten Popballaden.

Wände aus Wasser, Wellen und Sternennebel

Begleitet wird er von einer exzellenten Band – auch der Drummer Eric Moore hat seinen starken Auftritt, die beiden Sängerinnen glänzen leidenschaftlich. Dazu Percussion, zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Piano: das perfekte musikalische Gewand für eine Stimme, die seit fast 40 Jahren unverwechselbar ist.

Das Cover seines neuen Albums zeigt Ramazzotti, wie er eintaucht in Wasser. Elemente scheinen Leitmotive seiner visuellen Show zu sein. Die Bilder, die hinter ihm und seiner Band aufleuchten, führen in eisige Welten, lassen Flammen tanzen (bei „Fuoco nel Fuoco“, einem Song aus dem Jahr 2009), richten sich Wände aus Wasser, Wellen und Sternennebel auf, schillernde Farben.

Grüße an die schwangere Tochter

Die kleine Vorbühne ist zu beiden Seiten hin abschüssig und führt Ramazzotti früh schon hinab ins Publikum. Später schreitet er vor der Bühne auf und ab, immer nah bei seinen Fans. Und doch wirkt er in manchen Momenten an diesem Abend auch distanziert. Die Landessprache in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Donnerstag freilich ist Italienisch – Eros Ramazzotti spricht selten nur ein Wort auf Deutsch, feuert vielleicht Marco Scipione an: „Eins, zwei drei, Polizei!“. „Cosa della Vita“ singt er noch vor der Zugabe.

Seiner schwangeren Tochter Aurora sendet Eros Ramazzotti per Smartphone Grüße; von Stuttgart verabschiedet er sich herzlich, im hell leuchtenden Saallicht.