Nationalpark-Direktor Wolfgang Schlund legt am Dienstag am Ruhestein letzte Hand an. Foto: dpa

Ein Waldgebiet sich selbst überlassen? Für die Gegner des Nationalparks im Schwarzwald bleibt dies Unfug. Die Befürworter freuen sich auf den Start des Projekts in wenigen Tagen.

Ein Waldgebiet sich selbst überlassen? Für die Gegner des Nationalparks im Schwarzwald bleibt dies Unfug. Die Befürworter freuen sich auf den Start des Projekts in wenigen Tagen.

Seebach - Den Startschuss gibt der Landeschef höchstpersönlich: Am Wochenende wird Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) Baden-Württembergs ersten Nationalpark offiziell eröffnen. Der Schwarzwald soll eine Spur wilder werden – das macht die Gegner des Projekts allerdings nicht unbedingt zahmer.

Der Weg ist in Nebel gehüllt, die Botschaft aber klar zu sehen: Die durchgestrichenen Anfangsbuchstaben NP, die von Projektgegnern in der Nacht zum Dienstag mit Leuchtfarbe auf Bäume und Steine gesprüht wurden, sollen wohl daran erinnern, dass der Nationalpark zwar nun eröffnet wird, aber noch nicht bei allen in der Region angekommen ist.

„Wir können nicht jeden mitnehmen“, kommentiert Nationalpark-Direktor Wolfgang Schlund am Dienstag die Schmierereien bei der Vorstellung des Programms zur Eröffnungsfeier auf dem Ruhestein (Ortenaukreis). „Wir werden aber weiterhin gute Arbeit für die Region leisten, daran ändern auch ein paar angemalte Bäume nichts“, fügt er gelassen hinzu.

Zweitägige Feier eröffnet mit Familienprogramm

Der Nationalpark im Schwarzwald wird am Wochenende mit einer zweitägigen Feier und einem Familienprogramm eröffnet – er soll das neue Naturherz des Landes werden. „Am 3. und 4. Mai beginnt Baden-Württembergs wildes Herz zu schlagen“, sagt Schlund; dazu hätten viele Helfer und Unterstützer in den vergangenen zweieinhalb Jahren beigetragen.

Und die werden auch am Eröffnungswochenende nicht fehlen: Das Festprogramm, gespickt mit regionalen Künstlern, bietet Kabarett, Erlebnistouren, Sternwanderungen, Musik auf einer großen Veranstaltungsbühne, Genuss auf dem Naturparkmarkt, Spielstraße und ­Geschicklichkeitspfad.

Auch der Segen von oben wird nicht fehlen: Nach der offiziellen Eröffnung des Parks durch Ministerpräsident Kretschmann und Naturschutzminister Alexander Bonde Grüne) am Samstag um 10 Uhr laden am Sonntag um 10 Uhr die Evangelische und die Katholische Kirche zum ökumenischen Gottesdienst auf dem Ruhestein ein. „Wir freuen uns darauf, dass wir die Besucher mit unserem bunten Programm und zahlreichen Führungen über den Nationalpark und unsere Arbeit informieren können“, berichtet der Park-Direktor, denn die Information über die Natur im Nationalpark wird am Wochenende und auch in Zukunft im Vordergrund des Projekts stehen.

Pionierarbeit "ähnlich dem Bau eines Münsters"

Vorgestellt wird am Dienstag auch das Jahresprogramm des Parks, das den Schwerpunkt vor allem auf die Bildung legt: „Gerade die Arbeit mit jungen Menschen ist uns wichtig“, versichert Schlund, denn: Erst sie werden den rund 10  000 Hektar großen Park im Bereich Hoher Ochsenkopf (Kreis Rastatt/Baden-Baden) und Ruhestein (Kreis Freudenstadt/Ortenaukreis), in dem in den nächsten 30 Jahren die Natur Stück für Stück sich selbst überlassen wird, irgendwann richtig erleben.

Für Schlunds Kollegen Thomas Waldenspuhl hat diese Pionierarbeit Ähnlichkeit mit dem Bau eines Münsters: „Daran haben früher auch viele Menschen gearbeitet, die wussten, dass sie darin nie eine Messe erleben werden.“