Sind Rennräder von Bianchi, Colnago oder Cinelli Kunst? Am 16. November um 18 Uhr eröffnet Hartmann Projects im Galerienhaus eine Schau, die das nahelegt.
Mit einem Motobécane-Rad der höheren Kategorie kann man auch 40 Jahre nach dem Ende der Produktion Pässe meistern, weiß sich bergab auf schlingerfreiem Kurs und darf noch immer den letzten Kick auf dem großen Blatt genießen. Feiner aber stand schon damals das Cinelli daneben, ein erster Versuch mit Carbon und zu schade fast für die Straße, einen Tick nervös auch. Eher für den Spurtantritt gedacht, denn für sich scheinbar endlos ziehende Serpentinen. Und doch hätte es das Cinelli ins Museum schaffen können, in die Sammlung von Karl Heinrich. Wie das Colnago – gemacht für die hohen Gänge und lange, zitterfreie Tritte.
Räder statt Bilder
Der bei Göppingen lebende Österreicher hat in den vergangenen 30 Jahren eine Sammlung von knapp 130 Renn- und Sporträdern des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Von diesem Donnerstag, 16. November, an, werden 20 der schönsten italienischen Klassiker aus der Sammlung Heinrich ganz offiziell zu Kunstwerken – zum Finale im Galerienhaus (Breitscheidstraße 48) präsentiert das auf Fotokunst spezialisierte Verlegerpaar Angelika und Markus Hartmann die Räder als Wandobjekte. „Zum Abschluss unserer Zeit im Galerienhaus Stuttgart“, sagt Markus Hartmann, „erlauben wir uns einmal eine kleine Extratour, weg von den schönen Bildern hin zu den schönen Rädern“.
Einen Kurator hat die Präsentation gleichwohl: Roland Wolbold. Der Radsport-Fachmann weist sich mit seiner Werkstatt in Stuttgart-Heumaden als niedergelassener Radologe aus. Gemeinsam mit Karl Heinrich hat Wolbold die Auswahl getroffen – und sich für Räder unter anderem von Benotto, Bianchi, Bottecchia, Chesini, Cinelli, Colnago, Concorde, De Rosa, Fiorelli und der schon kurz nach der Gründung 1948 zur Legende gewordenen Marke Frejus entschieden. Es ist ein Treffen der Schönen und Leichtläufigen, und die Debatten um Rahmenwinkel und Vorbauhöhen können eigentlich nur noch von den Schwärmereien über die Details einer Campagnolo-Zugschaltung übertroffen werden.
Finale am 22. Dezember
Zu sehen ist die Ausstellung„Che bellezza – Die schönsten Rennräder kommen aus Italien!?“ bis zum 22. Dezember (Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 12 bis 16 Uhr). Von 1. Januar an ist Hartmann Projects unter neuer Adresse zu finden – in der Liststraße 28/1.