Markus Rösler freut sich über seinen Erfolg bei der Landtagswahl. Foto: factum/Weise

Historische Zäsur im Wahlkreis Vaihingen: Die Grünen gewinnen. CDU und SPD erleiden deutliche Verluste, die AfD wird drittstärkste Kraft. Am Ende reicht es Konrad Epple (CDU) noch für das Zweitmandat.

Vaihingen/Enz - Frenetischer Jubel sieht anders aus: Gerade hat Markus Rösler am Sonntagabend um 19.30 Uhr verkündet, „das grüne Direktmandat ist sicher“ – doch hier gibt es kein Jubelgeschrei, keine Küsse oder Umarmungen. Im Hauptquartier der Grünen im Wahlkreis Vaihingen, in der Sportvereinsgaststätte des TSV an der Enz in Unterriexingen, gibt es für den Sieger ordentlichen Applaus. Das war’s. Freuen tun sich die zwei Dutzend Unterstützer von Rösler und seine Familie – aber das Ergebnis ist eben noch nicht amtlich.

Oder liegt der nur verhaltene Jubel eben daran, dass die Nachricht schon so gut wie sicher erschien? Immerhin hatte sich in den anderthalb Stunden seit der ersten TV-Prognose um 18.01 Uhr bereits abgezeichnet, dass die Grünen die Nase vorne haben werden. Und die Hochrechnungen für das landesweite Ergebnis, welche die Grünen deutlich vor der CDU sahen, verfestigten sich auf der Ebene der Kommunen.

Grüne sogar drei Prozent über dem Landesschnitt

Am Ende waren es 33,1 Prozent, die Rösler und damit die Grünen im Wahlkreis Vaihingen errangen. Die Partei liegt damit rund drei Prozent besser als im vorläufigen Landesschnitt. Die CDU kam ähnlich wie im Land auf 27 Prozent, das sind rund 11,8 Prozent weniger als 2011; die SPD lag mit 11,5 Prozent unter dem Landesschnitt von 12,7 Prozent – damit hat sie ihr Ergebnis im Wahlkreis im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren (22 Prozent) knapp halbiert. Die AfD wurde mit 14,1 Prozent drittstärkste Kraft, lag damit aber unter dem Schnitt im Land von 15 Prozent. Die FDP kam auf neun Prozent (Land: 8,3 Prozent), ein Plus von knapp drei Prozent im Vergleich zu 2011. Die Linken erzielten 2,2 Prozent und blieben nahezu unverändert zu 2011. 75,9 Prozent der Wahlbeteiligten gaben ihre Stimme ab, 1,1 Prozent mehr als 2011.

Während das Direktmandat für den Grünen Rösler gegen 20 Uhr sicher war, musste Konrad Epple aus Ditzingen mit seinen CDU-Getreuen zittern. Erst nach 22.30 Uhr ist klar, dass er über ein Zweitmandat für die CDU wieder in den Landtag einziehen wird. Das tröstete über den Verlust des Direktmandats hinweg.

Getrübt war die Stimmung beim SPD-Kandidaten Egon Beck, dessen Partei deutlich verloren hat. Obwohl die Vorhersagen in diese Richtung gegangen seien, fasste der Sozialdemokrat sein Ergebnis in einem Wort zusammen: „deprimierend.“ In seiner Heimatkommune Korntal-Münchingen wurde die SPD drittstärkste Kraft – ein Platz, den seine Partei in den Nachbarkommunen der AfD überlassen mussten.

Ein Fragezeichen hinter der AfD-Kandidatin

Anja Markmann, die Kandidatin der AfD, nannte das Ergebnis grandios: „Das trifft meine Hoffnung.“ Es reicht dennoch nicht für ein Mandat im neuen Landtag. Da ihr Ergebnis aber unter dem landesweiten Ergebnis liegt, bewertet sie ihre Chancen ohnehin als „eher schlecht“.

„Super gut“ findet der FDP-Kandidat Roland Zitzmann sein Ergebnis, das knapp drei Prozent über dem Ergebnis vom Jahr 2011 liegt. Auch er wird trotz guten Ergebnissen nicht Abgeordneter im Stuttgarter Landtag werden. Peter Schimke von den Linken hatte bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgegeben, dass seine Partei ganz knapp in den Landtag kommt. „Erschreckend ist das Ergebnis der AfD“, meinte der Vaihinger und sagte selbstkritisch: „Uns ist es nicht gelungen, mit Sozialthemen durchzudringen.“

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