Im Fünf-Sterne-Hotel Four Seasons, einem osmanischen Palast aus dem 19. Jahrhundert am Bosporus, gaben sich die beiden am Freitagabend vor 300 Gästen das Ja-Wort. Foto: dpa

Was trägt die Braut? Wer ist unter den Gästen? Und fließen Tränen? Eine Hochzeit ist ein emotionales Erlebnis. Wenn der umstrittene türkische Präsident Trauzeuge ist, hat das aber auch eine politische Brisanz.

Berlin/Istanbul - Nun war es wieder so weit: Eine Promi-Hochzeit stand an, Medien und Fans fieberten den ersten Bildern entgegen. Bei der Hochzeit von Mesut Özil (30) geht es aber um mehr als Glamour und Romantik - diese Feier, die am Freitag in Istanbul stattfand, hat eine gewisse politische Brisanz.

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Im Zentrum der Debatte: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Am Abend stellten sich Sicherheitsleute an dem Luxushotel in Istanbul auf. Erdogan werde erwartet, heißt es. Er blieb zwar offenbar nur kurz - die Zeit reichte aber wohl aus, um Trauzeuge zu sein. Das zumindest berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auf Bildern ist das Paar mit dem Präsidenten und seiner Frau auf einer Empore vor dem Bosporus zu sehen. Erdogan habe auch Amine Gülse (26) die Hochzeitsurkunde überreicht, berichtete Anadolu.

Schon seit Monaten hatte es reichlich Gesprächsstoff um die Hochzeit gegeben - offizielle Informationen aber kaum. Prominente reden vorab meist nicht gern über ihre Hochzeit. Und Özil spricht inzwischen ohnehin kaum noch mit der Presse - wenn, dann kommuniziert er über seine Social-Media-Kanäle. So machte er es auch am Donnerstagabend. Nach monatelangen Spekulationen ist klar: Der frühere Nationalspieler und seine Partnerin Amine Gülse heiraten am Tag darauf.

Özil verrät das nicht aus einer Plauderlaune heraus, er ruft aus diesem Anlass dazu auf, kranke Kinder zu unterstützen. „Viele Fans haben mich oder meine engsten Freunde und Familie gefragt, was wir uns zur morgigen Hochzeit wünschen“, schrieb er. „Als Fußballer habe ich das große Privileg und Glück, dass es mir an nichts fehlt“, schrieb der Fußballer und rief „alle, die etwas Gutes tun möchten und können“ dazu auf, ebenfalls den Verein Big Shoe zu unterstützen. Er selbst werde 1000 Operationen für hilfsbedürftige Kinder finanzieren.

Faszination an Promi-Hochzeiten

Auch seine ehemaligen Kollegen Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer hatten vor ihrer Hochzeit nichts verraten - am Tag selbst zeigten sie sich dann aber den Fotografen oder verbreiteten selbst Bilder. Schweinsteiger und seine Frau Ana Ivanovic gaben sich vor drei Jahren in Venedig das Jawort. Damals elektrisierten nicht nur die Fotos von der schönen Braut - auch die prominenten Gäste wie Lukas Podolski, Felix Neureuther und Angelique Kerber zeigten sich in bester Stimmung auf Booten. Damals gab es nach der Feier noch ein Schmankerl: Skirennstar Neureuther und seine damalige Freundin Miriam Gössner zeigten am Tag nach der Party ein Foto - sie hatte den Brautstrauß gefangen. Inzwischen sind die beiden verheiratet, auch das zeigten sie in den sozialen Medien - beide klassisch in Dirndl und Tracht.

Auch George Clooney und seine Frau Amal feierten ihre Hochzeit in Venedig - und auch dort durften sich die Fans über Fotos von zahlreichen Stars freuen, deren Haare beim Schippern über den Canal Grande im Wind wehten. Und wenn in Königshäusern geheiratet wird, dann gibt es das sogar live im Fernsehen zu sehen. „Schon als Kinder lernen wir in Märchen das Leben der Reichen und Schönen kennen. Die Faszination daran bleibt erhalten“, meint die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher. „Promi- oder royale Hochzeiten liefern schöne Bilder, aber vor allem viele Emotionen. Medien bieten uns die Möglichkeit, an diesen sonst für normale Menschen unzugänglichen Ereignissen teilzuhaben. Hier gibt es noch das Lagerfeuer-Fernsehen, was die Menschen weltweit verbindet.“

Der Fall geht bis ganz nach oben

Bei Özil erregte vor allem eine Frage vorab die Gemüter: Wird der türkische Präsident unter den Gästen sein? Seit rund einem Jahr denken viele bei Özil längst nicht mehr nur an seine Fußball-Künste - sondern eben auch an sein Verhältnis zu Erdogan. Gemeinsam mit Ilkay Gündogan posierte Özil - beide Fußballprofis sind im Ruhrgebiet geboren, haben türkische Wurzeln - für ein Foto mit dem in Deutschland umstrittenen Politiker. Erdogans Partei verbreitet das Bild im Wahlkampf, in Deutschland fallen die Reaktionen verwundert bis entsetzt aus. Der Fall geht bis ganz nach oben: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trifft die beiden Spieler.

Nach der Weltmeisterschaft die Eskalation: Özil wird nach dem Aus der Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit quasi zum Buhmann der Nation, er erklärt verbunden mit schweren Vorwürfen seinen Rücktritt aus dem DFB-Team. Der Mann, der es unfreiwillig geschafft hat, eine neue Debatte über Integration in Deutschland zu entfachen und den DFB bis ins Mark zu treffen, spricht kaum noch mit Journalisten - und zeigt sich quasi nur noch auf dem Fußballplatz. Und abseits des Spielfelds trifft er wieder auf Erdogan, etwa zum Fastenbrechen im Mai. Beide waren auf Bildern zu sehen, die vom Präsidialbüro zur Verfügung gestellt wurden.

Doch alle Brücken zur Zeit vor dem Eklat hat Özil nicht hinter sich abgebrochen, wie er nun unmittelbar vor der Hochzeit zeigte. Den Verein, für den er zu Spenden aufruft, unterstützt er schon seit Jahren. Offenbar eine Herzensangelegenheit über seine Zeit als Nationalspieler hinaus.

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