Strahlend lässt sich Thomas Keck gratulieren. Der Abend hatte ihn Nerven gekostet. Foto: Haas

Der Sozialdemokrat hat es im zweiten Wahlgang geschafft und löst Barbara Bosch im April ab.

Reutlingen - Es sind Worte des Dankes und der Freude zugleich, die Thomas Keck am Sonntagabend an die Wählerinnen und Wähler richtet. „Es war ein Herzschlagfinale, das braucht man nicht so oft“, sagt der künftige Oberbürgermeister von Reutlingen und ringt um Worte. Er kann es kaum fassen, dass er es nach Wochen des strapaziösen Wahlkampfs als Erster ins Ziel geschafft hat und auf die Amtsinhaberin Barbara Bosch folgen wird. „Ich danke allen, die mich unterstützt haben“, sagt der 55-jährige SPD-Mann, und dass er sich unglaublich über das Ergebnis freue. Das ist denkbar knapp. Mit 41,1 Prozent der Stimmen hat der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Reutlingen-Tübingen und Betzinger Bezirksbürgermeister im zweiten Wahlgang die erforderliche einfache Mehrheit geholt.

Sein Konkurrent Christian Schneider, Jurist und Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, hat nur 72 Stimmen weniger (40,8 Prozent) als Keck. Drittplatziert ist der von der FDP unterstützte gebürtige Reutlinger Carl-Gustav Kalbfell. Der Sozialbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) erhält 16,5 Prozent. Andreas Zimmermann (Die Partei) bleibt mit 1,4 Prozent chancenlos. Die Wahlbeteiligung liegt bei 40,2 Prozent. 87 601 Reutlinger waren am Sonntag wahlberechtigt.

Im Foyer des Rathauses verfolgen die Kandidaten den Wahlausgang

Auf einer Videoleinwand im gut gefüllten Foyer des Rathauses haben die Kandidaten den Wahlausgang verfolgt. Anfangs lag Keck klar vorne, dann wurde es immer enger. Zwischendurch führte Schneider das Rennen an, bis Keck schließlich wieder aufholte. Gefühlt eine kleine Ewigkeit dauerte die Auszählung des letzten von 87 Wahlbezirken. Als kurz nach 19 Uhr das Ergebnis feststand, brandete Jubel im Foyer auf, es wurde geschrien und geklatscht.

„Was für ein Wahlkrimi“, meldet sich Noch-Oberbürgermeisterin Barbara Bosch (parteilos) über ein Mikrofon zu Wort, „so funktioniert Demokratie“. Mit nur 72 Stimmen Vorsprung habe Keck gesiegt. „Ich weiß, was das Amt einem abverlangt“, betont Bosch und überreicht ihrem Nachfolger einen Strauß rote Tulpen. „Ich wünsche Ihnen ein gutes Händchen.“

„Ich will ein Oberbürgermeister sein, der für alle Bürger da ist“, verspricht Thomas Keck eine überparteiliche Arbeit im Rathaus. Der gebürtige Reutlinger ist seit 33-Jahren SPD-Mitglied und sitzt sowohl im Gemeinde- als auch im Kreistag. „Ich stehe für soziale Gerechtigkeit“, sagt der verheiratete Familienvater. Er hat sich einiges vorgenommen: bezahlbaren Wohnraum schaffen, Passivhäuser bauen, die Altstadt von Autos befreien und die Luftverschmutzung im stark belasteten Reutlingen reduzieren. „Ich habe Demut vor den Aufgaben“, sagt Keck. Seine Rolle an der Spitze des Rathauses einer Großstadt mit knapp 116 000 Einwohner betrachte er als große Herausforderung.

Voll des Lobes ist er für Barbara Bosch, die aus privaten Gründen nach 16 Jahren nicht mehr antrat. „Es waren gute Jahre für Reutlingen, in denen viel gestaltet wurde“, sagt Keck, etwa Großprojekte wie die Stadthalle, das Stadttheater und der Bürgerpark. „Eine solide Politik“, lobt Thomas Keck. Dennoch gebe es Verbesserungsbedarf.

Am Sonntagabend aber hat Keck nur noch eines vor: mit seiner Frau, Freunden und Unterstützern in einer Reutlinger Kneipe am Echazkanal feiern.

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