In den Gewerbegebieten Neue Neckarwiesen und Sirnau soll ein Energiepark für erneuerbare Energien entstehen. Foto: Roberto Bulgrin

Sonne, Wasser und Wind: Energie liegt in der Luft. Sie muss nur genutzt werden. In den Esslinger Gewerbegebieten Neue Neckarwiesen und Sirnau werden nun erste Schritte dafür unternommen. Ein Energiepark soll beim Einsparen knapper Ressourcen helfen.

Erwünscht ist ein Energiebündel: Mit vielen Bemühungen und Anstrengungen soll in den Esslinger Gewerbegebieten Neue Neckarwiesen und Sirnau ein Park zur Einsparung knapper werdender Ressourcen und zur Erzeugung erneuerbarer Energien umgesetzt werden. Im vergangenen Juli war das Vorhaben im Rahmen einer Veranstaltung der Standortinitiative Neue Neckarwiesen und Sirnau (SiNN) bekannt gegeben worden – nun hat die Esslinger Stadtverwaltung erste Schritte zur Verwirklichung gemacht.

 

Der Energiepark Neue Neckarwiesen und Sirnau soll nach dem Willen der Verantwortlichen energisch realisiert werden. Der Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderates hatte Ende November 2022 die Erstellung einer Potenzialanalyse beschlossen. Der Auftrag zur Ausarbeitung dieser Untersuchung wurde nach Angaben von Katja Walther, der Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz, bereits vergeben. Generell würden solche Analysen von Dienstleistern erstellt, „die ganzheitlich innovative Lösungskonzeptionen zur Umsetzung der Energiewende erarbeiten“. Die Untersuchungen für den Energiepark in den Neckarwiesen werden von einem Stuttgarter Fachbüro durchgeführt.

Zur genauen Dauer dieses ökologischen Check-ups würde es bisher noch keine Erfahrungswerte geben, sagt Katja Walther: Die Ergebnisse der Studie würden aber voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres vorliegen. Zu der exakten Höhe der Kosten für die Erstellung der Abhandlung schweigt sich die städtische Mitarbeiterin aus. Sie verrät nur, dass sich die Ausgaben im „mittleren fünfstelligen Bereich“ bewegen und von ihrer Stabsstelle getragen werden würden.

Analyse bildet die Basis

Die Ergebnisse der Studie bilden laut Katja Walther die Basis für das weitere Vorgehen beim Energiepark Neckarwiesen und Sirnau: „Ein Zeitplan zur Umsetzung und Fertigstellung ist vom Ergebnis der Potenzialanalyse abhängig“, erklärt die Stabsstellenleiterin. In dem Papier solle aufzeigt werden, welche erneuerbaren lokalen Quellen für Strom, Wärme, Kälte und Mobilität zur Einspeisung oder zur Deckung des Bedarfs vor Ort genutzt werden können und wie sie wirtschaftlich darstellbar sind. Einige Schwerpunktthemen müssten in der Untersuchung herausgearbeitet werden. Geklärt werden solle, welche Synergien in der lokalen Erzeugung und im Verbrauch vor Ort vor allem bei Strom und Wärme bestehen. Aber auch die Möglichkeiten zur Speicherung von Überschüssen aus erneuerbaren Quellen sollen in dem Papier dargelegt werden.

Größe gewinnt. Der neue Energiepark kann nach Angaben von Christine Clement-Wiegand, der Leiterin des städtischen Amts für Wirtschaft, auf dem gesamten Areal des Gewerbegebiets entstehen. Als größtes Gewerbe-Areal der Stadt Esslingen umfassen die Gewerbegebiete Neue Neckarwiesen und Sirnau zusammen rund 260 Hektar Fläche, auf denen etwa 200 Betriebe angesiedelt sind. Zu den Kosten der Umsetzung des Energieparks kann Katja Walther nach eigener Aussage noch keine Angaben machen. Zahlen für das Investitionsvolumen könnten erst nach Vorliegen der Potenzialanalyse aufgestellt werden: „Die Finanzierung ist von der Konzeption abhängig.“ Förderkulissen vom Bund und dem Land Baden-Württemberg könnten Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung bieten.

Keine One-Man-Show der Stadt

Eine One-Man-Show der Stadt wird der Energiepark nicht werden. Die Realisierung der Vision stehe und falle mit der Mitarbeit der Unternehmen vor Ort, hatte Katja Walther im vergangenen Sommer bei der ersten Vorstellung des Projekts gesagt. Die Aussichten auf eine Beteiligung vor Ort sind laut Christine Clement-Wiegand aber positiv. Gespräche seien bereits mit den ansässigen Unternehmen geführt worden: „Die Gewerbetreibenden stehen dem Projekt grundsätzlich offen und wohlwollend gegenüber. Ohne konkrete Ergebnisse der Potenzialanalyse sind für die Unternehmen jedoch keine belastbaren Aussagen für oder gegen das Projekt möglich.“ Ergebnisse würden der Öffentlichkeit in Abstimmung mit allen Projektpartnern und -partnerinnen „zum gegebenen Zeitpunkt“ präsentiert.

Der Energiepark soll also im Teamwork gestaltet und realisiert werden. Mit im Boot sind laut Verwaltung die Stadt Esslingen, die Stadtwerke Esslingen, teilnehmende Betriebe und die Standortinitiative SiNN. Die Hochschule Esslingen wird das Projekt laut Katja Walther wissenschaftlich begleiten. Bisher firmiert die Aktion unter dem Arbeitstitel „Energiepark Neue Neckarwiesen und Sirnau“. Ob es bald einen knackigeren Namen geben wird, ist laut Christine Clement-Wiegand noch nicht geklärt: „Aktuell stehen für uns die technischen Aspekte im Vordergrund.“

Die Gewerbegebiete Neue Neckarwiesen und Sirnau

Geschichte
 Das Gewerbegebiet wurde in den 1960er Jahren intensiv besiedelt. Vorangegangen waren ab 1955 der Ausbau des Neckarkanals und die Umsiedlung der damals in den Neckarwiesen ansässigen Sportvereine. Sie wurden in den 1950er Jahren in andere Areale der Stadt wie die Römerstraße verlagert.

Neckarwiesen
Das Gewerbegebiet Neue Neckarwiesen in den Stadtteilen Oberesslingen und Zell umfasst eine Fläche von knapp 200 Hektar. Etwa 150 Betriebe mit knapp 7000 Beschäftigten sind laut Stadt hier ansässig und machten die Neuen Neckarwiesen zu einem der größten Gewerbegebiete der Region Stuttgart.

Sirnau
Im knapp 60 Hektar großen Gewerbegebiet Sirnau sind vor allem Unternehmen aus den Bereichen Handel und dem verarbeitenden Gewerbe mit Fahrzeugbau, Back- und Chemie-Industrie, Baugewerbe und Maschinenbau angesiedelt.  

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