Auf einen Schlag erhöht die EnBW den Preis für den Ladestrom um bis zu 24 Prozent. Diesen drastischen Kurswechsel des Unternehmens müssen sich die Kunden erst mal leisten können. Ist das E-Auto womöglich nur etwas für Besserverdiener?
Stuttgart -
Die EnBW-Werbung für den Ladestrom klingt ansprechend. „Mit einem Preis ab 29 Cent pro Kilowattstunde liegen unsere Tarife deutlich unter den Vergleichswerten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor“, heißt es da. Man sei umweltbewusst und günstig zugleich unterwegs, zudem änderten sich die Preise nicht täglich – anders als beim Benzin. So werde Elektromobilität „verlässlich und planbar“.
CO2-Steuer wird konterkariert
Mittlerweile hält das Landesunternehmen ganz andere Ansagen bereit. Die Preise steigen von einem Tag auf den anderen um bis zu 24 Prozent – das ist, als würde der Liter Super schlagartig um rund 35 Cent teurer. Um die Verbrenner unattraktiver zu machen, besteuert der Staat seit Jahresanfang den CO2-Ausstoß und hat den Kraftstoffpreis damit deutlich erhöht. Wenn Ladesäulenbetreiber diese Erhöhung der Kraftstoffpreise nutzen, um ihrerseits die Preisschraube gewaltig anzuziehen, läuft die Idee dieser Klimaschutzabgabe ins Leere.
Eine Lücke in der Konzernstrategie
Bisher hat das Unternehmen stets den Eindruck erweckt, eine Strategie gefunden zu haben, bei der Klimaschutz zum einträglichen Geschäftsmodell wird. Ausgerechnet bei der ohnehin hoch subventionierten Elektromobilität aber scheint sie trotz ihrer starken Marktposition so tief in den roten Zahlen zu stecken, dass sie sogar ihre Verlässlichkeit gegenüber den Kunden aufs Spiel setzt. Sie leistet damit der verbreiteten Meinung Vorschub, Elektromobilität sei ein Produkt für Besserverdiener, die sich ihr gutes Gewissen etwas kosten lassen. Dem Ansehen dieser Technologie bei der Masse derer, die Mehrkosten nicht eben mal wegstecken können, kann ein solch abrupter Kurswechsel aber nur schaden.
klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de