EnBW lockt Schornsteinfeger mit Provision

Von "Stuttgarter Nachrichten" 

Verbraucherschutzminister Peter Hauck (CDU) ist alarmiert: Der Energiekonzern EnBW steckt Schornsteinfegern

Verbraucherschutzminister Peter Hauck (CDU) ist alarmiert: Der Energiekonzern EnBW steckt Schornsteinfegern Geld zu, wenn sie neue Kunden werben. Auch die Staatsanwaltschaft ist hellwach.

Von Michael Isenberg

STUTTGART. Der Versuch der EnBW Gas GmbH, mit gezielter Tarifberatung durch Schornsteinfeger neue Kunden zu gewinnen, sei nicht zulässig, sagt Hauk. "Solange das Schornsteinfegerwesen nicht privatisiert ist, sind derartige Beratungen nicht tolerierbar", erklärt der neue CDU-Fraktionschef im Landtag.

Seit Jahresbeginn zahlt die Gasfirma der Energie Baden-Württemberg (EnBW) allen Schornsteinfegern, die freiwillig an dem Programm teilnehmen können, eine Netto-Provision von 60 Euro für die Vermittlung eines neuen Erdgaskunden. Aus Sicht des Kunden sei dieser Vertrieb "sehr kritikwürdig", meint die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Schornsteinfeger ließen sich von der EnBW instrumentalisieren und stellten damit ihre Unabhängigkeit infrage: Bei 60 Euro Provision könnten aus Beratungsgesprächen leicht Verkaufsgespräche werden.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will das Provisionssystem überprüfen. Weil die Schornsteinfeger hoheitliche Aufgaben ausüben, gelten für sie enge Maßgaben aus dem Strafgesetzbuch. "Ein Anfangsverdacht auf Vorteilsannahme oder Vorteilsgewährung scheint nicht von vornherein ausgeschlossen", erklärt ein Staatsanwalt aus dem Dezernat für Korruptionsdelikte. Die EnBW weist die Kritik zurück. "Die Schornsteinfeger verkaufen nichts, sie informieren nur", sagt Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth. Die EnBW Gas versorgt rund 270 000 Kunden zwischen Nordschwarzwald, Großraum Stuttgart und Hohenlohe. EnBW-Konzernchef Hans-Peter Villis erwartet von der Gas-Sparte ein "organisches Wachstum".

Der Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Stuttgart, Walter Baum, hält das Angebot des Energieversorgers für "legal und legitim". Weil der Berufsstand 2013 privatisiert werde, müssten sich Schornsteinfeger neue Einnahmequellen erschließen.

Tagesthema

Stuttgart und Region Seite 17

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