EnBW-Deal EnBW-Aktien des Landes verlieren drastisch an Wert

Von Klaus Köster 

30 Jahre am Netz, nun abgeschaltet: Das EnBW-Kernkarftwerk Philippsburg Foto: dpa
30 Jahre am Netz, nun abgeschaltet: Das EnBW-Kernkarftwerk Philippsburg Foto: dpa

Schon jetzt hat das Land für den Konzern bis zu einer Milliarde Euro in den Sand gesetzt.
 

Stuttgart - Anfang Dezember ist das Land für 4,7 Milliarden Euro beim Energieversorger EnBW eingestiegen. Auf eine vierköpfige Familie entfallen davon rechnerisch gut 1700 Euro. Doch wie gut ist das Geld eigentlich angelegt?

Es sei "absoluter Quatsch", über den Wert der Landesbeteiligung am Energieversorger EnBW zu diskutieren, erklärte Ministerpräsident Stefan Mappus. Wer die Entwicklung der Börsen beobachtet, kann dennoch Hinweise zu der Frage finden, was aus den 4,7 Milliarden Euro geworden ist, für die Mappus aus dem Land einen EnBW-Großaktionär gemacht hat.

Der Blick auf die Entwicklung der EnBW-Aktie wirkt auf den ersten Blick beruhigend. Während die Kurse der Konkurrenten Eon und RWE wegen der Debatte um die Laufzeit von Atomkraftwerken eingebrochen sind, ist das EnBW-Papier satt im Plus. Gegenüber dem 3. Dezember 2010, dem letzten Börsentag vor der Ankündigung des EnBW-Einstiegs, ist die Aktie um 17,2 Prozent gestiegen. Anders die Konkurrenten: Eon verlor seither 5,9 Prozent, die RWE steht mit 10,7 Prozent im Minus. Wer die Börsenkurse studiert, könnte geradezu auf die Idee kommen, der Atomkonzern EnBW habe die Abschaltung zweier Meiler unbeschadet überstanden.

Preismechanismus außer Kraft gesetzt

Dem ist aber nicht so. Der Börsenkurs der EnBW hat seit Bekanntwerden des Einstiegs keine Aussagekraft mehr. Denn das Land muss aus börsenrechtlichen Gründen allen anderen Aktionären anbieten, deren Papiere zu kaufen - zu einem festen Preis von 41,50 Euro. Sehr zur Freude der Anleger: Am 3. Dezember 2010 notierte die Aktie bei 35,26 Euro, am nächsten Börsentag, dem 6. Dezember, sprang sie auf 41,50 Euro - ein Plus von 17,7 Prozent. Das ist kein Zufall: Weil das Land diesen Preis bietet, muss kein Anleger sein Papier für weniger verkaufen. Somit kann auch der Börsenkurs allenfalls geringfügig unter die 41,50 Euro fallen.

Weil der Kurs künstlich hoch gehalten wird, bietet der Börsenkurs der EnBW keinen Anhaltspunkt für die Frage, wie viel das 4,7 Milliarden teure Aktienpaket des Landes heute wert ist. Dennoch lassen sich den Börsen Informationen entnehmen, die für eine Einschätzung nützlich sind. Denn mit RWE und Eon sind zwei weitere deutsche Energiekonzerne notiert, die ebenfalls von der ausgesetzten Laufzeitverlängerung betroffen sind - und für die kein Übernahmeangebot läuft. Unterstellt man, dass sich die EnBW-Aktie ohne den künstlich hoch gehaltenen Kurs ähnlich entwickelt hätte wie diese Vergleichsunternehmen, hat man eine Orientierung für die Frage, wie viel die EnBW-Aktien des Landes heute wert sind.

Sowohl Eon als auch RWE haben in der Zeit, in der bei der EnBW der Preismechanismus außer Kraft gesetzt wurde, massiv an Wert verloren - vor allem wegen der Atomkatastrophe in Japan. Der Börsenwert der beiden Unternehmen sank. Berücksichtigt man die unterschiedliche Marktkapitalisierung, haben die beiden Konzerne seit dem Tag vor dem Einstieg des Landes bei der EnBW nach Berechnungen unserer Zeitung 8,6 Prozent an Wert verloren. Unterstellt man, dass die EnBW-Aktie unter normalen Marktbedingungen den gleichen Kursverlust erlitten hätte, stünde sie heute bei 32,23 Euro. Dann aber sind die 112,5 Millionen Aktien, die das Land dem französischen EdF-Konzern abgekauft hat, nicht mehr 4,67 Milliarden wert, sondern nur noch 3,63 Milliarden Euro. In diesem Fall hat das Land einen Kursverlust von 1,04 Milliarden Millionen Euro erlitten.

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