Nichts gegen Fasnet, meint unser Kolumnist KNITZ, aber sich zu verkleiden ist mittlerweile höchst problematisch. Mit einer Ausnahme.
KNITZ hat in seiner Jugend Schuld auf sich geladen und die indigenen Völker Nordamerikas diskriminiert. Das lag zwar nicht in der Absicht des Apachenfreunds. Aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
KNITZ will nicht lang drum herumreden: Jawohl, er war an Fasnet Indianer. Dabei wäre er lieber Cowboy gewesen. Aber seine Mutter wollte ihm ums Verrecken keinen Revolver und kein Gewehr kaufen. Ein Cowboy ohne Waffe ist ein Nichts, ein Kuhhirte halt. Dazu noch einer ohne Pferd.
Mit der Gummiaxt gegen die Käpselespistole
Also wurde KNITZ, gewissermaßen aus der Not heraus, Indianer. Als Waffe bekam er ein Tomahawk aus Gummi – eine wertlose Keule, die ihm höchstens bei der Gewissensprüfung als Wehrdienstverweigerer was gebracht hätte: „Schon in jungen Jahren brachte ich meinen Pazifismus zum Ausdruck, indem ich an Fasnet mit einer Gummiaxt in den Krieg gegen den weißen Mann gezogen bin, der bis an die Zähne mit einer Käpselespistole bewaffnet war. Mehr Gewaltlosigkeit geht nicht, hochverehrtes Tribunal. Hugh, ich habe gesprochen.“
Damit man dem Bleichgesicht KNITZ den Ureinwohner abnimmt, wurde er rot angemalt. Obwohl die Schminke hautverträglich war, bekam er hinterher einen Ausschlag. War wohl die Strafe des großen Manitu, denkt KNITZ heute – für kulturelle Aneignung, Diskriminierung oder was er sonst so mit der Maskerade verbrochen hatte.
Auch andere Verkleidungen, die auf den ersten Blick harmlos wirken, findet KNITZ inzwischen alles andere als unbedenklich. Nehmen wir nun mal die allseits beliebte Prinzessin. Einfach mal drüber nachdenken, dann wird auch Ihnen klar, dass hier der Adelsstand verharmlost und die Monarchie verklärt wird. Eisprinzessin? Ist in Zeiten der Klimaerwärmung geradezu zynisch. Und wer sagt uns, dass die Prinzessin in Wahrheit nicht lieber ein Prinz wäre?
Nicht besser steht es um den Klassiker Räuber. Ganz schwieriges Terrain! Woher wollen wir wissen, warum einer auf die schiefe Bahn geraten ist. Schwere Kindheit. Kalte Gesellschaft. Womöglich hat das erst den Bösewicht zum Bösewicht gemacht.
Obacht auch bei Aliens
Man könnte sich an Fasnet auf die Seite des Gesetzes stellen, in der Hoffnung, so auf Nummer sicher zu gehen. Auch keine gute Idee. Schon mal von struktureller Gewalt in den Reihen der Polizei gehört? Eben.
Von Tierkostümen rät KNITZ schon wegen Peta die Finger zu lassen. Blieben noch Außerirdische. Auch ganz schlecht.
Wie kann man nur auf die Idee kommen, sich so anzuziehen wie einer, von dem man nicht mal weiß, wie der ausschaut? Nur mal angenommen, so ein Alien gliche einem Schleimbatzen von der Größe eines VW Golf. Wie muss der Schleimbatzen sich da vorkommen, wenn an Fasnet ein grünes Männle vor ihm auftaucht und behauptet, es sei einem Ufo entstiegen? Seit E. T. wissen wir, dass Aliens auch Gefühle haben.
Inzwischen ist KNITZ fast so weit, zu sagen: Leute, lasst die Maskerade! Man läuft in diesen hochsensiblen Zeiten Gefahr, immer jemandem auf den Schlips zu treten. Falls Sie, lieber Leserinnen und Leser, sich dennoch verkleiden wollen, bliebe noch dies: Gehen Sie als KNITZ. Der hätte nichts dagegen. Es wäre ihm sogar eine Ehre.