Morgens muss es schnell gehen, weshalb manche Eltern das Auto nehmen. Foto: Lichtgut/J. Rettig

Was bewegt Mütter und Väter dazu, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen? Wir haben uns vor einer Grundschule in Möhringen umgehört.

Manchmal fährt auch Eyck Halbritter ein Elterntaxi. „Wenn es schnell gehen muss, zum Beispiel, wenn wir nach der Schule gleich weiter müssen zum Verein“, sagt er. Seine Kinder besuchen die erste und die vierte Klasse an der Möhringer Riedseeschule. Dort sei die Situation was Elterntaxis betreffe „ganz okay“, findet er. Sicher gebe es Mütter und Väter, die ihren Nachwuchs aus reiner Bequemlichkeit mit dem Auto chauffieren. Oftmals hätten sie dafür aber gute Gründe, so seine Einschätzung.

 

Fragt man Eltern, die an diesem Morgen mit dem Auto vor der Riedseeschule halten, so argumentieren viele mit der Zeit. Der Große müsse zur Schule, die Kleine in den Kindergarten, er selbst zur Arbeit, sagt ein Familienvater und fügt hinzu: „Da bleibt kein Raum, um das Kind zu Fuß zur Schule zu bringen und wieder zurückzulaufen.“ Und wenn der Sohn allein geht? „Zu gefährlich“, winkt der Mann ab und steigt in den Wagen.

„Viele finden den Schulweg zu gefährlich“, bestätigt Eyck Halbritter, der auch Elternbeirat ist. Manche Autofahrer hätten kein Verständnis dafür, dass auf den Straßen auch Kinder unterwegs seien. Sie seien in den Wohngebieten zu schnell unterwegs und würden Zebrastreifen einfach ignorieren.

Der Erlös der Aktion kommt den Koalas in der Wilhelma zugute

Umgedreht entstehen aber auch wegen der Elterntaxis brenzlige Situationen. Darauf macht die Aktion „Sicher zu Fuß zur Schule“ aufmerksam, zu der die Stadt, das staatliche Schulamt, das Polizeipräsidium und der Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart in dieser Woche wieder aufrufen. Während der Aktion, die vom 15. bis 19. April wiederholt wird, bekommen die Kinder für jeden Tag, an dem sie nicht gefahren werden, einen Punkt. Am Ende fließt für jeden Punkt Geld in eine Spendenkasse. Der Erlös kommt den Koalas in der Wilhelma zugute.

Das Ziel sei es, die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder zu stärken. Sie sollen lernen, sich selbstständig im öffentlichen Raum zu bewegen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ordnungsbürgermeister Clemens Maier ergänzt: „Durch Elterntaxis entsteht ein Großteil der Verkehrsprobleme rund um Grundschulen. Die Fahrt mit dem Auto ist damit nicht sicherer, sondern sorgt für zusätzliche Gefahren. Daher empfehlen wir, die Kinder zu Fuß zur Schule gehen zu lassen, das fördert die Selbstständigkeit und die sozialen Kontakte.“

Der Deutsche Städtetag sieht Elterntaxis kritisch

Auch Markus Lewe (CDU), der Präsident des Deutschen Städtetags, sieht Elterntaxis kritisch. Er forderte vor Kurzem, dass Städte und Gemeinden mehr Handlungsspielraum bekommen, um gegen diese vorzugehen. „Wie vor Ort das Verkehrsgeschehen entspannter geregelt werden kann, wissen wir Kommunen am besten, weil wir die Situation kennen“, sagte Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Einige Kommunen sperren während der Stoßzeiten sogar Straßen vor Schulen. Auch Stuttgart sondiert zurzeit diese Möglichkeit. „Bisher haben wir mildere Mittel wie Halteverbote und Poller eingesetzt“, sagte der Stadtsprecher Oliver Hillinger vor Kurzem gegenüber unserer Zeitung.

Im Bereich der Riedseeschule ist vor allem der Wendehammer problematisch. Kurz vor 8 Uhr sind dort viele Kinder zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad unterwegs. Gleichzeitig fahren Elterntaxis bis vor das Tor, um ihren Nachwuchs aussteigen zu lassen. Dann wird mühsam zwischen den Kindern rangiert, um wieder in die andere Richtung zu fahren. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt eine Mutter kopfschüttelnd. „Man kann doch wenigstens weiter vorne einen richtigen Parkplatz suchen. Die letzten Meter schaffen die Kinder doch wirklich selbst.“