Für die Organisation „Youth for Understanding“ sucht Elena Drummer aus Schlaitdorf ehrenamtliche Gasteltern für Schüler im Jugendalter. Sie hat selbst gute Erfahrungen als Austauschschülerin in Estland gemacht.
An die ersten Tage in Estland kann sie sich noch gut erinnern. „Es war mega aufregend“, sagt Elena Drummer. Die 30-Jährige war als Schülerin ein Jahr mit der Organisation „Youth for Understanding“ (YFU) im Baltikum. Seitdem engagiert sich die 30-jährige Schlaitdorferin ehrenamtlich. Derzeit werden bundesweit deutsche Gastfamilien für rund 300 Schüler aus der ganzen Welt gesucht.
„Es geht darum, dass die Schüler den Alltag in Deutschland miterleben“, erklärt Elena Drummer. Die Jugendlichen, die eine neue Heimat auf Zeit finden sollen, sind zwischen 15 und 18 Jahre alt und kommen aus 50 unterschiedlichen Ländern. Vor einem Einzug werden den Gastfamilien verschiedene Vorschläge gemacht. „Die Schüler und die Gastfamilien sollen gut zusammenpassen“, erklärt die Ehrenamtliche.
Integration in den Alltag
Außerdem gibt es einen Besuch eines Mitarbeiters von YFU, um die Gastfamilie kennenzulernen. Neben einer Unterkunft muss die Verpflegung der Schüler aus dem Ausland übernommen werden. Wichtig sind der Organisation eine herzliche Aufnahme und eine Integration in den Alltag.
Manche der Gäste haben bereits ein wenig Deutsch in der Schule gelernt. Es gibt aber auch Austauschschüler, die kein Deutsch verstehen. Für die Besucher gibt es Sprachkurse. Meist klappt es mit dem Spracherwerb am besten, wenn die Gastfamilien sofort viel auf Deutsch mit ihren Besuchern regeln. „Davon profitieren die Schüler am meisten“, weiß Drummer aus eigener Erfahrung. Pflichten wie Kinderbetreuung oder Haushaltsführung haben die Besucher bei diesem Programm nicht. Sie müssen lediglich der Schulpflicht nachkommen.
Bei ihrer Ankunft in Estland habe sie kein Wort Estnisch gesprochen, erinnert sich Drummer an ihren eigenen Auslandsaufenthalt. Nach einem Jahr im Land hatte sie sich die Sprache aber angeeignet, berichtet sie. Dass sie überhaupt im Baltikum gewesen ist, war mehr oder weniger ein Zufall. Zunächst habe sie sich für englischsprachige Länder – die USA, Kanada und Neuseeland – bei YFU beworben. Doch dort habe es keine Plätze mehr gegeben. Dafür sei ihr ein Jahr in Estland angeboten worden. „Ich hatte keine Vorstellung von dem Land“, sagt die 30-Jährige. Bereut hat sich es nicht, sich auf ein Jahr in der Ferne einzulassen.
Besonders der schneereiche Winter ist ihr in Erinnerung geblieben, ebenso die lebendige Traditionspflege mit Trachten und Volkstänzen. Kontakte zu knüpfen sei nicht einfach gewesen. Viele Esten seien eher reserviert. „Man muss aktiv auf die Leute zugehen“, so Drummer. Doch die Erfahrungen in Estland hätten ihr geholfen, offener zu werden. Außerdem sei mit dem Aufenthalt eine große Neugier auf andere Länder und Kulturen geweckt worden, wie sie sagt.
Schüler und Gastfamilien profitieren voneinander
Zu entdecken gibt es für die Schüler aus dem Ausland neben der Sprache im Alltag in Deutschland allerlei. Für viele sei es beispielsweise fremd, Brot zum Frühstück oder gar Abendessen zu sich zu nehmen, weiß Drummer. Manche hätten auch noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen. Gleichzeitig bekämen die Gastfamilien viel von den Heimatländern ihrer Besucher mit. „Sie holen sich die Welt nach Hause. Da kriegt man einiges mit“, bringt Elena Drummer einen Vorteil der Aufnahme eines Gastschülers auf den Punkt.
Probleme im Zusammenleben bleiben zuweilen nicht aus. Dafür stehen Ehrenamtliche wie Elena Drummer oder hauptamtliche Mitarbeiter von YFU den Gastfamilien und Besuchern bei. Außerdem bietet die Organisation regelmäßig treffen der Gastfamilien an, bei denen ein Austausch möglich ist.
Gemeinnütziger Verein
Organisation
Das Deutsche Youth For Understanding Komitee (YFU) organisiert seit 65 Jahren langfristige Jugendaustauschprogramme weltweit. Zusammen mit Partnerorganisationen in mehr als 50 Ländern setzt sich YFU für Toleranz und interkulturelle Verständigung ein. Seit der Gründung im Jahr 1957 haben insgesamt mehr als 70 000 Jugendliche an den Austauschprogrammen teilgenommen. YFU ist ein gemeinnütziger Verein und als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt.
Kontakt
Wer sich vorstellen kann, einen Gastschüler aufzunehmen, findet weitere Informationen sowie Kontaktdaten auf der Homepage www.yfu.de, telefonisch unter der Nummer 0 40/ 22 70 02-0 oder per E-Mail an gastfamilien@yfu.de.