Einfach aufladen: Auch weil die Zahl der Ladesäulen stetig steigt, wird der Kauf eines E-Autos attraktiver. Foto: dpa/Patrick Pleul

Autohersteller bringen immer mehr elektrische Autos auf den Markt, der Staat steckt viel Geld in Ladeinfrastruktur und Umweltbonus. Doch was ist beim Kauf zu beachten?

Stuttgart - Das Wichtigste beim Kauf eines Elektroautos, sagt Jana Höffner, ist es, keine Angst zu haben. Höffner engagiert sich für den Verein Electrify-BW, der über nachhaltige Mobilität informiert. „Wer ein Handy aufladen kann, kann auch ein E-Auto laden“, sagt sie. Die Zahl der Ladesäulen steige stetig, mit einer großen Batterie könne man problemlos längere Strecken zurücklegen. Für Verbraucher, die sich bereits für den Kauf eines E-Autos entschieden haben, gibt es dennoch einiges zu beachten. Ein Überblick.

 

Welche Reichweite ist die richtige?

Die Reichweite ist ein entscheidendes Kriterium, sie hängt zusammen mit der Größe der Batterie. „Hier kommt es auf das Fahrprofil an“, sagt Michael Deuble, Verkaufsleiter im Volkswagen-Zentrum Fellbach der Hahn-Gruppe. Wer vor allem in der Stadt unterwegs ist oder kurze Strecken fährt, dem reicht meist ein Auto mit kleinerer Batterie. Dann fällt auch die Ökobilanz des Fahrzeugs günstiger aus.

Wer mit dem E-Auto zur Arbeit fahren wolle, „sollte aber auch wissen, ob er beim Arbeitgeber laden kann“, sagt Deuble. Der Renault Zoe habe mit der größten Batterie eine Reichweite von 400 Kilometern, sagt Alexander Resch vom Renault-Autohaus Von der Weppen in Stuttgart. „Das reicht für 95 Prozent aller Fahrten im Alltag.“

Fahre man regelmäßig lange Strecken, lohne sich zum Beispiel eine elektrische Limousine, rät Jana Höffner. „Lediglich den Kombi gibt es noch nicht rein elektrisch“, sagt sie. Wichtig sei, die Schnellladefunktion immer mitbestellen, falls diese nicht zum Serienumfang gehört.

Welche Förderung gibt es aktuell?

Die wichtigste Förderung für private Autokäufer ist der Umweltbonus für E-Autos. Er liegt derzeit für Fahrzeuge mit einem Nettolistenpreis von bis 40 000 Euro bei 9000 Euro. Kostet das Fahrzeug netto mehr als 40 000 Euro, gibt es 7500 Euro dazu.

Zusätzlich dazu hat die Bundesregierung E-Autos von der Kfz-Steuer befreit – und zwar bis Ende 2030, unabhängig vom Jahr der Zulassung. Profitieren kann, wer sein Auto bis spätestens Ende 2025 zulässt. Außerdem fördert der Bund vom 24. November an mit 900 Euro fest installierte Ladestationen für zu Hause. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommt.

Wie lange sind die Lieferzeiten?

Wegen der hohen E-Auto-Förderung und der dadurch hohen Nachfrage können einige Modelle momentan nur mit Verzögerung bestellt werden. Die Produktion des elektrischen Kleinwagens Up von VW etwa sei für das nächste Jahr bereits komplett ausverkauft, sagt Michael Deuble. Volkswagens ID.3 und ID.4 seien spätestens im ersten Quartal 2021 lieferbar.

Für den Smart EQ hatte es im Sommer einen Lieferstopp gegeben, inzwischen liege die Lieferzeit bei allen E-Modellen, also auch dem E-SUV namens EQC, „mit wenigen Ausnahmen“ bei drei Monaten, teilt eine Daimler-Sprecherin mit. Renault ist mit dem Zoe ebenfalls innerhalb von drei Monaten lieferfähig.

Sollte man ein Elektroauto kaufen oder besser leasen?

Einige Experten sind der Ansicht, dass Leasing ein Einstieg in die E-Mobilität sein kann, weil das Auto nach der Leasingzeit zurückgeht. Außerdem schützen sich Verbraucher je nach Vertrag vor dem Risiko, wenn der Restwert am Ende niedrig ist. VW setzt bei seinem Modell ID.3 offensiv auf Leasing. „99 Prozent des Absatzes geht über Leasing“, berichtet VW-Verkäufer Deuble. Er beobachtet einen generellen Trend weg von der klassischen Finanzierung: „Der Kunde möchte zunehmend flexibel bleiben.“

Alexander Resch vom Autohaus Von der Weppen rät zum Kauf, solange es den Umweltbonus gibt. „Wenn mir das Auto nach drei Jahren Leasing gut gefällt, und ich will eines kaufen, gibt es vielleicht keine Prämie mehr oder eine kleinere“, so Resch.

Wie hoch ist der Wertverlust von Elektroautos?

Ob E-Autos wegen der raschen technologischen Entwicklung einen hohen Wertverlust haben, lässt sich noch nicht genau sagen. „Das ist auch für uns Händler noch offen“, sagt Michael Deuble. Das sei einer der Gründe dafür, dass VW seine E-Autos bevorzugt verleast und die Wagen anschließend zurücknimmt. So trägt VW allein das Risiko.

Renault-Verkäufer Resch glaubt, dass auch der Umweltbonus die Restwerte drückt, weil der Anschaffungspreis dadurch sehr niedrig sei. Jana Höffner dagegen schätzt den Wertverlust als gering ein. „Momentan sind manche E-Autos wertstabiler als Verbrenner“, sagt sie. Das liege daran, dass die Nachfrage derzeit meist höher sei als das Angebot, etwa für Tesla-Autos.

Ist es auch ratsam, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen?

Jana Höffner glaubt, dass es derzeit auf dem Gebrauchtwagenmarkt Schnäppchen gibt, weil der Umweltbonus die Gebrauchtwagenpreise nach unten treibe. Höffner sieht zudem Vorteile im Vergleich zu Verbrennern: „Beim E-Auto kauft man viel weniger die Katze im Sack.“ So könne man den Zustand der Batterie einfach auslesen. Dem Elektromotor sei zudem egal, mit welchem Fahrstil der Vorbesitzer gefahren sei.

Michael Deuble zufolge ist der Gebrauchtwagenmarkt aber ohnehin eher klein. Er habe wenige im Angebot, da wegen des Umweltbonus die Nachfrage nach gebrauchten E-Fahrzeugen gering sei. In dem Fall lohnt es sich für Händler schlicht nicht, ein gebrauchtes E-Auto zurückzunehmen, wenn unsicher ist, ob er es mit Gewinn weiterverkaufen kann.