Frauen üben am Freitag in Stuttgart während eines Volkshochschulkurses das Laufen in High Heels. Foto: dpa

Brust raus, Bauch rein, Po raus: Beim VHS-Kurs in Stuttgart geht es auf High-Heels hoch her.

Stuttgart - Klacken dringt aus dem Raum der Stuttgarter Volkshochschule: Dort laufen neun Frauen zwischen 14 und 49 Jahren im Kreis durch den Seminarraum. Noch wackelt die eine oder andere auf den bis zu 16 Zentimeter hohen Absätzen. Genau das wollen die Teilnehmerinnen im neuen High-Heels-Kurs der VHS Stuttgart ändern.

Kursleiterin arbeitet eigentlich hinter den VHS-Kulissen

„Brust raus, Bauch rein, Po raus“, korrigiert Trainerin Jessica Cristelli die Haltung. Die 24-Jährige ist leidenschaftliche High-Heels-Trägerin: Ihre Sammlung umfasse zwei Schuhschränke, fast täglich trage sie mindestens zwölf Zentimeter hohe Absätze - auch bei der Arbeit. Und genau deshalb entstand die Idee zu dem Kurs. Denn Cristelli arbeitet eigentlich in der Personalabteilung der VHS. Kolleginnen bemerkten, wie sicher sie auf den hohen Absätzen läuft, und fragten, ob sie das nicht auch anderen beibringen könne.

Viele der Teilnehmerinnen tragen die hohen Schuhe jedoch nur zu besonderen Anlässen: Die 49-jährige Elke ist von Beruf Landschaftsarchitektin. „Auf der Baustelle wären High Heels nicht so angebracht“, sagt sie lachend. „Da trage ich eher Bergstiefel.“ Zum Ausgehen wählt die Stuttgarterin aber gerne die hohen Hacken - vor allem weil es schön aussehe und sie sich damit weiblicher fühle.

Erster Kurs der VHS sofort ausgebucht

Auch für die nächste Lektion, Treppensteigen, hat Cristelli einige Tipps: „Ihr müsst mit dem Ballen zuerst aufkommen. Und ganz wichtig: Nicht nach unten schauen.“ Viele der Frauen sind überfordert. „Man muss auf tausend Dinge gleichzeitig achten, und dann soll es noch locker und entspannt aussehen“, stöhnt Moni, die extra aus München zu dem Kurs angereist ist. Trotzdem machen alle tapfer weiter.

Mit dem Angebot scheint die VHS einen Trend erkannt zu haben. „Der erste Termin war sofort ausgebucht. Wegen der großen Nachfrage werden wir jetzt noch zwei zusätzliche Kurse anbieten“, sagt VHS-Sprecherin Elvira Schuster. Sie glaubt, dass vor allem Sendungen wie „Germany's Next Topmodel“ und „Sex and the City“ dazu beigetragen haben, dass High Heels selbst bei Teenagern immer beliebter werden.

Mit dem Hund Gassi gehen auf High-Heels

Die beiden Freundinnen Thalia und Katharina fühlen sich tatsächlich wegen des Fernsehens angespornt: „Wenn die Mädchen aus „Germany's Next Topmodel“ das lernen können, dann schaffen wir das auch.“ Für das Training haben die Schülerinnen ihre höchsten Schuhe mitgenommen: 16 Zentimeter messen die Absätze von Thalia. „Wenn schon, dann richtig“, sagt die 14-Jährige.

Das findet auch Trainerin Cristelli und macht weiter mit den Angst-Untergründen jeder High-Heels-Trägerin: unebene Bürgersteige, Gitter von Luftschächten und schließlich weicher Grasboden. Für Cristelli ist das alles kein Problem, schließlich gehe sie sogar morgens mit ihrem Hund auf High Heels spazieren. Und wenn sie mal zum Bus rennen muss? „Das sieht dann zwar nicht mehr so elegant aus, funktioniert aber auch.“ Die Teilnehmerinnen staunen und sind sich dennoch einig: „Wir würden dann lieber auf den nächsten Bus warten.“

Zum Abschuss gibt es noch Hinweise für den richtigen Schuhkauf und einen Tipp für zu Hause: „Kleben Sie sich rohe Eier unter die Fersen und versuchen dann zu laufen. Das ist nicht nur eine tolle Übung, sondern macht auch riesigen Spaß“, erinnert sich die Trainerin an einen Abend mit Freundinnen. Bei der Frage, wie viele der Eier zu Bruch gegangen seien, muss sie schmunzeln: „Ich würde die Übung lieber nicht auf dem Teppichboden machen.“

Mit einem Paar zum Wechsel zur langen Partynacht

Nach zwei Stunden Training bescheinigen sich die Frauen bereits erste Fortschritte. „Ich werde weiter üben müssen, aber ich habe das Gefühl, es klappt schon besser“, fasst Elke zusammen. Und auch Frau Schuster ist zufrieden: „Für den Kurs hatte ich mir High Heels geliehen, aber jetzt traue ich mich auch, mir eigene zu kaufen.“

Und wie übersteht man nun die Partynacht? „Für den Fall, dass die Füße zu sehr schmerzen, sollte man immer ein Paar zum Wechseln dabei haben“, rät Cristelli. Diesen Rat befolgen die Teilnehmerinnen gerne sofort - und schlüpfen erleichtert in mitgebrachte flache Schuhe.

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