Im Ulmer Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat am Mittwoch erstmals Andreas H., der Sohn der getöteten Familie, ausgesagt. „Mein Mandant steht unter großem Druck", sagt der Anwalt.

Ulm - Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen vor dem Landgericht Ulm hat am Mittwochnachmittag zum ersten Mal der Sohn der erschossenen Familie ausgesagt. „Mein Mandant steht unter großem Druck – es ist ihm sehr wichtig, diese Aussage zu machen“, betonte Rechtsanwalt Hans Steffan, der den 19 Jahre alten Andreas H. vertritt.

Der junge Mann hatte den Gerichtssaal am fünften Verhandlungstag in Fuß- und Handfesseln betreten. Mit gestrafftem Rücken, dem Blick in die Akten, in der Hand einen Stift – so bereitete er sich auf seine Befragung durch die Jugendstrafkammer vor. Andreas H. wirkte ernst und konzentriert. Seinen Freund Frederik B., der im Gerichtssaal 126 vor ihm sitzt, würdigte er zunächst keines Blickes.

Der 19-jährige Frederik B. hatte in den beiden vorigen Prozesstagen ausgesagt, dass er allein in der Nacht zum Karfreitag 2009 im Elternhaus des Freundes in Eislingen die 30 tödlichen Schüsse auf die zwei erwachsenen Schwestern und die Eltern von Andreas H. abgegeben habe. Dabei sei er der Bitte von Andreas gefolgt.

Bei Diebstählen und Einbrüchen 2007 und 2008 hatten die Angeklagten auch die späteren Tatwaffen aus einem Schützenhaus erbeutet. Mit zwei Pistolen gingen sie danach regelmäßig im Wald schießen. „Die kriminelle Entwicklung hat wesentlichen Anteil daran, dass sich die beiden eine eigene Welt geschaffen haben“, sagte Anwalt Steffan am Mittwochabend nach der nichtöffentlichen Verhandlung. Die Jugendlichen hätten sich elterlicher Erziehung und staatlicher Autorität entzogen. „Eine Kontinuität bis zu den Morden erkenne ich aber nicht“, betonte Steffan. Erst der Konflikt zwischen Andreas und dem Vater und der Familie habe die Angeklagten die „Hemmschwelle des Tötens“ überschreiten lassen.

Die Staatsanwaltschaft nennt dagegen Habgier als Motiv: Demnach hatten es die Männer nur auf ein Konto der Mutter von Andreas mit 256.000 Euro abgesehen. Der Prozess wird kommende Woche mit der Aussage von Andreas H. zu seiner Person und zum Vierfachmord fortgesetzt.

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