Eishockey DEL2 Steelers fürchten einen Grand ohne fünf

Von Jürgen Kemmner 

Die Steelers im Vorwärtsgang: Der Bietigheimer Matt McKnight (li.) gegen den Dresdner Mark Cullen Foto: Baumann
Die Steelers im Vorwärtsgang: Der Bietigheimer Matt McKnight (li.) gegen den Dresdner Mark Cullen Foto: Baumann

Die Bietigheim Steelers stehen zum vierten Mal in Folge im Play-off-Finale der Zweiten Eishockey-Liga – doch Trainer Kevin Gaudet ist nicht optimistisch. Er hofft auf ein Ende der Verletztenmisere.

Bietigheim - Unglaublich. Kevin Gaudet ist eigentlich keiner, der diese Vokabel regelmäßig strapaziert – aber wenn der Trainer der Bietigheim Steelers die Saison Revue passieren lässt, kommt er um das Wörtchen nicht herum. „Unglaublich, was die Mannschaft bis heute geleistet hat“, sagt der Kanadier. Der Eishockey-Zweitligist steht nach dem 2:0 am Dienstag über die Eislöwen Dresden erneut im Play-off-Finale der DEL 2. Der Gegner der am 15. April (19.30 Uhr) in der Ege-Trans-Arena beginnenden Serie steht noch nicht fest, die Kassel Huskies und die Ravensburg Towerstars zanken sich um den freien Platz. „Unter diesen Vorzeichen zum vierten Mal in Folge ins Finale einzuziehen ist wirklich unglaublich“, betont Gaudet noch einmal.

Denn die Erfolgsaussichten, den Meistertitel zu verteidigen, waren vergleichbar mit den Chancen eines fliegenden Hotdog-Händlers bei einem Veganer-Kongress. Während die Konkurrenz in der Sommerpause zum Teil kräftig mit Euroscheinen wedelte, um neue Stars anzulocken, blieb die Kasse für teure Transfers im Ellental geschlossen. Im Spätherbst wurden die Steelers schließlich von einer (unglaublichen) Verletzungsmisere gebeutelt, „wie ich es in meinen 26 Trainerjahren noch nirgends erlebt habe“, stöhnt Gaudet. Bis zu sieben Stammspieler mussten ersetzt werden. Doch der Coach drehte den Spieß um, nutzte die Situation, um seine Cracks bis in die Fingerspitzen zu motivieren. „So habe ich das Team zusammengeschweißt, jetzt erst recht, war die Vorgabe“, verrät der 52-Jährige seine Mentaltricks, gibt aber auch zu: „Das war aber auch der einzige Weg – schließlich ist der Aufstieg gemäß den Statuten noch nicht möglich.“

Fünf Stammkräfte sind verletzt

Ob diese Trotzstrategie im Finale (Best of seven) aufgehen kann, daran zweifelt der Steelers-Trainer massiv. Ganz gleich, ob der Gegner Ravensburg oder Kassel heißt – bleiben die fünf Stammkräfte David Wrigley, Frederik Cabana, Dominic Auger, Markus Gleich und Marcel Kahle auf der Verletztenliste, sieht selbst der Motivationskünstler schwarz. Die Steelers fürchten den Final-Grand ohne fünf. „Der Gegner hat voraussichtlich ­alle Mann an Bord“, sagt der Kanadier, „damit weist er eine hohe Qualität auf. Sollte keiner unserer Verletzten zurückkehren, sind wir klarer Außenseiter.“ Immerhin besteht die Hoffnung, dass Verteidiger Auger und Stürmer Cabana noch rechtzeitig zum finalen Showdown fit werden.

In der Finalserie geht es primär um die Ehre, der Aufstieg in die Beletage DEL ist frühestens 2018 möglich – immerhin ­ha­ben sechs Zweitligisten, darunter die Steelers, die Garantiesumme von 800 000 Euro bereitgestellt, was die Voraussetzung für die Einführung des Auf- und Abstiegs in zwei Jahren darstellte. Sollte Gaudet dann noch im Amt sein und der Club tatsächlich in die Beletage aufrücken, gäbe es dafür eigentlich nur ein Wort: Unglaublich!

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