Eishockey Bietigheim Steelers Wrigley trägt eine lästige Krone

Von Jürgen Kemmner 

Der beste Scorer der Bietigheim Steelers mit seiner ungeliebten Kopfbedeckung: David Wrigley mit Goldhelm Foto: Baumann
Der beste Scorer der Bietigheim Steelers mit seiner ungeliebten Kopfbedeckung: David Wrigley mit Goldhelm Foto: Baumann

Kein Eishockey-Profi der Bietigheim Steelers erzielte mehr Punkte – deshalb muss David Wrigley mit einem goldenen Helm aufs Eis. Nun kämpft er im Play-off-Finale um den Zweitliga-Titel gegen Bremerhaven.

Bietigheim - Deutschland ist schön, die Leute sind nett, die Biergärten verlockend, und Sachsenheim ist ein wunderbares Fleckchen Erde. Es könnte geradezu paradiesisch sein. „Wenn nur die Sprache nicht wäre“, sagt David Wrigley. Der Stürmer der Bietigheim Steelers lebt zwar schon seit sieben Jahren in Germany, doch seine Gespräche führt der Eishockey-Profi lieber in seiner Muttersprache Englisch. „In Deutsch habe ich noch deutliches Verbesserungspotenzial.“

Auf dem Eis dagegen bietet sich dem Kanadier kaum noch Luft nach oben, und sein Niveau ist längst ziemlich hoch. David Wrigley war in der Hauptrunde der DEL 2 mit 32 Toren und 46 Vorlagen (78 Punkte) der zweitbeste Scorer hinter Mike Collins aus Kassel (81), in den Play-offs führt er die interne Bietigheimer Rangliste mit zehn Toren und neun Vorlagen an.

Diese Ausbeute will der 34-Jährige in der Finalserie gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven von diesem Freitag an (20 Uhr/Ege-Trans-Arena) ausbauen. „Ich will den Titel gewinnen“, sagt er energisch, „ob ich Topscorer werde, interessiert mich nicht, so etwas hat mich nie interessiert. Ich will gewinnen, ein Spiel, eine Serie, die Meisterschaft.“

Weil David Wrigley derzeit der Steeler ist, der die meisten Punkte gesammelt hat, darf er sogar eine Auszeichnung tragen. Einen Goldhelm. In der DEL 2 gehört dieses Insigne für den besten Torriecher zur Pflichtausstattung des Spielers, der die interne Punkteliste anführt. Für Scorerkönig Wrigley ist es eine lästige Krone. Denn auf einen goldenen Helm legt der Mann aus Washago/Ontario so viel wert wie auf einen Puck zwischen den Lippen. Er wäre erleichtert, wenn er dieses Ding nicht tragen müsste; wenn er wie seine Teamkollegen einen weißen oder schwarzen Kopfschutz nehmen dürfte. „Mit diesem Helm fühlt man sich irgendwie ausgegrenzt“, sagt er, „ich glaube, niemand will ihn wirklich tragen.“

Der Außenstürmer wird das Goldköpfchen womöglich nicht mehr los, was der Kanadier sicher verkraften könnte, wenn die Steelers am Ende dann Zweitliga-Meister sind. Doch auf dem Weg dorthin liegen noch einige blaue Flecke, harte Checks und viel Schweiß. Die Best-of-seven-Serie gegen Bremerhaven dürfte eng werden – das Duell endete in der Hauptrunde 2:2. Die Steelers gewannen 5:0 und 4:2, sie verloren aber auch 2:3 und 3:4. „Die Pinguins haben einen guten Coach und eine starke Offensive“, sagt Wrigley, „das haben wir in dieser Saison schon zweimal zu spüren bekommen.“

Nicht vergessen hat er die Final-Niederlage 2014 gegen Bremerhaven. „Wir wollen Revanche“, betont er. Dass der Zweitliga-Meister nicht in die DEL aufsteigen kann, lässt ihn ziemlich kalt: „Für die Fans und das Management wäre das wichtig – ich werde fürs Eishockeyspielen bezahlt.“ Der 1,83 Meter große und 89 Kilogramm schwere Kerl wäre froh, wenn das weiter die Steelers besorgten. Wenn der auslaufender Vertrag verlängert würde, wenn er in Sachsenheim wohnen bleiben könnte – dafür würde er die komplizierte Sprache Deutsch in Kauf nehmen. Dabei hat er ja noch Luft nach oben.

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