Die Umsätze in dem Renninger Geschäft sind zu niedrig. Die Genossenschaft, die das Projekt gemeinsam gestemmt hat, löst sich auf.
Es ist ein Abschied, der wehtut. Denn die Beteiligten haben viel Arbeit und Mühe in ihr Herzensprojekt gesteckt. Doch die Resonanz war am Ende einfach zu gering. Am Samstag, 23. Dezember, wird der Unverpackt-Laden in Renningen zum letzten Mal seine Pforten öffnen. Danach ist Schluss. Die Genossenschaft, die sich noch in Gründung befand und den Laden betrieben hat, wird aufgelöst.
Die Renningerin Christine Berg wollte mit einem Unverpackt-Laden, also einem Geschäft, in dem auf Plastik verzichtet wird, etwas bewirken. Letztlich fanden sich fast 40 Mitstreiter, die gemeinsam mit ihr eine bürgerliche Genossenschaft gründen und den Unverpackt-Laden ins Leben rufen wollten. Das war um den Jahreswechsel 2021/22. „Schon damals lief es nicht so gut für die Unverpackt-Läden, aber wir hatten die Hoffnung, dass es nach Corona wieder bergauf geht“, erzählt Christine Berg. Doch die Zeichen standen von Anfang an nicht gut, beispielsweise der Krieg gegen die Ukraine wirkte sich auch hier auf das Kaufverhalten der Menschen aus.
Trotz 100 Prozent Ehrenamt macht der Laden Miese
Die Eröffnung erfolgte im April 2022. Trotz steigendem Bekanntheitsgrad fanden sich nur wenige, die wirklich regelmäßig dort einkauften oder das Angebot des integrierten Cafés nutzten. „Es hat sich schon lange abgezeichnet, dass wir trotz 100 Prozent Ehrenamt Miese machen.“ Irgendwann setzte ein Domino-Effekt ein: Wegen geringer Verkaufszahlen wurde weniger bestellt, geringere Bestellmengen bedeuten aber höhere Stückpreise, was am Ende an die Kunden weitergegeben werden muss, die dann noch weniger kaufen. Als die Zahlen schließlich schwarz auf weiß auf dem Tisch lagen, habe man die Reißleine gezogen. Die Genossenschaft, die aktuell aus 37 Mitgliedern besteht, beschloss am 10. Oktober einstimmig die Schließung des Geschäfts. Entsprechenden Läden in Magstadt, Ludwigsburg und Herrenberg ist es ebenso ergangen.
Schwierigkeiten bereitete aber nicht nur der Verkauf. Auch das Modell der Genossenschaft stellte sich als steiniger heraus, als Christine Berg es sich erhofft hatte. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss von Privatleuten, die gemeinsam einen wirtschaftlichen Betrieb gründen. „Das Konzept klang sehr schön damals: Die Ideale einer bürgerlichen Genossenschaft mit dem Slogan: gemeinsam die Welt verbessern, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, das wirkte auf den ersten Blick sehr attraktiv.“ Letztlich hätten sich die Vorteile und Nachteile gegenüber einer „normalen“ Gewerbeaufnahme gegenseitig aufgewogen.
Auflagen für Genossenschaft sind streng
Denn die gesamte Materie erwies sich als extrem zeitintensiv und kompliziert. Das Verfahren zur Gründung einer Genossenschaft sei sehr aufwendig, die steuerrechtlichen Auflagen beispielsweise seien viel strenger als für einen Einzelunternehmer. Und leider kenne sich so gut wie niemand damit aus, erst nach intensiver Suche habe die Gruppe einen Steuerberater gefunden, der sie überhaupt annehmen wollte. „Ich finde die Idee immer noch charmant, dass man zusammen etwas schaffen kann, was man alleine nie hätte stemmen können, und ich bereue das auch nicht“, formuliert es Christine Berg. Letztlich seien sie alle wohl etwas naiv an die Sache herangegangen. Trotzdem sei sie doch enttäuscht, wie wenig Unterstützung die Genossenschaft, die den Gemeinwohlgedanken stärken möchte, von Behörden und Gesetzgeber erfahren hätte.
Verbaler Zuspruch, aber zu wenige Käufer
Dass eine andere Herangehensweise an der jetzigen Situation etwas geändert hätte, glaubt die Initiatorin allerdings nicht. „Verbal fanden es die Menschen gut, aber wirklich hier einkaufen wollte dann doch kaum jemand“, so Christine Berg. Am Ende sei der Wunsch, alles unkompliziert und an einem Ort zu bekommen, doch größer als der Wille, Plastik zu sparen; die Bereitschaft, das eigene Kaufverhalten umzustellen, zu niedrig. „Wir hatten dazu eine Umfrage, in der die Teilnehmer klar sagten: Sie finden das Konzept nett, aber insgesamt sei ihnen das zu aufwendig. Man merkt da schon den Zwiespalt, in dem die Menschen sich befinden.“ Ein Nachfolgeprojekt ist zunächst nicht in Aussicht. „Ich will versuchen, die bitteren Lektionen am Ende doch in etwas Positives umzuwandeln“, sagt Christine Berg. Ob und wann und wie, will sie aber noch offen lassen. Sie hegt die Hoffnung, dass zumindest das Projekt Pois in Renningen weiterläuft. Dabei werden fair gehandelte Waren aus Portugal in Deutschland verkauft, nur auf Bestellung und an ausgewählten Abholstellen. Eine davon ist der Unverpackt-Laden. „Das kommt gut an bei den Leuten, ich denke daher, dass das klappt, dass wir eine Abholstation in Renningen erhalten können.“
Bis zu seiner Schließung hat der Laden in der Hauptstraße neben dem Müller-Drogeriemarkt regulär geöffnet: Montags von 15 bis 18.30, dienstags und donnerstags jeweils von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr, freitags durchgehend von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Gutscheine müssen bis zum 23. Dezember eingelöst werden. Zwei Pois-Abholungen sind bis Jahresende noch eingeplant. Mehr Infos dazu gibt es per E-Mail an unverpacktrenningen@posteo.de.