Ein Schild am Ladeneingang informiert über das plötzliche Aus. Foto: Karin Götz

Spendenaufrufe und Mitgliedermodell haben nichts gebracht. Das Ohne PlaPla in der Ludwigsburger Innenstadt macht dicht. Eine Investorin und eine Kaufinteressentin haben den Inhaber Hergen Blase im Regen stehen lassen. Und der muss schnell handeln.

Kopfschütteln, ungläubiges Nachfragen, Bedauern: Der Unverpackt-Laden in der Ludwigsburger Innenstadt ist am Freitagvormittag voll mit Kundschaft, doch die Stimmung ist gedrückt. Die Nachricht, dass das Ohne PlaPla schließt, hat die Runde gemacht. Manch ein Kunde erfährt die Nachricht auch erst an der Ladentüre. „Alles muss raus. Letzter Tag: Samstag“ steht auf einer Tafel. Viele haben die Hiobsbotschaft über die sozialen Medien am Donnerstagabend erfahren. Auch Grünen-Stadtrat Florian Sorg versorgt sich noch einmal mit allem, was im Haushalt so gebraucht wird. „Wo soll ich denn jetzt einkaufen? Das war doch nur hier möglich“, sagt er und sein Bedauern, ob der bevorstehenden Schließung, steht ihm sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben.

 

Mittendrin: Hergen Blase. Er versucht möglichst die Fassung zu bewahren, spricht mit den Kunden, nimmt die guten Wünsche für sich und sein Team entgegen – doch das Aus seines Traumes fasst ihn doch sichtbar an. „Es ist irre, was alles an Reaktionen auf uns einströmt“, sagt der 53-Jährige. „Damit muss man auch emotional erst einmal fertig werden.“

Nach einem kurzen Aufwind sinken die Verkaufszahlen wieder

Im Februar, quasi zum vierten Geburtstag des Geschäftes, hatte der Inhaber des Unverpackt-Ladens eine Rettungsaktion gestartet. Ein Spendenaufruf und ein Mitgliedsmodell sollten das Aus abwenden. Anfangs brachte das Werben auch den erhofften Erfolg. „Es gab einen kurzen Aufwind, aber der hielt nicht an. Schon im April und Mai sind die Verkaufszahlen wieder gesunken.“

Dennoch hatte Hergen Blase berechtigte Hoffnung, dass es weiter geht mit seiner Idee des plastikfreien Einkaufs im Herzen der Barockstadt. „Ich hatte eine Investorin an der Hand, die es sich dann allerdings doch noch anders überlegte.“ Der 53-Jährige meldete Insolvenz an. Dann gab es erneut einen Grund zur Hoffnung. Eine Kaufinteressentin, die das Konzept übernehmen wollte, meldete sich. Alles schien soweit klar, doch vor drei Tagen sagte auch sie ab.

Einen Sonderverkauf gibt es am 4. August

Im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens habe er nach der Absage schnell handeln müssen. „Ich hatte nur noch bis Ende Juli Zeit und musste deshalb jetzt so kurzfristig handeln.“ Am Donnerstagabend postete er das Aus auf Facebook und Instagram und stellte eine Info auf die Homepage.

Am Samstag, 29. Juli, ist noch bis 14 Uhr geöffnet. Kommenden Freitag, 4. August, ist das Ohne PlaPla dann ein letztes Mal offen. „Da werden wir dann noch einmal einen Sonderverkauf – auch mit Einrichtungsgegenständen, Besteck, Geschirr et cetera machen, damit nichts entsorgt werden muss“, kündigt Hergen Blase an. Wie es für ihn selbst weitergeht, kann der 53-Jährige im Moment nicht sagen. Er werde Ludwigsburg auf jeden Fall treu bleiben. „Ich werde mich erst einmal neu orientieren und etwas anderes Gutes tun.“

Zu viele Krisen kamen zusammen

Dass er mit dem Unverpackt-Laden nicht das große Geld verdient, habe er von Beginn an gewusst. Ökonomie, Ökologie und Soziales waren nämlich gleichberechtigte Säulen seiner Unternehmensphilosophie. Eine Philosophie, die zunächst auch gut funktioniert hat. Der Laden trug sich. Doch dann kam 2022.

„Es waren einfach zu viele Krisen. Der lange Lockdown, der Krieg, die Inflation. Auch wenn es in der Region viele Menschen mit ordentlichen Gehältern gibt, hat sich das Einkaufsverhalten geändert“, weiß Blase. Und auch wenn 70 Prozent der Kundschaft dem Laden treu geblieben sind, die restlichen 30 Prozent fehlen. Nicht nur dem Ohne PlaPla, sondern auch vielen anderen Unverpackt-Läden: „Uns trifft kein Einzelschicksal. Immer mehr machen zu – ganz aktuell auch einer im großen München. Dabei wären unsere Läden wichtiger denn je.“