Leerstand in der Böblinger Bahnhofstraße: Easy Sports ist weg. Foto: factum/Jürgen Bach

Easy Sports macht in Böblingen zu, in Schönaich weiter. Und weil die Inhaberin weiß, wie schwer die Corona-Krise Einzelhändler und Gastronomen trifft, will sie ihrem eigenen Mieter bei Bedarf die Miete erlassen. Auch die Städte stunden den Betrieben die Steuer.

Böblingen - Ausgeräumt und verrammelt ist der Laden an der Ecke Wilhelmstraße/Bahnhofstraße. Easy- Sports ist der erste Laden in Böblingen, der der Corona-Krise zum Opfer fiel. 1500 Euro für Miete und Nebenkosten spart die Inhaberin Andrea Hamann im Monat nun ein. Geld, das sie gut gebrauchen kann. Denn sie hat einen weiteren Laden in Schönaich. „Das ist unser eigentliches Hauptgeschäft. Wir nutzen die Krise, um es zu renovieren und umzubauen“, sagt Hamann. Der kleine Laden in Böblingen sei vor allem „ein Schaufenster gewesen, der uns viele Kunden gebracht hat“. Das Gros der Ware gebe es aber sowieso in der Schönaicher Bahnhofstraße.

Mietvertrag aufgelöst

Dankbar ist Hamann ihrem Böblinger Vermieter, dass dieser sie problemlos Ende März aus dem Mietvertrag entlassen hat. In Schönaich ist Hamann Eigentümerin der Immobilie, in der sich ihr Laden befindet und selbst Vermieterin. „Mo’s Esszimmer“ hat sich dort eingemietet, ein Restaurant mit schwäbischer Küche. „Das wollen wir unbedingt halten. Deshalb haben wir dem Inhaber signalisiert, dass wir vorerst auf die Miete verzichten, wenn er Probleme hat.“ Ihre sechs Mitarbeiterinnen hat Hamann nach Hause geschickt. „Die sind aber wieder dabei, wenn wir aufmachen“, verspricht sie. In der Zwischenzeit baut sie einen Online-Shop auf. „Bei uns kann man bestellen und die Ware dann abholen oder wir liefern sie nach Hause.“ Das bringe zwar nicht viel Umsatz, aber man bleibe im Gespräch.

Auf seinen Lieferservice setzt auch Hamanns Kollege Robert Klotz. In seinem Sportfachgeschäft am Sindelfinger Wettbachplatz arbeitet er aktuell die Online- und telefonischen Bestellungen ab, die den Kunden dann nach Hause geliefert werden. „So kann ich auch einen Teil meiner Mitarbeiter etwas beschäftigen“, sagt Klotz. Zehn Angestellte hat er und für diese Kurzarbeit angemeldet.

Mit dem Lieferservice mache er aktuell etwa zehn Prozent des sonst üblichen Umsatzes. „Ein paar Wochen können wir so durchhalten“, sagt er – hofft aber sehr, „dass wir spätestens im Mai wieder aufmachen dürfen“. Mit der Unterstützung der Stadtverwaltung und der Wirtschaftsförderung ist er sehr zufrieden. „Sie informieren uns über die Hilfsprogramme von Stadt, Land und Bund. Klotz möchte einen KfW-Kredit beantragen. „Aber natürlich müssen wir den zurückzahlen.“

Wirtschaftsförderung informiert per Newsletter

Die Sindelfinger Wirtschaftsförderung hat alle Händler der Stadt nach ihren Problemen befragt. Mit einem Newsletter informiert sie etwa 400 Unternehmen in der Stadt über neue Entwicklungen. Bisher habe noch kein Betrieb aufgegeben, sagt Matthias Reithinger von der Wirtschaftsförderung. Die Stadt gewährt Händlern auf Anfrage eine Stundung ihrer Steuerschuld. Auch in Böblingen stundet die Verwaltung den Betrieben ihre Zahlungen. Über Facebook und mit E-Mails informiert die Wirtschaftsförderung die Unternehmen über die Unterstützungsprogramme von Land und Bund. An diesem Mittwoch hält der Oberbürgermeister Stefan Belz von 18 Uhr an einen Online-Talk zum Thema „Auswirkungen des Coronavirus auf Handel und Gewerbe“.

Andrea Hamann übrigens schließt eine Rückkehr nach Böblingen nach der Corona-Krise nicht aus.

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