2024 soll am Zürichsee der Startschuss fallen. Konkrete Gespräche gibt es auch schon in Dubai und Florida sowie in Malaysia und Kanada.
Noch unscheinbarer könnte das Firmengebäude der Peick Fördersysteme GmbH in Marbach-Rielingshausen kaum sein. Niemals würde man vermuten, dass hier mitten im 2600-Seelen-Ort ein Unternehmen tätig ist, das in verschiedenen Geschäftsfeldern nicht nur weltweit agiert, sondern auch über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt. Als einziges baut es vollautomatisierte Yacht-Parkhäuser und ist damit Ansprechpartner für zahlreiche Marinas und Investoren aus aller Welt. In Zürich wird man nun das erste Yacht-Parkhaus der Welt eröffnen. Im ersten Quartal 2024 soll es so weit sein. 100 Boote sollen dann darin Unterschlupf finden.
Vier Jahre hat es gedauert, ehe das komplette Konzept stand
„So wie viele Städte ein Problem mit Parkplätzen haben, geht es auch vielen Marinas. Der Platz ist begrenzt. Wenn die Wasserstellplätze voll sind, sind sie eben voll. Doch der Bedarf an Liegeplätzen wächst“, sagt Patrick Scafes, einer der drei Geschäftsführer der Firma Peick. Vor vier Jahren waren die Betreiber der Marina in Zürich deshalb auf der Suche nach einer Lösung auf das Unternehmen zugekommen. Da die Firma Peick seit 27 Jahren Erfahrungen mit Fördersystemen hat und auch schon das ein oder andere vollautomatisierte Auto-Parkhaus gebaut hat, hoffte man, hier den richtigen Ansprechpartner zu finden. Mit Erfolg. „Für uns ist es nur eine Lagerung von Fördergut. Da ist es egal, ob wir ein 1-kg-Paket irgendwohin befördern oder eine Yacht“, erklären die beiden Geschäftsführer und Gründer, Frank und Sandra Peick. Dennoch dauerte es ganze vier Jahre, ehe das komplette Konzept und alle Pläne für das Projekt standen. Im Februar wurde nun der Vertrag unterschrieben. Aktuell läuft das Engeneering, 2024 soll die große Einweihung erfolgen. Und die Marbacher sind sich sicher: „Das wird den Markt revolutionieren.“
Die Nachfrage ist weltweit da – konkrete Gespräche laufen
Andere Marinas und Investoren sind längst auf das Projekt aufmerksam geworden – und haben ebenfalls ihr Interesse bekundet. So führt man bereits konkrete Gespräche in Dubai und Florida. „Dort gibt es einen sehr großen Markt“, sagt Patrick Scafes. Und auch in Malaysia und Kanada ist man im engen Austausch. „Viele Marinas wollen die kleinen Boote von den Wasserstellplätzen weg haben, damit dort die großen Yachten hinkönnen. Das ist für sie die ideale Lösung“, erklärt das Ehepaar Peick. Der Fantasie sind beim Bau keine Grenzen gesetzt. Ob prunkvoll oder schlicht, ob größere oder kleinere Yachtboxen – das Stahlbausystem der Firma Peick ist stets das gleiche. Es kann jedoch komplett den Kundenwünschen angepasst werden. So ist in Zürich beispielsweise zusätzlich ein Auto-Aufzug geplant. Mit diesem wird man dann direkt zu seiner Box gefahren. Ist die Yacht aus der Box, kann man das Auto darin parken. Auch eine Roof-Top-Bar sowie ein Restaurant können auf dem Dach Platz finden. „Es ist alles machbar. Es ist eben nur eine Frage des Geldes“, sagt Sandra Peick schmunzelnd.
Die Yacht wird auf dem Weg in die Box gewaschen
Dass auch die Yacht-Inhaber die Vorteile des Parkhauses bereits erkannt haben, wird daran deutlich, dass in Zürich bereits alle 100 Boxen in kurzer Zeit vergeben waren. „Die Yacht steht nicht nur geschützter und ist nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt, sie wird auf dem Weg in die Box auch noch gewaschen, und man muss keine Angst mehr haben vor Remplern von Nachbarn“, erklärt Patrick Scafes, der seit sieben Jahren im Unternehmen ist und bereits gemeinsam mit dem stellvertretenden Geschäftsführer Oliver Knödler als späterer Nachfolger von Peicks feststeht. „Alles in allem steigert das den Wert der Yachten.“
Ein Ampelsystem regelt den Verkehr vor dem Parkhaus
Das Parkhaus selbst ist voll automatisiert. Mit seinem Eingangs-Chip kommt man von Land und Wasser zu seiner Box. Es geht stets nur die eigene Box auf, oder sie fährt innerhalb von ein paar Minuten ins Wasser. Ein Ampelsystem regelt den Verkehr.
Wichtig ist den Geschäftsführern der Firma Peick, und das betonen sie gerne, dass die komplette Mechanik und alle dynamischen Elemente ihrer Anlagen zu 100 Prozent aus Marbach kommen. „Made in Germany ist einfach ein Markenzeichen“, so die drei, die sich bereits jetzt riesig auf die Eröffnungsfeier in Zürich freuen. Unscheinbar wird dort dann sicher gar nichts sein.
Fakten zur Firma Peick Fördersysteme
Die Geschichte
Mit Komponenten für Fördertechniken fing 1995 in einer Garage in Remseck alles an – als Alleinunternehmen von Frank Peick. Nach und nach kamen mehr Geschäftsfelder, Mitarbeiter und neue Räume hinzu. So stieg man unter anderem in den Aufzugsbau ein und kümmerte sich um Aufzüge für zahlreiche Weltunternehmen. Auch am Pariser Flughafen Charles de Gaulles baute man alle Aufzüge ein. Seit einigen Jahren hat das Unternehmen seinen Sitz in Marbach-Rielingshausen. Auf 7200 Quadratmetern sind die Fertigung, die Verwaltung, der Einkauf sowie die Montage untergebracht. Im nordrhein-westfälischen Schwelm befindet sich ein Verkaufsstandort für Parksysteme, in Saarbrücken das Engeneering sowie die Projektleitung. Des Weiteren unterhält die Firma Peick einen Standort im rumänischen Cluj, an dem man sich auf Automatisierungskomponenten spezialisiert hat. Inzwischen sind 52 Mitarbeiter tätig.
Fördertechniken
sind das größte Geschäftsfeld und somit das tägliche Brot des Unternehmens. „Hier bieten wir ganz verschiedene Lösungen an“, erklären die Geschäftsführer. So liefert das Unternehmen unter anderem Hardware an große Automobilkonzerne wie Porsche, Daimler und VW. Außerdem hat die Firma Kunden in der Medizintechnik oder der Holzindustrie. Weiter arbeitet man mit Drogeriemarktketten und Sportartikelherstellern zusammen.