Vom Fahrplanwechsel im Dezember an wird der Takt der S-Bahn in der Region Stuttgart ausgedünnt. Abends und am Samstag fahren weniger Züge als bisher. Was sind die Gründe dafür?
Nächster Nackenschlag für die ohnehin schon geplagten Fahrgäste der Stuttgarter S-Bahn: die als Rückgrat des Nahverkehrs apostrophierten Züge werden vom Fahrplanwechsel im Dezember an seltener unterwegs sein als heute. Der Fahrplan wird ausgedünnt. Im Regionalverband, der den Verkehr bestellt und bezahlt, dürfte das zu hitzigen Debatten führen.
Diskussion im Regionalparlament
Die Regionalräte sollen sich in einer Sitzung Anfang Oktober mit „Fahrplananpassungen 2024“ und weiteren „Maßnahmen zur Stabilisierung des S-Bahn-Betriebs“ befassen. Was auf der Tagesordnung des regionalen Verkehrsausschusses so unscheinbar daher kommt, hat es für die Fahrgäste der S-Bahn in sich. Sie müssen sich zumindest für ein Jahr von lieb gewonnenen Errungenschaften verabschieden.
Nach Informationen unserer Zeitung endet der 15-Minuten-Takt auf allen Linien des Netzes unter der Woche künftig anderthalb Stunden früher als bisher. Statt bis 20.30 Uhr kommen vom Fahrplanwechsel im Dezember an die Bahnen nur noch bis 19 Uhr alle 15 Minuten. An Samstagen wird es im Jahresfahrplan 2024 keinen 15-Minuten-Takt mehr bei der S-Bahn geben. Eine Ausnahme bildet die Linie S 6/S 60 zwischen Weil der Stadt beziehungsweise Böblingen und Stuttgart. Bei ihnen gibt es, anders als bei den übrigen S-Bahn-Linien, keine parallel verkehrende Züge des Regionalverkehrs, auf die S-Bahn-Fahrgäste umsteigen können.
Um die Folgen für die Fahrgäste abzumildern, schickt die S-Bahn dann zwischen 6 und 20.30 Uhr alle Züge in maximaler Länge auf die Strecke. Ein Sprecher der Bahn weist zudem darauf hin, dass in Zügen, die 2024 in der Zeit zwischen 19 und 20.30 Uhr nicht mehr fahren, „heute etwa nur knapp über zwei Prozent der Fahrgäste am Tag“ unterwegs sind.
Züge wegen Umbaus nicht verfügbar
Die Reduzierung des Angebots soll sowohl mit Engpässen bei den Fahrzeugen als auch bei den Lokführern begründet werden. Die S-Bahn-Züge werden nach und nach auf die neue digitale Sicherungstechnik ETCS (European Train Control System) umgerüstet. Die Umbauarbeiten finden in den Werken der Herstellerfirmen statt. Währenddessen stehen die Züge nicht für den Einsatz in der Region Stuttgart zur Verfügung. So stehen derzeit acht S-Bahn-Fahrzeuge beim Hersteller Alstom zur Umrüstung.
Die ohnehin dünne Personaldecke im Führerstand, gegen die die S-Bahn seit einiger Zeit mit einer gezielten Werbekampagne ankämpft, wird ebenfalls durch die fürs Jahr 2025 angekündigte Umstellung auf ETCS begründet. Die Lokführer müssen bis dahin eine Schulung durchlaufen, um in der neuen Technik fit gemacht zu werden. Während der Fortbildung können sie aber natürlich keine Dienste in Stuttgart versehen. Gegen die Personalknappheit habe die S-Bahn in den beiden vergangenen Jahren 100 neue Mitarbeiter eingestellt. „Allein in diesem Jahr sind es weitere 80“, so der Sprecher.
Beeinträchtigungen nehmen kein Ende
Die Einschränkungen setzen eine Reihe an Beeinträchtigungen fort. Vor Kurzem ging die sechswöchige Komplettsperrung der sogenannten Stammstrecke, dem innerstädtischen S-Bahn-Tunnel, zu Ende. Von April bis Juli war die Strecke zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen gesperrt. Im Oktober halten keine S-Bahnen in Feuerbach.