Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat im Greutterwald zwischen Stuttgart-Weilimdorf und Zuffenhausen Blindgänger unschädlich gemacht. Sie wurden offenbar bei einem Luftangriff der Alliierten im Januar 1945 abgeworfen.
Im Waldgebiet zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen sind am Montag zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Der Einsatz dauerte knapp fünf Stunden lang, gegen 14.30 Uhr konnte Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg (KMBD) Entwarnung geben.
Es handelte sich um zwei US-amerikanische, jeweils rund 250 Kilogramm schwere Fliegerbomben mit britischem Zünder. „Sie sind in dieser Konstellation eher selten“, sagte Rottner, der in seiner knapp 30-jährigen Zeit als Feuerwerker nicht einmal eine Handvoll davon entschärft hat. „Sie wurden wohl beim Luftangriff im Januar 1945 abgeworfen.“ Obwohl die Blindgänger knapp 80 Jahre lang im Boden gelegen hatten, seien sie noch immer funktionsfähig und potenziell gefährlich gewesen, so der Experte. Die beiden Sprengbomben hätten den Einschlag damals unbeschadet überstanden, befanden sich rund zwei Meter tief im Boden. Die Entschärfer näherten sich ihnen und legten sie vorsichtig frei, ohne ihre Lage zu verändern. Anschließend wurden die Aufschlagzünder langsam herausgeschraubt.
Sabotage möglich
Auf die Position der beiden Sprengkörper ist das KMBD-Team bei sogenannten Sondierungsmaßnahmen gestoßen. Dazu werden Luftaufnahmen der Alliierten unter die Lupe genommen. Kleinere Krater sprechen dafür, dass eine Fliegerbombe beim Einschlag nicht detoniert ist. Mögliche Gründe dafür gibt es viele: Unter anderem mangelnde Qualität, aber auch Sabotage bei der Herstellung ist denkbar.
Ehe sich die Entschärfer am Stadtrand von Stuttgart ans Werk machen durften, war das Gebiet rund um die Fundstellen im Greutterwald von der Polizei in einem Radius von 400 Metern geräumt worden. Hierbei setzten die Beamten auch Drohnen ein, um die großen Grünflächen zu kontrollieren. Insgesamt waren 41 Bewohner an der Grefstraße von der Evakuierung betroffen. Sie hatten die Häuser aber bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte verlassen. Vereinzelt trafen die Beamten auf Hundehalter, die mit ihrem Vierbeiner Gassi gehen wollten, und auf Radfahrer. Sie mussten sich ab 10.15 Uhr alternative Routen suchen. Die von der Stadt angebotene Unterstützung für Personen, die nicht gut zu Fuß sind, wurde offenbar nicht benötigt.
Durch die Lage der Fliegerbomben mitten im Wald hielten sich die Einschränkungen für die Anwohner in Grenzen. Zum Vergleich: Als im vergangenen November auf den Feldern bei Stuttgart-Steinhaldenfeld eine Fliegerbombe ausgegraben wurde, mussten rund 1900 Anwohner ihre Wohnungen verlassen. Wie sich erst später herausstellte, bestand aber keine Explosionsgefahr. Den 250 Kilogramm schweren Blindgänger hatte es wohl bereits beim Einschlag zerlegt.