Das Tammerfeld und mittendrin das Breuningerland Foto: Kuhnle/Archiv

Das Einkaufszentrum im Tammerfeld will wieder wachsen, und das Rathaus sorgt sich wieder um die Innenstadt. Die Verwaltung will die Expansionswünsche vorerst bremsen. Dabei schienen sich die Beteiligten bis vor Kurzem noch einig zu sein.

Ludwigsburg - Was zuletzt über das Verhältnis zwischen der Stadt Ludwigsburg und dem Breuningerland im Tammerfeld bekannt wurde, ließ auf eine relative Auskömmlichkeit schließen. Die Stadt freute sich an ihrem revitalisierten Marstall-Center. Und im Breuningerland wähnte man sich zuversichtlich, den nächsten Wunsch nach mehr Verkaufsfläche halbwegs problemlos erfüllt zu bekommen. Eine offizielle Vereinbarung gibt es zwar nicht, doch dass sich die Stadt Ludwigsburg gegenüber dem Breuningerland erkenntlich zeigen würde, war allen Beteiligten klar. Denn ohne die Firma ECE, die das Breuningerland und inzwischen auch das Marstall betreibt, wäre die Verwandlung des maroden Kaufhauses in der Innenstadt nicht vorstellbar gewesen.

Überraschung im Rathaus

Aber wie sich nun herausstellt, ist das Verhältnis zwischen der Stadt und dem Konzern offenbar doch nicht ganz ungetrübt. In der Sitzung des Gemeinderats am kommenden Mittwoch sollen die Kommunalpolitiker über einen Bebauungsplan für das fragliche Gebiet beschließen, der vorerst keinerlei Erweiterung gestatten würde. Der Anlass für diesen Verwaltungsvorschlag ist eine Bauvoranfrage des Breuningerlandes, die vor einer Woche im Rathaus eingegangen ist – offenbar zur Überraschung der Verwaltung sowie der eilends einberufenen Stadträte.

Demnach will das Einkaufszentrum im Norden Ludwigsburgs um eine Bruttogeschossfläche von 8500 Quadratmetern wachsen. Auf einem aktuell als Parkplatz genutzten Bereich ist ein Anbau vorgesehen. Mit den zusätzlichen Flächen soll das Angebot an Dienstleistern und Gastronomie vergrößert werden. Außerdem ist geplant, das Parkhaus um zwei Stockwerke zu erhöhen. Der Ludwigsburger Stadtverwaltung erscheint die beantragte Fläche ungebührlich groß. In den Gesprächen, die die Parteien in den vergangenen Monaten miteinander geführt haben, ist offenbar stets von maximal 4000 Quadratmetern mehr Verkaufsfläche die Rede gewesen – mit der nun beantragten Bruttogeschossfläche passt dies angeblich nicht zusammen.

Eiszeit, Annäherung, neue Konfrontation

Im Bauausschuss, wo Vertreter der Firma Breuninger ihr Vorhaben am Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt haben, fielen die Reaktionen allerdings geteilt aus. Ein Teil der Räte bewertet die Pläne als angemessen. Andere bezeichnen die Forderung ebenfalls als viel zu hoch. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht. Der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk sagt lediglich, man sei grundsätzlich bereit, mit Breuninger zu verhandeln. Man führe intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung und den Fraktionen, sagt Christian Witt, der Sprecher der Firma Breuninger, der die Idee mit dem neuen Bebauungsplan gar nicht gefallen dürfte.

Der bisherige Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1971 und würde dem Einkaufszentrum eine fast grenzenlose Erweiterung gestatten. Theoretisch wäre eine Verkaufsfläche von 195 000 Quadratmetern möglich. Die aktuelle Verkaufsfläche misst rund 40 000 Quadratmeter. Als das Breuningerland vor acht Jahren schon einmal eine Erweiterung beantragt hatte – damals um 10 000 Quadratmeter – , verhängte die Stadt eine Veränderungssperre. Und gleichzeitig begann sie, an einem neuen, modernen Bebauungsplan zu arbeiten, der grundsätzlich überhaupt keine Erweiterungsmöglichkeiten vorsehen sollte.

Bekannte Argumente

Drei Jahre später, als die (gemeinsamen) Pläne für das Marstall bestens gediehen, zog Breuninger die Bauvoranfrage zurück – und die Stadt legte die Arbeit am Bebauungsplan auf Eis. Nach der erfolgreichen Wiederbelebung der Innenstadt, so hatten es beide Seiten vereinbart, wolle man erneut über die Entwicklung im Tammerfeld reden. Wie es nun scheint, hat sich die Situation nicht wesentlich entspannt. Die Argumente sind ohnehin dieselben.

Das Breuningerland will attraktiv bleiben und sich den Wünschen seiner Kunden anpassen. Die Stadt befürchtet, dass eine Vergrößerung die City gefährdet. Dass das Breuningerland nun gar nicht im Bereich des sogenannten zentrenrelevanten Sortimentbereichs zulegen will, sondern bei den Dienstleistungen und der Gastronomie, ändert an der städtischen Sorge nichts. Auch eine solche Entwicklung, so die Gewissheit, wird sich negativ auswirken.

Sehr wahrscheinlich wird sich auch an der Debatte, die nun folgt, nichts geändert haben: Sie wird hitzig.

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