Eine aktuelle Visualisierung zeigt mittig das erweiterte Breuningerland und im Hintergrund (Richtung Süden) die A 81. Foto: Breuninger

Das Shopping-Center Breuningerland in Sindelfingen wird um rund 10 000 Quadratmeter wachsen. Zudem will das Stuttgarter Unternehmen auf seinem Areal einen neuen Quasi-Stadtteil schaffen, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit nah beisammen liegen. Beschlossen ist das aber noch nicht.

Weg mit dem Asphalt, her mit dem Grün. Das stellt sich das Stuttgarter Unternehmen Breuninger für die Erweiterung seiner Shopping Mall um rund 10 000 Quadratmeter und das in der Umgebung geplante Goldbach-Quartier in Sindelfingen vor. Sowohl die ausladenden Parkflächen um das Breuningerland herum als auch das jetzige Parkhaus sollen verschwinden und dem Areal ein komplett neues Gesicht geben. Das hat Breuninger-Projektentwickler Dominik Veltjens im Maichinger Bürgerhaus dem Sindelfinger Gemeinderat eröffnet. Die Kosten für den neuen Quasi-Stadtteil sollen im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen.

 

Nachdem es einige Zeit still geworden war um die Pläne für das privat finanzierte Wohnquartier im Sindelfinger Osten, sollen die Planungen nun konkreter werden. Noch in diesem Jahr wolle man mit den Arbeiten für die Erweiterung der Shopping Mall beginnen, deutete Veltjens an. Dass der Konzern ihren Sindelfinger Standort erweitern darf, ist lange bekannt. Es wurde aber erbittert darum gerungen, Breuninger hatte sogar den Klageweg beschritten und im Jahr 2021 recht bekommen. Ebenso bekannt ist, dass Breuninger um das Center herum auf rund 170 000 Quadratmetern ein komplettes Quartier errichten will – mit Wohnhäusern, Parks, Büroflächen, und sogar einer Kita.

Parkhaus wird zu Park

Seit das Projekt allerdings im Dezember 2021 zuletzt im Gemeinderat behandelt wurde, hat sich offenbar im Hintergrund einiges getan. „Wir haben nicht nur untätig abgewartet“, sagte der Breuninger-Chef Holger Blecker im Scherz. Zwei unabhängige Marktforschungsanalysen und eine Bürgerbeteiligung hätten geholfen, die Zielgruppen für das Quartier einzugrenzen und das Feedback der Befragten habe den Masterplan noch einmal verändert. In einigen Punkten sogar sehr bedeutend.

Das Breuningerland im aktuellen Zustand. Foto: Stadt Sindelfingen

Das bestehende Parkhaus, das im ursprünglichen Entwurf sogar noch aufgestockt werden sollte, muss komplett weichen. Stattdessen sind direkt an der Autobahn 81 zwei neue Parkhäuser geplant. Diese sollen mit einem Plateau verbunden werden, das einen direkten Zugang zum Center ermöglicht. Dort seien aufgrund der Ausrichtung nach Süden auch außengastronomische Angebote denkbar.

Weniger Büros als zunächst geplant

An die Stelle des jetzigen Parkhauses soll eine Art Naherholungsgebiet treten. Damit wolle man dem Wunsch der Bürger nach mehr Grün Rechnung tragen. „Das bedeutet natürlich auch zusätzliche Aufgaben für die Stadt“, gab Sindelfingens Baubürgermeisterin Corinna Clemens im Hinblick auf die Pflege der Grünanlagen zu bedenken. Ursprünglich waren Park und Wohnhäuser an einer anderen Stelle geplant – an der Schwertstraße, nördlich des Goldbachs. „Wir hatten gehofft, dass wir die Hochspannungsleitung, die dort verläuft, unter die Erde bekommen“, so Veltjens. Das habe man jedoch verwerfen müssen, da der Netzbetreiber vorsehe, die Leitung zu erweitern.

Auch der Bereich Freizeit zieht aus dem Süden des Geländes in den Norden. Dort wolle man zusätzlich zum Park auch Freizeitangebote schaffen, „die einen Mehrwert für die ganze Region darstellen“, so der Projektentwickler. Zwischen dem Breuningerland und der Autobahn soll neben den neuen Parkhäusern auch ein Hochhaus mit Büroräumen gebaut werden. Einen weiteren Schwerpunkt für die Berufswelt gibt es im Westen des Quartiers. „Bei den Arbeitsplätzen haben wir das Volumen allerdings gegenüber dem Masterplan 2021 um rund die Hälfte reduziert“, so Veltjens. Die Umfragen hätten zwar einen Bedarf für Büroräume gezeigt, allerdings in kleinem Umfang. Dazu beigetragen hätte unter anderem die Pandemie, durch die viele Arbeitnehmer die Arbeit nachhaltig ins Homeoffice verlegt hätten.

Wohnungen und Kitas neben dem Center

Im Westen sollen auch Wohnhäuser entstehen – auch dort hat Breuninger die Zahlen angepasst. Waren zunächst bis zu 900 Wohnungen geplant, sind es im aktuellen Entwurf nur noch 500 Einheiten. Überwiegend seien Mietwohnungen geplant, unter anderem auch geförderter Wohnraum. In der Nähe der Wohnhäuser lasse sich auch eine Kindertagesstätte ansiedeln. Die in einer früheren Version des Planes angedachte Berufsschule oder Fachhochschule wurde in der Sitzung nicht mehr angesprochen.

Man wolle sein „Commitment“, also sein Engagement für Sindelfingen, damit unterstreichen, dass man das Projekt zielstrebig verfolge. Dabei, so Breuninger-CEO Blecker, sei die Situation für den Handel „extrem herausfordernd“. Man müsse sich transformieren, um für die Bürger in Zeiten des florierenden Onlinehandels relevant zu bleiben. In Sindelfingen gebe es dafür gute Voraussetzungen. Auch aus der Verwaltungen waren enthusiastischen Töne zu hören. Der angekündigte Grundsatzbeschluss wurde auf die Gemeinderatssitzung im März vertagt.

Die Geschichte des Goldbach-Quartiers

Die Idee
 Das Stuttgarter Unternehmen Breuninger will mit dem Goldbach-Quartier einen Ort schaffen, der adressiere, wie Menschen gerne leben und arbeiten wollen. Dazu gehörten auch kurze Wege zwischen Arbeits-, Wohn- und Konsumorten sowie Treffpunkte und Bildungseinrichtungen.

Im Gremium
 Im Jahr 2017 hatten die Stadträte zugestimmt, dass das Breuningerland um fast 10 000 Quadratmeter wachsen darf. Im Juli 2020 wurde die Idee für das Goldbach-Quartier vorgestellt.

Der Masterplan
 Ursprünglich hatte der Masterplan für das Areal unter anderem ein Hotel vorgesehen. Es gab sogar Überlegungen aus der Bürgerschaft, eine Eisbahn unterzubringen.

Bei den Bürgern
 Seitdem haben jedoch Marktforschungsstudien und Bürgerbeteiligungen die Pläne beeinflusst. Sowohl das Hotel als auch viele der Parkplätze sind verschwunden.